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Die besten Medien-Aprilscherze 2011

Am 1. April sind die Medien traditionell zu Scherzen aufgelegt. Bundesweit vermeldeten Radios einen angeblichen Punkteerlass der Verkehrssünderkartei in Flensburg. Karl-Theodor zu Guttenberg wurde zum neuen “Wetten dass..?”-Moderator ausgerufen und Naturschützer wollen Rotkäppchen wegen Rufschädigung von Wölfen verklagen. Einer konnte vermutlich gar nicht lachen: Regierungssprecher Steffen Seibert wurde auch Opfer der Aprilscherz-Mania.

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Das Web-, und E-Business-Magazin t3n dachte sich den Witz mit dem gehackten Twitter-Account von Regierungssprecher Steffen Seibert aus. Laut der Scherz-Meldung wurde Seiberts Twitter-Account gehackt und ein falscher Tweet mit einer Rücktritts-Erklärung der Kanzlerin abgesetzt, die sich beim Volk “entschuldigen” wolle. Clever war der Witz, weil erst kürzlich in der Bundespressekonferenz über die Sicherheit des Twitter-Accounts des Regierungssprechers diskutiert wurde. Das Video, in dem sich einige Hauptstadt-Journalisten mit ihren vor Ahnungslosigkeit strotzenden Fragen ordentlich blamierten, war tagelang eine Lachnummer im Web.

Las man die t3n-Meldung aber zu Ende wurde schnell klar, dass es sich um einen Scherz handeln muss. Spätestens wenn in dem Text der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmanns angeblich erklärt, das man generell nicht über das Ende von Angela Merkels Amtszeit scherze. Zitat: “Das fände die Kanzlerin definitiv nicht witzig. Zumal sie ja bekanntlich sowieso zum Lachen in den Keller gehe", wie er weiter erklärte. Aprilscherze in Zeiten von Twitter sind gar nicht so einfach zu durchschauen.

Eine fast schon liebgewonnene Tradition am 1. April ist der kollektive Aprilscherz des Hörfunks. Diesmal haben sich sogar private und öffentliche-rechtliche Radiosender zusammengetan und einen gemeinsamen Witz gemacht. Demnach soll das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg zu seinem 60. Jubiläum 60.000 Punkte der Verkehrssünderkartei erlassen. Unter www.punkteerlass.de könne man sich registrieren und an einer Verlosung der “Erlasspunkte” teilnehmen. So richtig witzig war das zwar nicht, aber so staubtrocken präsentiert, dass viele darauf reinfielen.

Die Augsburger Allgemeine beispielsweise titelte am Morgen des 1. April auf ihrer Website noch ganz aufgeregt: “Verkehrssünder: Kraftfahrt-Bundesamt erlässt 60.000 Punkte in Flensburg”. Eineinhalb Stunden später wurde zurückgerudert: “April, April: Kraftfahrt-Bundesamt erlässt Punkte in Flensburg nicht.” Die HNA hat nämlich ihren Recherche-Apparat angeworfen und meldete ganz investigativ: “Eine Meldung, wonach das Kraftfahrt-Bundesamt zu seinem 60. Jubiläum in diesem Jahr ‚Erlass-Punkte‘ verlosen würde, stellte sich nach HNA-Informationen als Aprilscherz heraus.” Dabei hätte ein Blick auf die offensichtlich hastig zusammengedübelte Seite www.punkteerlass.de auch genügt…

Zumindest ein Privatsender scherte aus. Die hessische Schlagerwelle harmony.fm verkündete via Pressemitteilung, dass die EU-Bürokraten unsere schönen deutschen Umlaute abschaffen wollen. Auch die Österreicher zeigten sich laut harmony.fm empört. Dabei hätte es doch eigentlich empoert heißen müssen… kleiner Witz.

Und der Naturschutzbund NABU will am 1. April die Gebrüder Grimm wegen Rufschädigung verklagen. Grund: "Rotkäppchen ist schuld, dass die extrem scheuen Wölfe gemeinhin als angriffslustig und blutrünstig gelten." Man hat schon herzhafter gelacht.

