NY Times: Börse glaubt an Pay-Konzept

Dass die "Gray Lady" das noch mal erleben darf: Der Volkswirt einer renommierten Bank der Wall Street empfiehlt die Aktie der New York Times wieder zum Kauf. Die Citigroup sieht große Chancen beim Paradigmenwechsel von der gedruckten zur Tablet-Ausgabe. Treiber des Upgrades ist das Vertrauen in die Paywall-Pläne der amerikanischen Traditionszeitung. Unterdessen haben Hacker die Bezahlschranke bereits geknackt – vier Zeilen Java Script reichten. Auch auf Twitter kursieren die freien Artikel.

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Dass die "Gray Lady" das noch mal erleben darf: Der Volkswirt einer der renommierten Bank der Wall Street empfiehlt die Aktie der New York Times wieder zum Kauf. Die Citigroup sieht große Chancen beim Paradigmenwechsel von der gedruckten zur Tablet-Ausgabe. Treiber des Upgrades ist das Vertrauen in die Paywall-Pläne der amerikanischen Traditionszeitung. Unterdessen haben Hacker die Bezahlschranke bereits geknackt – vier Zeilen JavaScript reichten. Auch auf Twitter kursieren die freien Artikel.

Der Countdown läuft: Fünf Tage sind es noch, dann fällt die Schranke – die Bezahlschranke.  Erstmals seit 2007 kostet die vielleicht "beste Zeitung der Welt", wie die New York Times immer wieder geadelt wird, Geld im Internet. Nicht auf einen Schlag, wie beim großen Konkurrenten, dem Wall Street Journal, sondern für regelmäßige Leser, die mehr als 20 Artikel pro Monat lesen wollen.
Ab dem 21. Artikel muss der User zahlen: 15 Dollar im Monat für den Zugang zur Webseite inklusive Smartphone-App, 20 Dollar für das Paket mit Tablet-App, 35 Dollar für den vollen digitalen Zugang auf allen Endgeräten.

Wall Street hebt den Daumen: Abo-Modell wird als chancenreich beurteilt
Während das Bezahlmodell in den sozialen Medien kontrovers diskutiert wird, klatscht die Börse Beifall. Die Wall-Street-Ikone Citigroup stuft das angeschlagene Medienhaus nach vielen Jahren der rückläufigen Kurse, die den Firmenwert auf 1,4 Milliarden Dollar haben schmelzen lassen, endlich wieder hoch – und rät zum Kauf der Aktie!
Warum das? Der Paradigmenwechsel von der gedruckten zur Tablet-Ausgabe ist "machbar", glaubt Citi-Analyst Leo Kulp. Den Breakeven für die Paywall hält Kulp für klein. In anderen Worten: Die verlorenen Werbeerlöse durch die verkleinerte Reichweite dürften nicht so groß sein, als dass sie nicht von Abo-Gebühren aufgefangen werden würden.
Tatsächlich sieht der Citi-Analyst beträchtliche Chancen für eine positive Entwicklung. Das gebührenpflichtige Modell sollte 15 Prozent zum Konzerngewinn beisteuern, schreibt Kulp in einer Studie. Im Idealfall könnte der Anteil am Ebitda gar 35 Prozent betragen, heißt es in der Analyse.

"NYTClean":  Ein Bookmarklet hebelt das Paid-Content-Modell aus

Nicht berücksichtigt hat der Citi-Analyst zu diesem Zeitpunkt wohl allerdings einen Vorfall, der sich gestern ereignete und das massive Investment in die Bezahltechnologie, die 40 bis 50 Millionen Dollar verschlungen haben soll, ziemlich löchrig aussehen lässt. Ein kanadischer Entwickler hat mit "NYTClean" ein Bookmarklet bereitgestellt, das die Bezahlschranke aushebelt – und das mit vier Zeilen JavaScript.
Seit letzter Woche ist die New York Times in Kanada bereits kostenpflichtig. Ob das Traditionsmedienhaus die Lücke bis zum US-Start am kommenden Montag schließen kann, bleibt abzuwarten.
Davon abgesehen gibt es auch schon auf anderen Kanälen den Versuch, die Bezahlschranke zu unterwandern. Auf dem Mikroblogging-Dienst Twitter hat sich bereits der Account "Free New York Times" etabliert, der Artikel verlinkt – schließlich unterliegen Links des 140-Zeichen-Dienstes nicht der Gratis-Schwelle von 20 Artikeln. Die New York Times sieht dadurch ihre Urheberrechte verletzt und fordert Twitter zur Entfernung des Accounts auf.
So oder so: Wenn am kommenden Montag die Schranke fällt,  beginnt die nächste Schlacht um das "Paid Content"-Model.

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