Presserat: Rügen für Bild Bremen und Bild.de

In den vergangenen Tagen berieten die drei Beschwerdeausschüssen des Deutschen Presserates. Die Gremien behandelten 125 Beschwerden und sprachen vier öffentliche und zwei nicht-öffentliche Rügen aus. Die Medienwächter erteilten der Bild Bremen und Bild Online jeweils eine nicht-öffentliche Rüge wegen einer Verletzung der Unschuldsvermutung und mangelndem Opferschutz. Zudem wurde Bauers tv hören und sehen wegen Schleichwerbung gerügt.

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Bei Bild Online störten sich die Medienwächter an der Veröffentlichung von zwei ungepixelten Fotos zweier ermordeter Jugendlicher. Damit verstieß die Redaktion nach Meinung des Gremiums gegen die Persönlichkeitsrechte der Jugendlichen. "Der Ausschuss betonte, dass das Wissen um die Identität der Opfer für das Verständnis des Verbrechens unerheblich ist und daran kein öffentliches Interesse besteht. Auch wenn es sich hier um einen bundesweit berichteten Fall handelt, geht es um jugendliche Opfer, die besonderen Schutz genießen", heißt es in der Erklärung. Deshalb sprach der Presserat eine nicht-öffentliche Rüge aus.

Die Bild Bremen erhielt zudem auch eine nicht-öffentliche Rüge für zwei Artikel, in denen es um einen Prozess gegen ehemalige Spieler der Amateurmannschaft von Werder Bremen sowie einen weiteren Verdächtigen wegen versuchten Totschlags ging. "Durch die in den Beiträgen erfolgten Fotoveröffentlichungen und Namensnennungen wurden beide Angeklagten identifizierbar", begründet der Rat die Rüge. "Damit verletzte die Zeitung ihr Persönlichkeitsrecht."

Die Lünepost rügten die Berliner Medienwächter wegen Verletzung der informationellen Selbstbestimmung. Das Wochenblatt für die Stadt und den Landkreis Lüneburg sowie Lauenburg und Bienenbüttel veröffentlichte über einen längeren Zeitraum immer ein Foto von Passanten, bei dem ein Kopf gelb eingekreist war. Dazu wurden Datum und Uhrzeit angegeben. Der betreffenden Person wurde ein Einkaufsgutschein von 25 Euro versprochen, wenn sie sich innerhalb von vier Wochen bei der Zeitung meldet. "Der Beschwerdeausschuss hält es für ethisch nicht vertretbar, dass die betreffenden Personen ohne ihr Wissen in der Zeitung veröffentlicht werden", heißt es in der Erklärung.

Wegen Schleichwerbung wurde tv hören und sehen gerügt. Bauers Programmzeitschrift hatte vier Beiträge über Krankheitsbilder veröffentlicht. "In jedem der Artikel wurde dabei ein Markenprodukt als Heilmittel genannt", erklärt der Presserat den Aufbau der Artikel. "In diesen Hinweisen erkannte der Beschwerdeausschuss nun Schleichwerbung, "da jeweils ein einzelnes Produkt ohne nachvollziehbaren Grund aus einer Palette ähnlicher Präparate mit gleichen Wirkstoffen hervorgehoben wurde."

Ein zweiter Schleichwerbefall betrifft das Magazin Premius. In einem Artikel über ein Fünf-Sterne-Hotel in Portugal lobte das Heft das Haus. Dem Artikel beigestellt war gleich ein Hinweise auf spezielle Aktionsangebote der Nobel-Herberge.

Die Zeitschrift Schifffahrt Hafen Bahn und Technik erhielt eine öffentliche Rüge. Die Zeitschrift hatte offenbar Amtsleiter der deutschen Wasser- und Schifffahrtsverwaltung schwere Vorwürfe bei der Ausschreibung und Abwicklung von Aufträgen gemacht. Zudem wurden ihm Interessenvermengungen vorgeworfen. "Die aufgestellten Behauptungen konnte die Zeitschrift nicht mit Fakten belegen. Die Vorwürfe waren ferner dazu geeignet, den Betroffenen in seiner Ehre zu verletzen."

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