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„Alter Schwede, jetzt wird’s wild“

Der erste Schauer läuft einem schon während der ersten Sendeminute über den Rücken. Wenn die eloquente Veronika ihren Elefantenfuß in die Kamera hält, die kleine Johanna auf einem Bein durchs Bild hinkt, und die lebensfrohe Gritt aus der ersten Staffel auf ein Wiedersehen in die Heidelberger Orthopädie kommt – dann ist man wieder mittendrin, in der Wunderklinik des SWR. In der zweiten Staffel der "Knochen-Docs" warten neue Fälle, neue Schicksale – und neue Ekel-Bilder zu schaurig-schöner Klaviermusik.

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So ein bisschen erinnert "Die Knochen-Docs – Neues aus der Heidelberger Orthopädie" mit seinen Personenbeschreibungen an "Bauer sucht Frau". Dabei könnten die Themen nicht weiter auseinander liegen: In der Neuauflage seiner erfolgreichen Krankenhaus-Dokusoap (2,9 Millionen Zuschauer pro Folge in der ersten Staffel) begleitet der Südwestrundfunk invalide, behinderte und vom Schicksal getroffene Menschen. Zum Beispiel Veronika. Die Achtjährige leidet am Protheus-Syndrom: Ihre Füße sowie ihr Rücken wachsen und wuchern so unkontrolliert, dass sie in keinen normalen Schuh passt und nicht gerade gehen kann.
"Von ihren Adoptiveltern wurde sie als zweijährige aus einem rumänischen Kinderheim befreit", verlautet eine melodramatische Männerstimme aus dem Off. Und während Veronika unbeholfen durchs Bild tappst, setzt eine mitleidige Klaviermusik ein. Kurz vor der Operation, die ihren Fuß auf Normalgröße bringen soll, lächelt ihr Vater dann noch in die Kamera, "der Arzt hat gesagt, wenn es klappt, dann sind wir Helden".
"Alter Schwede, jetzt wird’s wild"
Ihr Chirurg ist der aus der ersten Staffel bekannte "Dr. Foot", der in Wahrheit Wolfram Wenz heißt. Seinen Ehrentitel hat er sich verdient, weil er so leidenschaftlich von Klumpfüßen redet, wie andere für guten Wein oder ihren Lieblingsverein beim Fußball schwärmen. Wenz ist einer der Knochen-Docs aus der Heidelberger Orthopädie, in der jährlich rund 7.000 Patienten behandelt werden.
"Für den erfahrenen Fußchirurgen ist Veronika die größte Herausforderung in seiner bisherigen Laufbahn", weiß der Off-Sprecher. Und während sie in Vollnarkose vor dem Arzt liegt, säbelt der ihren Fuß auf. Als er das ganze Unheil sieht, raunt er: "Alter Schwede, jetzt wird’s wild." Dann bohrt er mit einem meterlangen Stab in ihrem Bein herum und schneidet überflüssige Sehnen heraus. Das Ergebnis präsentiert er stolz seinen Mitarbeitern, und die Kamera zeigt es genau so unverhohlen dem Zuschauer.
Klettern mit Prothese
Als Fünfjährige hat Johanna aus Herzogenrath ihr rechtes Bein in der Heupressmaschine auf dem Pferdehof ihres Vaters verloren. Nach dem Unfall weigert sie sich, mit einer Prothese zu laufen – zur Verzweiflung ihrer Eltern. Doch dann sieht ihre Mutter in der ersten Staffel der "Knochen-Docs" die 26-jährige Gritt, die ebenfalls seit ihrer Kindheit mit nur einem Bein lebt und die 17 Jahre lang lieber auf Krücken lief als mit einer Prothese, die nur weh tut. In Heidelberg wurde ihr damals geholfen. So kommt auch Johanna nach Heidelberg und trifft auf Gritt, die ihr Mut macht, die neue Prothese auszuprobieren. Mittlerweile steigt Johanna damit sogar Kletterwände hinauf – und bald will sie wieder Pony reiten.
Mit seiner Produktion wandelt der SWR auf einem Terrain, das auch den Privatsendern zugerechnet werden könnte. Die schockierenden Bilder und die Behinderungen der Menschen hätten auch für sich sprechen können – ohne die zum Teil überzogenen Kommentare aus dem Off oder emotionales Klaviergeklimper. So wirkt es wie eine stumpfe, aufmerksamkeitsheischende Inszenierung und Aneinanderreihung von Schicksalen.
Sendetermine: 28. März und 4. April, 21 Uhr, ARD (Dauer: 2 x 45 Minuten), ab 13. April jeweils mittwochs, 22.30 Uhr, SWR Fernsehen (Dauer: 5 x 30 Minuten)

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