ARD-Intendanten des Mobbings bezichtigt

Der ARD steht ein peinlicher Prozess bevor. Ausgerechnet Generalsekretärin Verena Wiedemann hat den Senderverbund vor dem Arbeitsgericht Berlin auf Schadensersatz und Schmerzensgeld verklagt. Grund: Die Intendanten sollen sie so massiv gemobbt haben, dass Wiedemann psychisch erkrankt sei. Eigentlich sollte Wiedemann helfen, die ARD strategisch zu positionieren. Die Intendanten sollen als Zeugen geladen werden.

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Was die Frankfurter Rundschau da über die Klage der ARD-Generalsekretärin gegen ihren Arbeitgeber berichtet, ist für den Senderverbund wenig schmeichelhaft. Wiedemanns Anwalt erklärte, "Ausgrenzung, Diskriminierung und Missachtung" seiner Mandantin seien so massiv gewesen, dass diese sich nunmehr in medizinischer Behandlung befinde. Der Anwalt der ARD wies die Vorwürfe zurück. Frau Wiedemann sei nicht klar gewesen, dass sie als Generalsekretärin die Intendantin lediglich "unterstütze".

Wiedemanns Anwalt wirft den Intendanten vor, ihr wichtige Aufgaben entzogen zu haben (etwa die Pressearbeit), Referentenstellen gekürzt zu haben und sie zu wichtigen Sitzungen nicht eingeladen zu haben. Als weiteres Mobbing-Indiz sieht der Anwalt den Umstand, dass das Generalsekretariat Anfang Juli von repräsentativen Räumlichkeiten in den Büros der Bundespressekonferenz in das Gebäude des RBB umziehen soll. Eine "Besenkammer", wie sich der Anwalt laut FR vor Gericht ausdrückte.

Wiedemanns Anwalt kündigte an, alle ARD-Intendanten als Zeugen laden zu wollen. Zunächst will sich der Anwalt der ARD aber mit der 124-seitigen Klageschrift befassen, was erst einmal zwei Monate dauern wird. Die Öffentlichkeit und die ARD können sich auf ein langwieriges Verfahren einstellen.

Die Aufgabe des von Wiedemann seit 2006 geleiteten Generalsekretariats war dabei ohnehin nie so ganz klar. Der frühere WDR-Intendant Fritz Pleitgen betrieb maßgeblich die Einrichtung der Stelle. Wiedemann war vorher Leiterin des ARD-Verbindungsbüros in Brüssel. Davor wiederum war sie mal Zeitschriftenmanagerin bei Gruner + Jahr und nach einer Assistenz bei Rolf Wickmann für die Brigitte-Gruppe zuständig. Laut Handelsblatt galt sie nach ihrem zur öffentlich-rechtlichen Lobbyarbeit als "Stalinistin des öffentlich-rechtlichen Rundfunks". Dass ausgerechnet eine Hardlinerin des öffentlich-rechtlichen Systems von diesem System krank wurde – unabhängig von der Schuld-Frage – wirft kein gutes Licht auf das System ARD.

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