“Dein Song” beim Kika: das bessere “DSDS”

Während das RTL-Format “Deutschland sucht den Superstar” vor allem mit Krawall und Skandälchen Quote macht, zeigt eine andere Sendung, wie eine Casting-Show auch sein kann. “Dein Song”, das im Kinderkanal von ARD und ZDF läuft, ist eine Art Antithese zur lauten “DSDS”-Kirmes. Junge Kandidaten, die wirklich etwas können, eine sensible Jury und freundliche Promis als Musik-Paten. Obwohl der Krawall fehlt, ist “Dein Song” keineswegs langweilig.

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Zugegeben: Man muss es prinzipiell nicht unbedingt gut finden, dass sich ausgerechnet der Kika am Casting-Wahn der TV-Sender hängt. Aber wer mehrere Folgen von “Dein Song” gesehen hat erkennt, dass hier mit viel Sorgfalt und Aufwand ein eigenständiger und auch kindgerechter Zugang zu dem heiklen Thema gefunden wurde. Das ganze Konzept der Sendung ist so aufgebaut, dass die Casting-übliche Häme und das gnadenlose Verreißen von untalentierten Kandidaten wegfällt.

Die Kinder und Jugendlichen, die bei “Dein Song” auftreten, können alle was. Sonst wären sie gar nicht erst zu den Castings zugelassen worden. Die Jury mit dem Musikproduzenten Peter Hoffmann, Sängerin Annett Louisan, Moderatorin Nadine Vasta und Komponist und Pianist Jojo Wendt ist fachlich kompetent, immer freundlich aber auch konstruktiv kritisch. Wenn den jungen Komponisten und Performern mal was in die Hose geht, wird das angesprochen. Aber natürlich ohne Bohlen-typische Beleidigungs-Sprüche im Klobürsten-Duktus.

Bei der Auswahl der acht Kandidaten für die Schlussrunde zeigt sich ein beachtliches musikalisches Spektrum. Vom zornigen jungen Mann mit einem Song gegen die Todesstrafe über einen gefälligen, fröhlichen Popsong, ein Instrumentalstück, experimentellen Sprechgesang und eine traurige Ballade ist sehr viel dabei. Zu sehen, wie so junge Leute (die jüngste Nachwuchs-Komponisten ist gerade mal elf Jahre alt) ein derart gewaltiges kreatives Potenzial entfalten, ist spannend und aufmunternd. Zumal sie zu keiner Zeit vorgeführt werden, sondern offenbar selbst bestimmen, was und wieviel sie von sich preisgeben.

Jedem der acht Finalisten steht ein prominenter Musikpate zur Seite, der bei der Schlussproduktion des Songs hilft, mitwirkt und auch im dazugehörigen Musikvideo auftritt. Es machen u.a. mit: der Graf von Unheilig, Monrose, Eisblume aber auch gestandene ältere Musiker wie der Jazz-Musiker und Filmkomponist Klaus Doldinger oder Nina Hagen. Mit anzusehen, wie die erfahrenen Musiker mit den Nachwuchs-Talenten zusammenarbeiten, macht Spaß und ist auch spannend. Zum Beispiel, wenn der 16-jährige David statt dem gewünschten Grafen die Sängerin von Eisblume als Patin bekommt. Die Enttäuschung stand dem Jungen ins Gesicht geschrieben, aber am Ende passte die Kombination dann doch prima. Die Sendung ist nicht frei von Konflikten – diese werden aber in der Regel zur Zufriedenheit der Beteiligten auch gelöst.

Es gibt vieles, was man am Kika kritisieren kann: die Tendenz zum hektischen Zappel-TV, das ständige Teasing auf nachfolgende Sendungen und permanente Cross-Promotion für die Internetseite. Mit dem Format “Dein Song” gelingt dem Sender aber das gar nicht so kleine Kunststück, anspruchsvolles und unterhaltsames Kinderfernsehen unter einen Hut zu bringen. “Dein Song” ist in allen Belangen eindeutig das bessere “DSDS”.

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