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Türkei: Zeitungen empört über Marco-Film

Sat.1 muss sich harte Kritik wegen des Films "Marco W. - 247 Tage im türkischen Gefängnis" gefallen lassen. Nach der Ausstrahlung empören sich türkische Zeitungen über die Darstellung ihres Landes. Die Hürriyet titelte "Marco-Schock", Takvim kommentierte, dass die Türkei sehr schlecht wegkomme und im Star hieß es, dass das TV-Event an den Kinostreifen "Midnight Express" erinnere. Selbst Vural Öger, der sich damals in den Fall einschaltete, lässt kein gutes Wort an dem Film.

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Der ehemalige Tourismusunternehmer und Europa-Abgeordnete warf den Machern vor, haltlose Vorurteile gegen sein Heimatland transportiert zu haben, wie AFP berichtet. Gegenüber der Zeitung Star sagte er: "Glauben die denn, die Türkei sei eine Bananenrepublik?" Der 69-Jährige hatte damals gesagt: "Marco ist ein Mensch, dem es zu helfen gilt." Medien mutmaßten, dass sich Öger Sorgen um sinkende Urlauberzahlen in der Türkei machte, weil der Prozess potenzielle Touristen aus Deutschland abschrecken könnte. Öger betonte jedoch, man dürfe seine Rolle in dem Fall nicht überschätzen.

Der Film basiert auf den Erlebnissen des damals 17-jährigen Marco Weiss aus Uelzen. Ihm wurde im Urlaub in Antalya vorgeworfen, eine 13-jährige Britin im Türkei-Urlaub sexuell missbraucht zu haben. Das dicht erzählte Drama, das keinen Zweifel an der Unschuld des Jungen zulässt, erzählt schlicht, was sich im türkischen Gefängnis abgespielt haben soll. Gewalt und Drogenmissbrauch unter den Häftlingen stand dabei auf der Tagesordnung.
Die türkischen Medien kommentieren, dass das TV-Drama viele Unwahrheiten enthalte. Für den Star weckt der Film Erinnerungen an "Midnight Express" aus dem Jahr 1978. Darin schildert ein US-Bürger seine Erlebnisse aus der türkischen Haft in beklemmenden und abschreckenden Bildern.
Sat.1 sagte auf MEEDIA-Anfrage, dass sich der Film sehr genau an das Buch von Marco Weiss halte. Die Produzenten hätten die Umstände, dass ein Minderjähriger in eine Zelle mit mehr als 30 zum Teil schwerst kriminellen Erwachsenen gesteckt wurde, nach den Erlebnissen des Jungen wiedergegeben und darüber hinaus sehr genau recherchiert und mit türkischen Wärtern, Anwaltsgehilfen unter anderem gesprochen, die mit dem Fall zu tun hatten.
Mit 4,87 Millionen Zuschauern erzielte "Marco W. – 247 Tage im türkischen Gefängnis" eine gute Quote. Sat.1 sicherte sich damit den Primetime-Sieg und einen Marktanteil von 15,8 Prozent, was deutlich über dem Senderschnitt liegt (10,1 Prozent).

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