Die Polit-Game-Show mit Claus Strunz

Selten war der Begriff Show für ein Talk-Format passender als für “Eins gegen Eins”, die neue politische Talkshow bei Sat.1. Der Sender will wieder ein bisschen Relevanz gewinnen. Gleichzeitig will man die Zuschauer aber auch nicht mit zu viel drögem Polit-Talk erschrecken. Darum wurde “Eins gegen Eins” mit viel Gameshow-Bling-Bling verkleidet. Der Sendung hat das genauso wenig gut getan, wie der Killer-Sendeplatz spätnachts zum Wochenbeginn.

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Würde es Sat.1 ernst meinen mit der Relevanz und der Wiederbelebung der Tradition der – Gott hab sie selig – Talkshow “Talk im Turm”, hätte man wohl kaum den Sendeplatz von "Eins gegen Eins" auf Montagnacht 23.30 Uhr gelegt. Der Sendeplatz garantiert einen Ausschluss der breiteren Öffentlichkeit und deutet zart an, dass es sich hier nur um ein Feigenblatt-Format handelt: Schaut her, wir machen ja auch irgendwas mit Politik. Das ist die Privat-TV-Variante jener zuschauerverachtenden Attitüde, mit der öffentlich-rechtliche Sender gerne gute Dokus oder anspruchsvolle Spielfilme wochentags spät in der Nacht versenden.

Nicht, dass man bei “Eins gegen Eins” ein bahnbrechendes Format verpassen würde, wenn man sich früher zur Nachruhe begibt. Der Moderator ist Claus Strunz, der Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, der schon bei N24 mal eine Talkshow mit dem Gaga-Titel “Was erlauben Strunz?” hatte. Das Beste, was man über Strunz in diesem neuen Format sagen kann, ist wahrscheinlich, dass er nicht weiter stört. Die Macher haben sich nämlich sehr viele “Elemente” einfallen lassen, um “Eins gegen Eins” als blinkende und tönende Gameshow zu verkleiden. Das beginnt beim Namen “Eins gegen Eins”, der den Duell-Charakter versinnbildlichen soll, aber eher klingt wie eine Rateshow mit C-Promis am Vorabend. Das geht weiter über die penetrante Studio-Dekoration mit roten und blauen Lichtern (rot ist “dagegen”, blau ist “dafür”) und Glas-Stehpulten, an denen der Moderator und die Protagonisten stehen. Das will alles schrecklich dynamisch wirken, gerät aber doch nur hektisch.

Zum Start wird gleich mal das Publikum befragt, das seine Meinung via Druckknopf kundtun darf – wie der Publikums-Joker bei “Wer wird Millionär?”. Das Streitthema der ersten “Eins gegen Eins”-Sendung lautete, und jetzt bitte gut festhalten: “Atom, Libyen, einmal Hü, einmal Hott, macht Wählen noch Sinn?” Viel mehr konnte man in eine Fragestellung wahrscheinlich nicht reinpacken. Nicht nur Atom, nein, auch noch Libyen plus Politikverdrossenheit. Und weil das alles noch nicht reichte, gab es in der Sendung wie auf einem Talk-Fischmarkt noch die Steuerlüge der FDP, die Steuervergünstigungen für Hotels und den baden-württembergischen Landtagswahlkampf gratis obendrauf. Allein das Hickhack um die verkorkste Einführung des Biosprits E10 wurde offenbar vergessen.

Als Gäste geladen waren immerhin Außenminister Guido Westerwelle und Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart. Letzterer konnte im Wesentlichen die Kernthesen seines alten Nicht-Wählerbuches nochmal auspacken, das er schon vor der vergangenen Bundestagswahl veröffentlicht hatte. Ansonsten beschränkte sich Steingart darauf, gegen Westerwelle eine schlechte Figur zu machen. Sekundiert wurde den beiden von der baden-württembergischen Umweltministerin Tanja Gönner, die neben Westerwelle kaum was sagen durfte, und einem blassen Wahlforscher.

So wurden hektisch Argumente ausgetauscht, ab und zu schoss Claus Strunz einen Einspielfilm ab, und am Ende wurde nochmal im Publikum abgestimmt. Die Theorie: Das Publikum sollte seine Meinung anhand der ausgetauschten “Argumente” überprüfen. Am Anfang waren 80 Prozent der Studio-Zuschauer der Meinung, dass man schon noch wählen gehen sollte. Am Ende auch. Claus Strunz bezeichnete das als “spektakulär”. "Überflüssig" wäre auch so ein passendes Wort gewesen.

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