Marco W.: 247 Tage in der Knast-Hölle

Es war nur eine Frage der Zeit, wann sich der erste Filmemacher an die Geschichte von Marco Weiss aus Uelzen aus dem Jahr 2007 herantraut. Heute Abend strahlt Sat.1 das TV-Event über den damals 17-Jährigen aus, dem vorgeworfen wurde, eine 13-jährige Britin im Türkei-Urlaub sexuell missbraucht zu haben. Entstanden ist ein sehr dicht erzählter Film, der keinen Zweifel an der Unschuld des Jungen zulässt und mit schlichten Elementen die unvorstellbaren Erlebnisse im türkischen Gefängnis nacherzählt.

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Im vergangenen Jahr sicherten sich die Produzenten Ica und Michael Souvignier von Zeitsprung Entertainment die Filmrechte an dem Buch "Marco W. – Meine 247 Tage im türkischen Knast". Die Kölner Produktionsfirma versteht sich auf Schicksalsgeschichten, wie sie es in der Verfilmung "Das Wunder von Lengede" oder "Contergan – eine einzige Tablette" bereits bewiesen hat.
Regisseur Oliver Dommenget verfilmt die Ereignisse um Marco Weiss zwischen dem 1. April 2007 bis zum 14. Dezember 2007 chronologisch hintereinander weg – über die Familienidylle am Strand von Antalya, die Festnahme, die Zustände im türkischen Gefängnis, das Medieninteresse in Deutschland bis hin zur Wiedervereinigung der vierköpfigen Familie in Uelzen. Inszeniert werden zwei Welten: die dunkle Seite aus der Haftanstalt, in der Marco als Schwerverbrecher mit 30 fremden, teils drogensüchtigen, gewalttätigen Insassen überleben muss, und die helle Seite mit der verzweifelten Familie vor den Gittern, der die Journalisten auf die Pelle rücken. Ausgespart wird aber die filmische Umsetzung jener Nacht, die Marco zum Verhängnis wurde.
Es ist sehr eindrucksvoll, wie Vladimir Burlakov den 17-Jährigen Marco zwischen jugendlicher Naivität und erwachsener Reife spielt, der vor seinen Eltern trotz allen Übels und Ungerechtigkeiten Stärke zeigt. Auch Veronica Ferres und Herbert Knaup überzeugen als verzweifelte Eltern, die eine Zerreisprobe zwischen dem Schicksal ihres Sohnes und ihrem "normalen" Leben bewältigen müssen. Denn schließlich muss der juristische Beistand ja auch von irgendwas bezahlt werden.
Der aufwühlende Film ist in enger Zusammenarbeit mit den Betroffenen entstanden. Sie erhoffen sich laut stern.de mit dem Film ein Stück Aufarbeitung, auch wenn die Realität "weitaus strapaziöser, beängstigender und dramatischer" gewesen sei. Zu wünschen ist es ihnen.

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