„Frankfurter Kollegen büßen für andere“

Am Donnerstag haben Redaktion und Betriebsrat der Frankfurter Rundschau gegen die Sparpläne ihres Verlags demonstriert. In der Hauptstadt zeigt man sich mit den Betroffenen solidarisch. Der Redaktionsausschuss der Berliner Zeitung hat in einem offenen Brief kritisiert, dass die finanziellen Verluste der FR nicht durch die journalistische Arbeit der Redaktion, sondern durch Missmanagement und Konzeptionslosigkeit im Verlag entstanden seien: "Die Frankfurter Kollegen müssen für die Fehler anderer büßen."

Anzeige

Der Brief ist an die Chefredaktionen der Berliner Zeitung, die DuMont-Redaktionsgemeinschaft und Frankfurter Rundschau, die Verlagsleitung des Berliner Verlages sowie den Publizistischen Beirat von DuMont gerichtet. Darin heißt es. "Der Umgang mit den Kollegen der FR empört uns. Zumal wir wissen, dass wir und andere in wenigen Jahren vor der gleichen Situation stehen können."
Sie üben Kritik daran, dass auf die in Berlin arbeitenden Redakteurinnen und Redakteure durch den Stellenabbau bei der FR mehr Arbeit zukomme. Die Journalisten müssen zusätzlich zur Berliner Zeitung bis zu 40 Seiten täglich liefern. "Bereits jetzt ist absehbar: Dafür reicht das in Berlin geplante zusätzliche Personal bei weitem nicht aus. Aus nahezu allen Ressorts und Abteilungen kommen begründete Warnungen, dass die Kalkulationen keinesfalls praxistauglich sind", heißt es in dem Schreiben.
Man werde nicht akzeptieren, dass "durch inhaltliche Gleichmacherei, ein standardisiertes Layout oder sonstige fragwürdige ‚Synergie‘-Maßnahmen Charakter und Identität der Berliner Zeitung Schaden nehmen". Aus diesem Grund habe die Redaktion eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich solcher Probleme annehmen werde und fordert, an allen Planungen beteiligt zu werden. "Die Hoffnung von Chefredaktion und Berliner Verlagsleitung jedoch, dass in Berlin wegen der vergleichsweise günstigen Situation verlässliche Ruhe herrschen wird, bis die Grausamkeiten in Frankfurt vollstreckt sind, wird sich nicht erfüllen." Verlag und Redaktionen müssten es schaffen, das Profil von beiden Zeitungen, sowohl von Berliner Zeitung als auch von Frankfurter Rundschau, zu erhalten und zu entwickeln.
Das von der Redaktion der Berliner Zeitung durchgesetzte Redaktionsstatut, das auch Mitsprache- und Vertretungsrechte regelt, solle künftig für den gesamten redaktionellen Teil des Hauptstadt-Standortes gelten, also für Mitarbeiter der Redaktion der Berliner Zeitung, der bisherigen DuMont Redaktionsgemeinschaft und der neuen DuMont-Redaktion GmbH. "Darüber hinaus lehnen wir es ab, dass aufgrund der unterschiedlichen Vertragsverhältnisse am künftigen Berliner Standort nicht das Prinzip des gleichen Lohns für gleiche Arbeit gelten soll – obwohl die Redaktionsteile integriert sein sollen, also alle mit allen zusammenarbeiten." Es sei dramatisch genug, dass derzeit nur die BLZ-Redakteursverträge tarifliche Verträge seien. "Wir fordern diesen Standard künftig für alle Verträge in Berlin."
Die Deutsche Journalisten-Union (dju) in ver.di hat während ihrer heutigen Sitzung die Gesellschafter der FR aufgefordert, die Auslagerungspläne zurückzunehmen. Auslagerungen sind nach dem geltenden Haustarifvertrag ausdrücklich ausgeschlossen.
MDS und die SPD-Holding hatten am vergangenen Freitag bei der wirtschaftlich angeschlagenen Frankfurter Rundschau einen massiven Personalabbau, die Verlagerung der Mantelseiten zum Schwesterblatt Berliner Zeitung und die gleichzeitige Gründung von drei tariflosen Firmen in Frankfurt und Berlin verkündet. Die dju sieht mit dieser tariflichen Zerstücklung die publizistische Unabhängigkeit beider Zeitungen in Gefahr und die Schaffung einer Zwei-Klassengesellschaft für die Redakteure. Für die Beschäftigten fordert sie sozialverträgliche Lösungen, die Rücknahme der Auslagerungspläne, tariflich gesicherte Bedingungen als unabhängige Redakteure und den Erhalt der eigenständigen Profile der Frankfurter Rundschau und der Berliner Zeitung.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige