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Musikmultis vs. Amazon: Alles nur ge-Cloud?

Google hatte es versprochen, von Apple hatte man es sich nach MobileMe gewünscht: einen Streaming-Dienst in der eigenen Cloud. Und wer hat ihn nun zuerst auf den Markt gebracht? Der weltgrößte Buchhändler Amazon. Bis zu fünf Gigabyte an Daten kann der User hochladen und von jedem Rechner abspielen. Weil auch Musik gestreamt werden kann, kündigt die Musikindustrie schon Forderungen an. Es zeigt: Die Boom-Technologie Cloud ist immer noch ein rechtsfreier Raum.

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Amazons jüngst gestarteter Cloud-Service sorgt für Furore in der IT-Branche. Wer sich mit seinem Amazon-Login beim sogenannten "Cloud Drive" anmeldet, kann dort kostenlos fünf Gigabyte an Daten hochladen. Darunter auch Musik, die als Mp3 sogar über den ‚>Amazon Cloud Player gestreamt werden kann. Für den User ein genialer Service.

Doch mit dem unerwarteten Launch ist Amazon nun wohl einigen Entscheidern in der Musikbranche mächtig auf die Füße getreten. Man glaubt, dass ein Cloud-Dienst mit einer Streaming-Möglichkeit die Lizenzen der Rechteinhaber braucht. Und das sind nun einmal die großen Musikkonzerne. Ein Vertreter von Sony Music zeigte sich im Interview mit dem Wall Street Journal enttäuscht und beanstandete, dass der Cloud-Service "nicht von Sony Music lizenziert” sei. Laut Heise sei Sony Music mit dieser Einstellung nicht alleine. So seien weitere Player im Musikmarkt der Überzeugung, dass Amazon ihre Rechte verletze.

Amazon dementiert: "Wir brauchen keine Lizenz, um Musik zu speichern", zitiert die New York Times Amazons Musik-Direktor Craig Pape. Der weltgrößte Buchhändler vergleicht seinen Dienst mit einer riesigen virtuellen Festplatte. Die Funktionen seien identisch, so Pape.

Es geht bei diesem Streit nicht zuletzt auch um die Frage, wem die Daten in der Cloud gehören. Was als Boom-Technologie des Jahres gilt, scheint wohl noch weitestgehend ein rechtsfreier Raum zu sein. Während die Musikindustrie im Cloud-Player eine Streamingdienst à la Pandora oder Last.fm sieht und dafür Geld verlangen würde, argumentiert Amazon treffend mit der Tatsache, das es sich um eine reine Speichermöglichkeit handelt.

Und für Speicherplatz allein dürfen keine Lizenzen entfallen. Denn sonst müsste jeder User, der irgendwann einmal Musik geladen, gebrannt oder gespeichert hat, für jede weitere Speicherung auf digitalen Medien Lizenzgebühren bezahlen. Ein absolut illusorisches Unterfangen, das sich rechtlich niemals durchsetzen ließe. Es bleibt spannend zu beobachten, wie Industrie und Politik in nächster Zeit auf die neue Technologie reagieren werden. Und ob der Disput über den Besitz und den Gebrauch von Daten nicht auf Kosten der User zu einem Ende kommt.

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