Superreicher klagt gegen Magazin-Ranking

Beim Geld fängt die Feindschaft an: Das Manager Magazin veröffentlicht jährlich die Liste der 100 reichsten Deutschen. Was für manchen Reichen Ehre ist, stößt beim anderen auf Missstimmung, wie dem Tiefkühlkost-Millionär, der seit Mittwoch vor dem Landgericht München gegen die Spiegel-Tochter klagt. Sein Anwalt Christan Schertz will durchsetzen, dass das Heft nicht mehr über das Vermögen seines Mandanten berichten darf, weil es das Recht auf Privatsphäre verletze. Das Gericht sieht das anders.

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Laut des Vorsitzenden Richters, Thomas Steiner, müsse die Gesellschaft wissen und darüber diskutieren, wo im Lande die großen Vermögen seien, berichtet die dapd. Damit pflichtete er dem Anwalt des Wirtschaftstitels, Konstantin Wegner, bei, der argumentierte, dass über Reiche berichtet werden dürfe und müsse, weil ihr Kapital auf Macht und Einfluss in der Gesellschaft hindeute.
Schertz hielt dem entgegen, dass der einzige Grund für die Berichterstattung Sensationsgier á la "Ich will auch durchs Schlüsselloch gucken" sei. Sein Mandant lebe inzwischen zurückgezogen und müsse es nicht mehr hinnehmen, "in irgendwelchen Hitparaden aufzutauchen". Der Richter entschied, dass das Vermögen ab einer bestimmten Summe nicht mehr Privatsphäre sei, sondern in die Sozialsphäre übergehe und erteilte Scherz damit eine Abfuhr.
Doch nicht nur dass sein Mandant in der Reichen-Liste genannt wird, stört Schertz, sondern auch was dort geschrieben wurde. Seinen Angaben zufolge sei das Vermögen falsch geschätzt worden. Die Beweislast für die falschen Zahle liege aber beim Mandanten, so der Richter: "In der Beweisaufnahme muss er die Hosen runterlassen."
Steiners Vorschlag: Das Manager Magazin solle in der nächsten Liste das Vermögen des Superreichen auf 600 Millionen Euro statt auf 950 Millionen Euro schätzen. Damit könnte man sich auf einen Vergleich einigen, aber Schertz lehnte ab. Der Medienanwalt kündigte an: "Wir ziehen das durch bis zum BGH. Das wird ein Grundsatzprozess." Noch ist das Urteil von der Kammer offen. Einen Präzedenzfall gibt es nicht.

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