AOL feuert Chefin der Tipp-Sklaven

In den USA gibt es Ärger im neu geschmiedeten Content-Reich von AOL und der Huffington Post. AOL hat die Chefredakteurin der hauseigenen Film-Website Moviefone wegen einer publik gewordenen E-Mail gefeuert, in der sie die künftige Firmenpolitik allzu offen darlegte. In der Mail kündigte Chefredakteurin Patricia Chui an, dass die Seite künftig auf freie Mitarbeiter verzichten werde. Es würde aber ein Angebot geben, für umsonst weiter zu schreiben.

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Öffentlich gemacht wurde der Vorgang von der bekannten Internet-Journalistin Kara Swisher im Blog-Netzwerk All Things D des Wall Street Journal. So heißt es in der Mail, die Patricia Chui an die Mitarbeiter von Moviefone verschickt hat, wörtlich:  “Viele von Euch werden eine E-Mail erhalten, die euch informiert, dass eure Dienste als freie Mitarbeiter nicht länger benötigt werden. Ihr werdet aber eingeladen, als Teil unseres nicht bezahlten Blogger Systems weiter Beiträge zu liefern. Obwohl ich weiß, dass das für viele von euch keine finanzielle Option darstellt, will ich euch stark ermutigen, in Betracht zu ziehen, weiter für uns zu schreiben. Denn wir schätzen eure Stimmen und eure Beiträge.”

Eine E-Mail, die in den Ohren der betroffenen Freien klingen muss wie purer Hohn. Dabei ist Patricia Chui eigentlich nur die Überbringerin der Botschaft ihrer Herrn. Seit dem Zusammenschluss zwischen AOL und der Huffington Post ist Arianna Huffington die Ober-Verantwortliche für alle AOL-Inhalte. Erklärtes Ziel ist es, die Relevanz und journalistische Qualität der Inhalte auf den Seiten von AOL und der HuffPo zu steigern, um Werbekundschaft anzulocken. Dafür soll der Apparat an billig bezahlten freien Mitarbeitern zu Gunsten von Vollzeit-Journalisten abgebaut werden. Weil die erforderlichen Mengen an Content für die angepeilten Reichweiten aber nicht nur von teuren Vollzeit-Kräften erstellt werden können (das wäre viel zu teuer), setzen die Verantwortlichen bei AOL/HuffPo offenbar auf das bei der Huffington Post in der Vergangenheit schon bewährte Prinzip der unbezahlten Arbeit.

Es gäbe also bei AOL/Huffington Post künftig eine Zwei-Klassen-Gesellschaft der Schreiber: ordentlich bezahlte Vollzeit-Kräfte und eine Heerschar nicht bezahlter Blogger, die allein für Ruhm und Ehre in die Tasten greifen sollen. Dass AOL die Huffington Post für über 300 Millionen Dollar kauft und dann kein Geld mehr hat, um die Tipp-Sklaven am unteren Ende der digitalen Hackordnung zu bezahlen, das ist schon schäbig. Mit der Moviefone-Chefredakteurin Chui nun die Überbringerin der schlechten Nachricht als Sündenbock zu opfern, spricht auch gerade nicht die Nachhaltigkeit dieses Konzepts.

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