Subtiler gehen die Humor-Fachwerker von der Titanic am 1. April zu Werke und sperren kommentarlos ihre Homepage unter www.titanic-magazin.de ab. Angeblich sei die Site nur noch für Abonnenten zugänglich. Eine probeweise Eingabe der selbstverständlich vorhandenen echten Abonummer entlarvt die Aktion aber als Titantic-Witz. Wahrscheinlich eine Anspielung auf den Paid-Content-Wahn der Medienszene – gekoppelt mit dem verzweifelten Versuch, am 1. April schnell noch ein paar Abos abzugreifen.

Originelles hat sich auch die Rhein-Zeitung ausgedacht. Auf rhein-zeitung.de findet man einen Artikel, laut dem der Europäische Gerichtshof entschieden hat, dass auch Tieren ein Grundrecht auf Privatsphäre im Netz zusteht. Die Folge: Millionen von Aufnahmen von Hunden, Katzen, Vögeln und anderen Tieren müssen umgehend gelöscht werden. Nix mehr mit Katzen-Content. Gut ausgedacht, liebe Kollegen!

A propos Kollegen. Bei Turi2 hat man Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg als neuen “Wetten dass..?” Moderator ausgerufen. Und wuv.de will uns weismachen, dass das ZDF aus Spargründen “Wetten dass..?” gar an einen Privatsender verkaufen muss. Hier enttarnt sich der Aprilscherz sofort selbst. Aus “Spargründen”… das ZDF…? Das muss ein Witz sein.

Überraschend komisch präsentiert sich der Scherz des NDR. NDR.de meldet, dass ausgerechnet Moderatoren-Fossil Carlo von Tiedemann Nachfolger von Tobi Schlegl bei der Satire-Sendung “Extra 3” wird. Redaktionsleiter Andreas Lange: "Mit Carlo von Tiedemann wollen wir nicht nur die NDR Stammzuschauer, sondern auch die Generation Facebook und Twitter erreichen. Carlo ist ein ziemlich verrückter Typ, der sogar eine eigene Internetseite hat." Satire vom Feinsten.

Den besten Witz für Nerds machte Golem.de mit einem Testvideo für ein Compaq “Businessnotebook” mit 8-Zoll-Farbdisplay, 4 MB Ram und “nur” 1,9 Kilo Gewicht. Sogar “topaktuelle” Spiele wie “Elite 2” laufen darauf. Furztrocken präsentiert – da lacht der Gadget-Geek.

Dass so ein Aprilscherz auch ganz schön in die Hose gehen kann, musste die Stadt Cloppenburg lernen. Das dortige Bauamt dachte sich eine Geschichte von “beheizbaren Schneetonnen” aus, die im nächsten Winter vereiste Straßen und Gehwege freischmelzen sollte. Nun muss man wissen, dass im vergangenen Winter zahlreiche Cloppenburger im Krankenhaus landeten, weil die Stadt nicht in der Lage war, alle Straßen zu räumen. Die Bürger reagierten reichlich sauer und die Stadt musste sich nun für den missglückten Witz entschuldigen, der zudem auch noch zwei Tage zu früh, am 30. März veröffentlicht wurde: „Die Stadt Cloppenburg entschuldigt sich hiermit für die Informationspanne, die dafür gedacht war, die Mienen zu erheitern. Wir bedauern, dass das nicht gelungen ist, und es tut uns leid.“ Auch Witzemachen will gelernt sein.
Update: Die ursprünglich in dieser Auflistung auch aufgeführte Meldung, dass Herzmassagen im Rhythmus des Lieds "Stayin alive" von den Bee Gees die Überlebenschancen erhöhen, ist in der Tat kein Aprilscherz, sondern soll wohl tatsächlich so sein. jedenfalls hat das die Universität des US-Bundesstaates Illinois schon 2008 herausgefunden. Das Magazin Hausarzt hat die Meldung dann ausgerechnet am 1. April 2011 nochmal als ots-Meldung verschickt. Und wir sind drauf reingefallen! Wäre aber auch ein guter Gag gewesen…

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