“DSDS” – das künstlich beatmete Format

Das RTL-Format “Deutschland sucht den Superstar” war mal wieder gut für eine große Schlagzeile. Wie es dem Charakter der Sendung entspricht, ging es dabei nicht um die Sangeskünste der Kandidaten, sondern um einen Panne bei der telefonischen Abstimmung. Der Zwischenfall ist nur einer von vielen im TV-Dramolett “DSDS”. Weil die Sendung inhaltlich keine Substanz mehr hat, muss sie mit Krawall und Skandälchen künstlich beatmet werden.

Anzeige

Die aktuelle “DSDS”-Staffel markiert den vorläufigen Höhepunkt in der Entwicklung der Sendung vom Gesangswettbewerb hin zur Teenie-Soap. Schon in der Staffel mit der zum “Luder” inszenierten Annemarie Eilfeld gab es in der Halbfinal-Show eine Panne beim Telefon-Voting, die für Schlagzeilen sorgte. Später gab es Trubel um die Knast-Vergangenheit und das unsoziale Verhalten des Kandidaten Menowin Fröhlich. In der aktuellen Staffel ging es bereits recht früh los mit den quotenträchtigen Zwischenfällen.

Die minderjährige Kandidatin Nina brach mehrmals vor laufender Kamera zusammen. Ihr Konflikt mit einer anderen Kandidatin wurde weidlich ausgeschlachtet. Die beiden Mädchen mussten sich während der Live-Shows von dem unerträglich verlogen wirkenden Marco Schreyl quälend ausführlich zu ihren Streitereien befragen lassen. Statt die offensichtlich labile Nina aus der Show herauszunehmen, musste sie in einer Entscheidungsshow sogar auf der Bühne auf einem Stuhl Platz nehmen, damit sie nicht wieder zusammenbrach. Zynischer geht Fernsehen kaum noch. Der Vater von Nina erteilte seiner Tochter schließlich “DSDS”-Verbot, was er später wieder aufhob. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren.

Bei einer Autogrammstunde in einem Oberhausener Einkaufszentrum kam es zu Tumulten, weil viel mehr “DSDS”-Fans erschienen, als geplant. Bilanz: 60 Verletzte und jede Menge Schlagzeilen. Die “DSDS”-Villa in Köln musste geräumt werden, weil sich Anwohner beschwerten und die Polizei mit den Belagerungen durch die jugendlichen Fans nicht mehr zurechtkam. Je weniger Talent die Kandidaten auf der Bühne mitbringen, desto wilder werden die “Zufälle” und “Schicksalsgeschichten”.

Und jetzt wieder der “Klassiker”: die Voting-Panne kurz vor Schluss. Es mutet fast schon ironisch an, wenn RTL und Dieter Bohlen leutselig versichern, es gehe ihnen mit der Verlängerung der Show nur darum, dass alles “fair” ablaufe. “Fair” ist nicht das Wort, das einem zuerst in den Sinn kommt, wenn man an “DSDS” denkt. Nun haben die Fans in den Internet-Foren wieder reichlich Stoff für Diskussionen, die Bild hat wieder eine große Schlagzeile, RTL hat eine Sendung mehr, die eine gute Quote bringen wird und mit der sich trefflich Geld verdienen lässt.

Bei der jüngsten Bilanz des RTL Mutterkonzerns Bertelsmann war die RTL Group wieder mal jener Unternehmensteil, dessen Zahlen am meisten glänzten. Die wirtschaftliche Schlagkraft und die Management-Leistungen der TV-Gruppe sind aus ökonomischer Sicht bewundernswert. Formate wie “DSDS” (und “Bauer sucht Frau” und “Schwiegertochter gesucht”) erinnern einen aber immer wieder daran, dass der wirtschaftliche Erfolg zu einem Gutteil auch mit bemerkenswerter Skrupellosigkeit erkauft ist.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige