MySpace auf Ruperts Reste-Rampe

Die Geschichte des Sozialen Netzwerks MySpace ist ein Lehrstück darüber, wie schnell sich  im Internet eine Erfolgsgeschichte in eine unternehmerische Katastrophe verwandeln kann. Noch 2007 war Mypace die größte Website der Welt, Rupert Murdoch wurde als genialer Geschäftsmann gefeiert, weil er einen lukrativen Millionen-Deal mit Google eingefädelt hatte. Heute gilt MySpace als fast schon unverkäuflicher Verlustbringer auf Ruperts Reste-Rampe.

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Die jüngsten Horrormeldungen aus dem bröckelnden MySpace-Reich: Laut dem US-Marktforschungsunternehmen Comscore sind die Nutzerzahlen von MySpace allein im Februar von 73 auf 63 Millionen gesunken. Zehn Millionen Nutzer weg in nur einem Monat! Parallel dazu wächst der Konkurrent und Netzwerk-Primus Facebook weltweit nach wie vor mit ungebremster Geschwindigkeit. Und aktuell meldete die Financial Times Deutschland, dass mal wieder über einen Verkauf von MySpace an die Musikvideo-Website Vevo.com verhandelt wird. Die Chancen für eine Einigung seien aber gering und wenn überhaupt gehe es auch nicht um einen Komplettverkauf. Im Klartext heißt das: MySpace als Ganzes ist praktisch unverkäuflich geworden. Das einst weltgrößte Soziale Netzwerk wurde von der übermächtigen Konkurrenz Facebook in die wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit abgedrängt.

Als Murdochs News Corp. 2007 über einen Zusammenschluss von MySpace mit Yahoo verhandelte, wurde das Soziale Netzwerk kurzzeitig mit zwölf Milliarden US-Dollar bewertet. Murdoch kaufte MySpace im Jahr 2005 für die damals gewaltige Summe von 580 Mio. US-Dollar. Für Murdoch war dies ein Befreiungsschlag, mit dem er sein Medien-Imperium für die Herausforderungen der Digital-Zeit fit machen wollte.

2006 schloss Murdoch einen rund 900 Mio. Dollar schweren Vertrag zur Anzeigenvermarktung bei MySpace mit Google ab. Der MySpace-Google-Deal galt als genial. Murdoch hatte viel investiert und in kürzester Zeit noch mehr verdient und die größte Website der Welt gehörte auch ihm. Das Internet schien für Mr. Murdoch voller Dollarzeichen zu hängen. Der Anfang vom Niedergang von MySpace begann, als sich der damals noch kleinere Konkurrent Facebook für externe Entwickler öffnete. Der radikale Schritt sorgte dafür, dass Facebook vor Zusatzprogrammen förmlich explodierte. Und bald darauf ging es auch bei den Nutzerzahlen bei Facebook steil bergauf. MySpace versuchte 2007 nachzuziehen und schloss sich mit Google und anderen Netzwerken dem offenen Standard OpenSocial an. Der Suchriese Google, der selbst kein glückliches Händchen im Social Web hatte und hat, versuchte damit sein schwächelndes Netzwerk Orkut zu pushen. Auch vergeblich, wie man heute weiß. Google-Chef Eric Schmidt war damals noch voll des Lobes über MySpace: "Als die reichweitenstärkste Website des Landes und das populärste Soziale Netzwerk der Welt ist MySpace eine der treibenden Kräfte im globalen Social Web”, sagte er. Undenkbar, das jemand heute so über MySpace reden würde.

2009 hatte bei der News Corp. längst Ernüchterung in Sachen MySpace eingesetzt. Trotz zahlreicher Bemühungen mit zielgruppenorientierter Werbung, veränderter Ausrichtung der Website und immer schneller wechselnden Top-Managern war es nicht gelungen, MySpace operativ zu einem profitablen Geschäft zu machen. Im Mai 2010 lieferte Murdoch in einem Conference Call der News Corp. Bilanz eine Art persönliche Bankrott-Erklärung in Sachen MySpace: “Wir müssen zugeben, dass wir in den vergangenen drei oder vier Jahren einige große Fehler gemacht haben.”  Sein COO Chase Carey ergänzte, dass MySpace eine “Baustelle” sei.

Im Dezember 2010 gelang es der News Corp. immerhin, einen neuen Anzeigen-Deal mit Google abzuschließen, nachdem der alte ausgelaufen war. Zahlen wurden diesmal keine veröffentlicht, die Branche geht aber davon aus, dass der neue Vertrag ein wesentlich geringeres Volumen hat, als der alte, 900 Millionen Dollar schwere. Im Januar 2011 hat MySpace weltweit 500 Mitarbeiter entlassen und seine erst wenige Monate zuvor gestartete deutsche Dependance komplett aufgegeben. Das Netzwerk wird offenbar nur noch mit geringer Kraft am Leben erhalten, bis sich irgendein Käufer findet. Ob das gelingt, ist fraglich.

Das Tempo, in dem MySpace vom Niemand zum Internet-Star und wieder zurück auf die Reste-Rampe katapultiert wurde, ist atemberaubend. Die Geschichte von MySpace ist zugleich Lehrstück und Gruselgeschichte für andere Web-Unternehmungen, die sich mit großen Nutzerzahlen schmücken. Erfolg und Marktführerschaft im Internet können ein flüchtiges Geschäft sein.

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