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„Tatort“ sorgt vor Länderspiel für Wirbel

Da hat Theo Zwanziger wohl ein Eigentor geschossen: Der am Sonntag ausgestrahlte "Tatort" stellte das Thema Homophobie im Fußball in den Vordergrund - eine Idee, die auf den DFB-Boss zurückgeht. In dem TV-Krimi um Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) wurde behauptet, dass die halbe Nationalmannschaft angeblich schwul sei, einschließlich Trainerstab - eine Aussage, über die man sich in oberen Fußballerkreisen ärgert. Gegenüber Bild bezeichnete Manager Oliver Bierhoff dies als Angriff auf die Nationelf.

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In dem "Tatort" ging es unter anderem um einen homosexuellen Fußballspieler des Bundesligisten Hannover 96, der sich vor den Konsequenzen seines Outings fürchtete. Maria Furtwängler hatte als Charlotte Lindholm ihrem ungläubigen TV-Kollegen widersprochen, dass es im Profifußball doch Homosexuelle gebe. Sie verstehe nicht, warum in Zeiten eines homosexuellen Außenministers und Oberbürgermeisters es immer noch ein Problem ist, dass schwule Profisportler sich nicht outen könnten: "Wissen Sie, die halbe Nationalmannschaft ist angeblich schwul, einschließlich Trainerstab. Das ist doch schon so eine Art Volkssport, das zu verbreiten."
Die Passage geht auf einen Essay des Spiegel-Autors Alexander Osang zurück, der im Juli vergangenen Jahres mit Michael Becker, dem Manager von Michael Ballack, gesprochen hatte. Dieser hatte behauptet, dass es eine große homosexuelle Verschwörung um die Mannschaft von Joachim Löw gebe. Von "Schwulencombo" im DFB-Team war die Rede.
Zwanziger sagte gegenüber Bild,  dass in einem Fernsehfilm zwar die Realität überzeichnet werde, da nur so Nachdenken, Toleranz und Respekt entwickelt werden könnten. "Allerdings sollte man bei schwierigen Themen auch sensibel bleiben und nicht durch unwahre oder unnötige Randbemerkungen von der eigentlichen Aufgabe ablenken." Es sei ihm völlig egal, welche sexuelle Orientierung die Nationalspieler oder Nationalspielerinnen hätten.
Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff wurde im Gespräch mit der Springer-Zeitung noch deutlicher: "Dieser Satz im ‚Tatort‘ hatte ja keine inhaltliche Relevanz. Das sehe ich immer auch als einen Angriff auf meine Familie – die Familie der Nationalelf. Und das ärgert mich." Er finde es schade und ärgerlich, dass die Prominenz der Nationalelf missbraucht werde, um "irgendein Thema zu entwickeln oder einen Scherz zu machen". Man werde nun grundsätzlich überlegen, wie man mit "solchen Dingen" umgehe. Man sei nicht wehrlos gegen Gerüchte und falsche Unterstellungen aller Art.

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