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Wie Japans Medien den GAU bagatellisieren

Information vs. Panikmache: Das Verhalten der japanischen Presse mit den rauchenden Atom-Meilern in Fukushima wäre in Europa kaum denkbar. Das Motto, dem die meisten Berichte folgen, scheint zu lauten: nur keine Panik aufkommen lassen. Bestes Beispiel für den medialen Versuch die AKW-Katastrophe zu verharmlosen, ist ein Comic-Strip, der Kindern den Unfall erklären soll. Eine Folge der mauen Berichterstattung: Ausländische Medien wie Spiegel Online spüren eine Zunahme der Zugriffe aus Japan.

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In dem Kinder-Clip ist der kleine Nuclear-Boy zu sehen, der seit dem Erdbeben furchtbar unter Bauschmerzen leidet. Wenn er jetzt puppt, dann riecht es ganz unangenehm in seiner Nähe. Wenn er allerdings groß müsste, dann würde der AKW-Bub allen dem gesamten "Tag ruinieren". Aber dank der lieben Ärzte bekommt das Kernkraft-Kind jetzt mit Bor versetzte Medizin. Der Junge braucht es nur schön kühl und alles wird cool.
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So kindisch und naiv die Story klingt, so kindisch und naiv ist auch der Spot. Selbst Vorschulkinder werden nach dem Film kaum weniger Angst vor einer AKW-Havarie haben. Aber gerade der offensichtliche Versuch die Katastrophe auf das Niveau von Verdauungsproblemen zu reduzieren zeigt, wie sich die japanischen Medien die größtmögliche Mühe geben, die Bevölkerung nicht zu verunsichern.

Produziert wurde der Nuclear-Boy vom öffentlich-rechtlichen Sender NHK. Bei Zeit Online berichtet Georg Blume, dass gerade NHK und auch die staatliche Nachrichten-Agentur Kyodo zwar offen alle bekannten Zahlen zur Entwicklung der Radioaktivität berichten, sich aber weitestgehend weigern, die Daten einzuordnen. Heißt: Sie entbinden sich von der Verantwortung, ihren Lesen und Zuschauern zu sagen, wie es tatsächlich steht.

Die Folge soll sein, dass sich immer mehr Japaner auf ausländischen Seiten wie Spiegel Online oder der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien informieren. Einen Effekt, denn zumindest die Hamburger Web-Redaktion spürt. Auf MEEDIA-Anfrage bestätigte Chefredakteur Rüdiger Ditz, dass sich die Zugriffe aus Japan knapp vervierfacht hätten, allerdings auf vergleichsweise niedrigem Niveau.

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