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Das angekündigte Sterben der alten FR

Wieder einmal steht die Frankfurter Rundschau vor einer Sparrunde. Die wievielte in der bewegten und traurigen jüngeren Geschichte des einst stolzen Blattes das ist, vermag man kaum noch zu zählen. Am Mittwoch hat die Geschäftsführung den Weg frei gemacht für betriebsbedingte Kündigungen. Laut der in Sachen FR stets gut informierten Süddeutschen Zeitung, soll die gesamte überregionale Berichterstattung künftig aus Berlin kommen.

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In Berlin sitzt die Berliner Zeitung, die wie die Frankfurter Rundschau zum Kölner Verlag M. DuMont Schauberg gehört. Dort soll laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung künftig die überregionale Berichterstattung für Politik, Wirtschaft, Sport und Feuilleton gebündelt werden. Bereits jetzt beliefert eine DuMont Redaktionsgemeinschaft beide Blätter mit überregionalen Artikeln aus Politik und Wirtschaft. Das Medienressort der beiden Zeitungen ist auch bereits faktisch zusammengelegt.
In Frankfurt würden nach diesem Planspiel nur der Lokalteil sowie einige Autoren bleiben. Derzeit arbeiten laut SZ noch knapp 190 Personen in Frankfurt für die FR, teilweise in ausgelagerten Firmen. Die Rede ist nun von 40 bis 50 Stellen, die wegfallen könnten. Dabei werden offenbar auch Kündigungen in Betracht gezogen. Am Mittwoch hat die FR-Geschäftsführung eine Kündigungsschutzklausel im Tarifvertrag der FR aufgekündigt. Das war möglich, weil die Zeitung offenbar vereinbarte Geschäftszahlen mal wieder nicht erreicht hat.
2009 machte die FR einen Verlust von knapp 25 Millionen Euro. Laut einem Bericht im elektronischen Bundesanzeiger wurde auch für 2010 und 2011 noch mit Verlusten gerechnet. In der Prognose der 2009er Bilanz schrieb Geschäftsführer Karlheinz Kroke bereits mit düsterer Vorahnung: “Der weitere Personalabbau ist unabdingbar, um die Gesellschaft mittelfristig zu einem ausgeglichenen bzw. positiven Ergebnis zu führen.” Das nun anlaufende, neuerliche Trauerspiel bei der FR erfolgt also mit Ansage.
Neben DuMont (50 Prozent plus eine Stimme) hält noch die SPD-Medienholding DDVG 40 Prozent an der Zeitung, 10 Prozent gehören der Karl-Gerold-Stiftung. Die einzige gute Nachricht inmitten der vielen schlechten ist die, dass eine Einstellung der Zeitung, die zwischenzeitlich wohl auch diskutiert wurde, vom Tisch ist. Am Freitagvormittag soll die Belegschaft in Frankfurt über die Details der anstehenden Sparmaßnahmen informiert werden. Die Frankfurter Rundschau stirbt zwar keinen Zeitungstod. Die alte, unabhängige FR wird an diesem Freitag aber womöglich trotzdem zu Grabe getragen.

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