„ZDF.Reporter“: der Dauer-Qualitäts-Flop

Heute Abend fällt die letzte Klappe bei den "ZDF.reportern". Und niemand dürfte die Sendung vermissen, die einst mit ach so hohen Ansprüchen gestartet war. Über Jahre langweilte das Format die Zuschauer mit immer gleichen Beiträgen, in denen die Reporter Polizisten, Ordnungshüter oder Kontrolleure jeder Art begleiteten. Simpler kann man es sich im Fernsehen als Journalist kaum machen: Kamera an, laufen lassen, senden. Dumm nur, wenn nichts Relevantes passiert.

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Genau das aber war bei den Wir-durften-den-Zoll / das Ordnungsamt / die Wachleute-begleiten-Filmchen nicht selten der Fall. Überraschend ist das nicht, wenn so spektakuläre Dinge kontrolliert werden wie illegales Grillen im Park oder die fachgerechte Sicherung von LKW-Beladungen.
Als irgendwann auch mal dem ZDF auffiel, dass es auf Dauer ziemlich öde ist, sich ständig an die Fersen von irgendwelchen Kontrolleuren zu heften, wurde das Begleit-TV nicht mehr ganz so offensiv abgesendet. Viel spannender wurde die Sendung nicht. Eigene, von der Redaktion recherchierte Themen fehlten oft. Statt dessen setzten die Macher gern auf Allerwelts-Themen, deren Relevanz durch Anmoderationen gerechtfertigt wurden, die mit blutleeren Floskeln wie "Immer öfter", "Immer wieder" oder "Immer häufiger" begannen. Etwa: "Immer wieder kommt es dazu, dass Senioren Unfälle verursachen".
Nach einer solchen bahnbrechenden Erkenntnis folgte dann meist ein Beitrag, in dem die Kamera minutenlang eine ältere Dame bei der Autofahrt im Schneckentempo zum Einkauf begleitet und der Zuschauer im Off-Text erfährt, worauf er sonst nie gekommen wäre: "Heute kauft sie zum Abendessen ein." Um die Action zu toppen, sieht man als nächstes mehrere Senioren an einem Tisch sitzen, die sich über das Thema Autofahren unterhalten. Dann folgt eine Sequenz, in der zwei jüngere Leute gegen zwei Senioren bei einem Fahrtest mit einem Fahrlehrer antreten und erst als der Beitrag schon fast vorbei ist, wird auch mal ein Fall thematisiert, in dem ein älterer Mann einen Unfall verursacht hat. Zum Gähnen und beim Privatfernsehen in dieser Form definitiv nicht sendefähig – und leider ebenso ganz ohne das Qualitätsextra, das die Öffentlich-Rechtlichen so gern für sich reklamieren.
Überhaupt scheinen Senioren eine beliebte Zielgruppe zu sein: "Warum ältere Menschen schwer Arbeit finden" oder "Senioren als Opfer von Betrügern" sind typische Beiträge der Reporter gewesen. Mit Ironie oder zugespitzten Texten belasten die Reporter ihre Zuschauer selten. Das Gros der Off-Kommentare ist bierernst und deswegen oft unfreiwillig komisch, weil häufig nur das beschrieben wird, was der Zuschauer sowieso sieht. Auch lebendige Szenen werden den Zuschauern nicht zugemutet. Lieber wird der Protagonist XY wahlweise beim Spaziergehen / Kaffeekochen / Wäschewaschen / Türaufschließen begleitet und darf dann in aller öden Ruhe einen O-Ton im Sessel geben.
Manchmal sind die ZDF-Reporter auch unterwegs. Zum Beispiel auf Gran Canaria. Um Bewertungsportale von Urlaubsdomizilen im Internet zu testen. Anmoderiert wird dann von Norbert Lehmann aus einem tropischen Spaßbad in Deutschland. Auch unfreiwillig komisch. Im Beitrag aus Gran Canraria schreit die Reporterin als erstes, worauf der Zuschauer wieder mal nie von selbst gekommen wäre: "24 Grad und Sonne! Ich bin auf Gran Canaria." Dann macht sie allen Ernstes eine Umfrage auf der Promenade und findet tatsächlich ein Senioren (!)-Ehepaar, das bestätigt, was niemand vermutet hätte: Die Bewertungen auf den Internet-Portalen sind manchmal falsch. Doch der Versuch, das Test-Fernsehen der Privaten nachzumachen, scheitert auf ganzer Linie. Das Pärchen zeigt einen Riss im Sesselbezug und eine Jalousie, die nicht funktioniert (Reporterin schreit: "Und hoch geht sie auch nicht!" Bei Extra auf RTL hätte man jetzt wenigstens ein verschimmeltes Badezimmer gesehen.
In seinem zehnjährigen Bestehen hat "ZDF.reporter" zwar den einen oder anderen unvermeidlichen Preis eingeheimst. Echte Scoops waren äußerst rar. Eins der Highlights: die Aufdeckung des Sie Handels mit rechtsradikalen CDs im deutsch-tschechischen Grenzgebiet. Ein anderes Mal enthüllten die Reporter einen Betrug mit Versichertenkarten. Naja.
Man erinnert sich: Der Anspruch von "ZDF.reporter" beim Start war es, "Geschichten aus Deutschland und der Welt, informativ, spannend, nah an den Menschen, mitten aus dem Leben" zu erzählen. So warb das ZDF beim Sendungsstart im Jahr 2001. Die Reportage bleibe der direkteste Weg der Information zum Zuschauer. "Sie war immer eine Stärke des ZDF: aktuell oder hintergründig, aber immer glaubwürdig und packend. ZDF.reporter gibt diesem klassischen Genre eine neue, moderne Form." Diese an sich selbst gestellte Anforderung erfüllte die Sendung nur selten.

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