„Zimmer frei“: Die Fernseh-WG wird 15

Sie ist womöglich Deutschlands älteste Castingshow. Jedoch ist noch nie jemand durch sie berühmt geworden - die Protagonisten waren es schon vor ihrem Besuch. Die WDR-Sendung "Zimmer frei" feiert in diesem Jahr ihren 15. Geburtstag. Eigentlich war die TV-Wohngemeinschaft mit Christine Westermann und Götz Alsmann nur als Lückenfüller für das Sommerloch 1996 geplant - mit einer derart langen Überlebenszeit hatte wohl niemand gerechnet. Dabei gab es hin und wieder auch Ärger mit den WG-Bewerbern.

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Wer sich bei Westermann und Alsmann bewirbt, muss sich die ein oder andere Albernheit zwischen Essen, Bilderrätsel und gemeinsamen Musizieren gefallen lassen. Beim Glas Wein wird aus dem Nähkästchen geplaudert, im zukünftigen WG-Zimmer fühlt Christine Westermann dem Bewerber auf den Zahn und auch die ultimative Lobhudelei kann manche Peinlichkeiten zutage fördern. Nicht immer versteht man sich aber auf Anhieb gut.
Da wäre beispielsweise der TV-Moderator Cherno Jobatey. Die Folge wurde 2003 und damit vier Jahre nach der Aufzeichnung ausgestrahlt. Weil der 45-Jährige zuvor in einem Fragebogen der FAZ seine frühere Legasthenie thematisiert hatte, gab es Buchstabensuppe und Russisch Brot. Dazu sollte er sich ein ABC-Pflaster auf die Stirn kleben, mit Alsmann und Westermann Scrabble spielen und das Wort Kommunalobligation buchstabieren. Jobatey verließ empört das Studio, setzte sich aber nach fast zehn Minuten wieder an den Tisch. Der Legende nach soll der Moderator durchgesetzt haben, dass die Folge in den Giftschrank des WDR wanderte. Erst 2003 wurde die Sendung mit Jobateys Einverständnis ausgestrahlt.
Oder der Fall Martin Sonneborn: Die mit dem ehemaligen Titanic-Chef geplante Folge im Oktober 2009 wurde kurzerhand aus dem WDR-Programm genommen, weil sie angeblich nicht den inhaltlichen Maßstäben genügte. Sonneborn hätte in der Sendung mehr als Vorsitzender der Satire-Partei Die Partei agiert als als Privatperson, hieß es. Was den öffentlich-rechtlichen Sender wohl noch gestört haben wird, war sein Aufruf zum GEZ-Boykott. Gegenüber MEEDIA hatte Sonneborn über die geänderte Programmplanung gesagt: "Fünf Minuten vor der Aufzeichnung wurde mir noch versichert, ich dürfe machen, was mir gefällt. Es wurde ja auch ein wenig länger aufgezeichnet, so dass man noch Sachen herausschneiden konnte." Wegen des hohen Medieninteresses strahlte der WDR die Sendung später dann doch aus – allerdings im Nachtprogramm. Dabei wurde offensichtlich, dass die beiden Moderatoren ein großes Problem mit dem Humor von Sonneborn hatten. Selten verlief eine Folge "Zimmer frei" so verkrampft und ungelenk.
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Ähnliche Probleme gab es mit Christoph Schlingensief und dem Fotografen Jim Rakete. Während die Folge mit dem inzwischen verstorbenen Regisseur nicht regulär gesendet wurde, weil er wie Sonneborn für seine Satire-Partei Chance 2000 geworben hatte, wurde die Sendung mit Rakete nie ausgestrahlt. Eine Begründung seitens des WDR gab es nicht.
Zum 15. Geburtstag will man sich in Köln aber nicht mit solchen alten Kamellen rumärgern, denn in der Regel durfte in den über 500 Sendungen fast jeder Bewerber in die Promi-WG einziehen – geht es nach dem Willen des Publikums. Sie stimmen nach jeder Sendung mittels roter oder grüner Karte ab, ob’s mit dem Zimmernachbarn klappt oder nicht.
Mit Starkoch Alfons Schuhbeck, Barbara Schöneberger und Frank Elstner werden alte Bekannte – anders als das Konzept – vorgibt, in Spezialausgaben zum Wiedersehen eingeladen. Anders als sonst, bringen die Bewerber diesmal das Bilderrätsel mit. Schuhbeck macht am 27. März den Auftakt. Er hatte im Januar 2005 mit einer legendären Kissenschlacht für Furore gesorgt. Eine Woche später ist TV-Moderatorin, Schauspielerin und Sängerin Barbara Schöneberger bei Alsmann und Westermann wieder auf dem Sofa. Sie hatte im Mai 2002 Standing Ovations geerntet, als sie beim WG-Musizieren "Something stupid" zum besten gab. Die letzte Spezialausgabe wird am 3. April mit Frank Elstner laufen. Sein Besuch  im März 2000 ist fast schon legendär, weil er in der Sendung ganz offen über seine Schlafgewohnheiten und die Löffelchen-Stellung geplaudert hatte.
Sollte das Publikum Gefallen an den Spezialsendungen finden, könnte es davon auch gerne mehr geben, sagte Alsmann der dapd. Die Karten werden es offen legen.

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