Berlusconis Bunga-Bunga-Prozess

Heute, am 6. April, beginnt in Mailand der spektakuläre Prozess gegen den italienischen Ministerpräsidenten und Medienunternehmer Silvio Berlusconi. Ihm wird mehrfach bezahlter Sex mit Minderjährigen sowie Amtsmissbrauch vorgeworfen. Als Zeugen könnte auch Prominenz geladen werden. Hollywoodstar George Clooney und Real Madrid Fußball-Star Cristiano Ronaldo sollen auf Berlusconis berüchtigten Bunga-Bunga-Parties Gäste gewesen sein.

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Zumindest Clooney, der eine Villa am Comer See besitzt, hat aber bereits im Vorfeld mitteilen lassen, er könne sich nicht erinnern, bei einer Berlusconi-Feier anwesend gewesen zu sein. Ob und wann das Gericht die von Staatsanwälten und Verteidigern aufgelisteten Promis vorlädt, ist noch unklar. Für ordentlich Medien-Auftrieb und weitere pikante Details aus dem Privatleben des schillernden italienischen Staatschefs dürfte aber auch so gesorgt sein.

Die offizielle Anklage in diesem Prozess lautet auf Begünstigung der Prostitution von Minderjährigen und Amtsmissbrauch. In Medien heißt das Verfahren “Rubygate”, nach dem Spitznamen der Haupt-Belastungszeugin, der Marokkanerin Karima el-Mahroug, die in Berlusconis Kreisen “Ruby Rubacuore” (”Ruby Herzensbrecherin”) genannt worden sein soll. Die mittlerweile volljährige “Ruby” sorgte zuletzt für Schlagzeilen als sie den österreichischen Baulöwen “Mörtel” Lugner auf den Wiener Opernball begleitete.

Laut Staatsanwaltschaft soll Berlusconi “Ruby” in noch minderjährigem Alter mindestens 13 Mal für Geschlechtsverkehr bezahlt haben. Schauplatz der Vorfälle sollen Privat-Parties in Berlusconis Anwesen gewesen sein. Er und seine Anwälte sprechen von harmlosen Abendessen mit Gesangs-Darbietungen. Laut der Anklage handelte es sich um veritable Sex-Orgien. Der angeblich von Berlusconi selbst verwendete Begriff “Bunga-Bunga” für den intimen Teil der Feiern, wurde in Italien zum geflügelten Wort.

Hauptbeweismittel der Anklage sind Telefonmitschnitte der jungen Dame. Als “Ruby” wegen des Verdachts auf Diebstahl festgenommen wurde, soll sich Berlusconi zudem persönlich für ihre Freilassung eingesetzt haben, was ihm eine weitere Anklage wegen Amtsmissbrauchs eingebracht hat. Berlusconi behauptete, er habe sich nur deshalb für “Rubys” Freilassung eingesetzt, weil er sie für die Nichte des damals noch amtierenden ägyptischen Staatschefs Mubarak hielt.

Allein für den Vorwurf des Amtsmissbrauchs drohen Berlusconi bis zu zwölf Jahre Haft. Seine Regierung versucht derzeit eine Justizreform durchzusetzen, mit der Verjährungsfristen deutlich verkürzt und Telefonmitschnitte nicht länger als Beweismittel vor Gericht zugelassen werden. Bis über die Reform entschieden ist, wäre es für ihn nützlich, wenn sich der Ruby-Prozess in die Länge zieht. Laut der italienischen Zeitung La Repubblica hat Berlusconi bereits 33 Mal Gesetze in seinem Sinne ändern lassen.

Rubygate ist nicht das einzige aktuelle Verfahren gegen Berlusconi. Ende Februar wurde ein Prozess wegen Steuerbetrugs wieder aufgenommen. Berlusconis TV-Firma Mediaset soll beim Kauf von Filmrechten Steuern hinterzogen haben. Außerdem läuft ein weiteres Steuerbetrugs- und Untreue-Verfahren, bei dem die Tochterfirma von Berlusconis Holding Fininvest, Mediatrade, Schwarzgeldkonten angelegt haben soll. Und Berlusconi soll laut der Staatsanwaltschaft in Mailand den englischen Anwalt David Mills im Jahr 1997 mit 450.000 Euro bestochen haben, damit der eine Falschaussage macht.

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