Anzeige

T-Mobile USA-Verkauf: Und jetzt, Telekom?

Endlich wieder positive Schlagzeilen für die Deutsche Telekom: Dem Dax-Konzern ist mit dem Verkauf der strauchelnden USA-Tochter ein spektakulärer Coup gelungen. 39 Milliarden Dollar für T-Mobile USA sind weitaus mehr, als Analysten noch vor Wochenfrist für möglich gehalten hätten – Schulden können damit stark reduziert werden. Doch auch der Befreiungsschlag hat seinen Preis: Die Wachstumsperspektive auf dem internationalen Telekommunikationsmarkt fehlt nun – ein echter Global Player ist die Telekom nicht mehr.

Anzeige
Anzeige

Endlich wieder positive Schlagzeilen für die Deutsche Telekom: Dem Dax-Konzern ist mit dem Verkauf der strauchelnden USA-Tochter ein spektakulärer Coup gelungen. 39 Milliarden Dollar für T-Mobile USA sind weitaus mehr, als Analysten noch vor Wochenfrist für möglich gehalten hätten – Schulden können damit stark reduziert werden. Doch auch der Befreiungsschlag hat seinen Preis: Die Wachstumsperspektive auf dem internationalen Telekommunikationsmarkt fehlt nun – ein echter Global Player ist die Telekom nicht mehr.

Keine Frage: Es war der Montag des René Obermann. 39 Milliarden Dollar für die US-Mobilfunktochter, das ist ein ziemlich stolzer Preis. Erst recht, wenn man ihn in Relation setzt: Es war die größte Übernahme an Kapitalmärkten seit mehr als einem Jahr. 39 Milliarden Dollar wurden für lediglich rund ein Viertel des Unternehmensumsatzes bezahlt.

Tatsächlich beträgt das Übernahmevolumen aber mehr als zwei Drittel des gesamten Börsenwertes der Telekom, die vor der AT&T-Offerte mit 41 Milliarden Euro bewertet wurde. Nach Handelsschluss war die Marktkapitalisierung des Dax-Konzerns wieder auf rund 46 Milliarden Euro angeschwollen – die T-Aktie legte gestern um mehr als 11 Prozent zu. Es war der größte Kurssprung seit Jahren.

Gleichzeitig war es für Konzernchef René Obermann der größte Tag seiner bisher sechsjährigen Amtszeit. "Good Job", jubelte das manager-magazin. "Börse feiert Telekom-Coup", resümmierte das Handelsblatt. "Der fabelhafte T-Mobile-Deal: Obermann wirft Ballast ab", attestestierte n-tv.de

Durch Verkauf Kurspflege: Schuldenabbau und Aktienrückkauf 

Anzeige

So weit, so gut. Doch was jetzt? Die Telekom litt jahrelang unter den immensen Sünden der New-Economy-Ära – nämlich eben jenen völlig überteuerten Voicestream Wireless-Kauf, den es jetzt endlich revidiert. 13 Milliarden Euro werden zur Schuldentilgung verwendet. Damit sinken die Verbindlichkeiten endlich unter die 10-Milliarden-Euro-Grenze.  

5 weitere Milliarden Euro werden für das Aktienrückkauf-Programm verwendet, das in dieser Größenordnung für einen Dax-Konzern ziemlich einmalig ist. Für die Kurspflege ist das gut, Analysten hoben gestern reihenweise den Daumen und nannte höhere Kursziele. Nach Jahren der Underperformance kommt damit endlich Fahrt in die notorische schwächelnde T-Aktie.

Wachstum in Ost-Europa,  Verwaltung des deutschsprachigen Marktes

Doch wie lange hält der Aufschwung an? Es bleibt die 8 Prozent-Beteiligung am größten Mobilfunkunternehmen der USA, AT&T, die dank des Wachstumskurses der Amerikaner keine schlechte ist. Allerdings tendiert dieser Anteil prozyklisch mit dem Telekommunikationsmarkt im Allgemeinen – und ist in der Bewertung Wechselrisiken unterworfen. Das Kapital ist also gebunden, das Pulver entsprechend des Schuldenabbaus und Aktienrückkaufs verschossen.
Die Zukunft des mit Abstand größten deutschen Technologie-Unternehmens sieht damit um einiges unspektakulärer aus, als die Telekom ihren Aktionären und Kunden um die Jahrhundertwerte suggerierte: Der Anspruch ein Global Player zu sein, kann mit dem Abschied aus den USA nicht mehr aufrecht erhalten werden. Vodafone, Verizon und AT&T spielen längst in einer ganz anderen Liga.
Was bleibt, ist ein bisschen Wachstum im osteuropäischen Mobilfunkmarkt – und die Verwaltung des deutschen Marktes. Das ist aus Sicht des Unternehmens durchaus ein nachvollziehbarer Schritt zu neuer Solidität, die den Großaktionär, den Bund freuen wird. Der jahrlange Status des Börsen-Sorgenkindes ist die Telekom spätestens seit gestern los. Den des Wachstumswertes aber auch – und  zwar endgültig und unwiederbringlich. Es droht eine wenig aufregende Zukunft, in der in großen Werbe-Kampagnen verkündet werden darf, wie Festnetz und Internet verschmelzen. Der rosa Riese von einst wird zum mediokren Mittelschwergewicht.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*