ZDF wird auf 133 Millionen Euro verklagt

Das frühere Schweizer Technologieunternehmen Amitelo hat das ZDF und mehrere seiner Mitarbeiter wegen eines 2007 gesendeten "Frontal 21"-Berichts auf Schadensersatz in Höhe von 133 Millionen Euro verklagt. Wie der Spiegel schreibt, wirft der Konzern dem Sender vor, "mit millionenfach verbreiteten, unwahren Äußerungen" den Zusammenbruch der Aktiengesellschaft verursacht zu haben. In Mainz nimmt man die Vorwürfe gelassen: Der Fall sei weder der Sache noch der Rechtslage nach zu verlieren.

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Das TV-Magazin hatte Amitelo in dem gesendeten Beitrag vorgeworfen, Erfolgsmeldungen aufgehübscht sowie eine 45-Millionen-Euro-Klage in Kanada verschwiegen zu haben. Zudem soll eine von den Schweizern angegebene Firmenzentrale unbesetzt gewesen sein. Die Sendung zeigte Wirkung: Der Kurs der Amitelo-Aktie brach nach der Ausstrahlung um 60 Prozent ein.
In der Klage wehrt sich das frühere Technologieunternehmen, das sich nach eigenen Angaben "gegenwärtig in einer Restrukturierungsphase" befindet, gegen die Vorwürfe. Die Klage sei nie zugestellt worden und die Firmenzentrale sei nur der aus steuerlichen Gründen gewählte Sitz einer Holding gewesen. "Hier wird deutlich, dass gerade in der Wirtschaftberichterstattung eine besondere Sorgfaltspflicht gelten muss", sagte Amitelo-Anwalt Arthur Waldenberger.
Auf ihrer Homepage richtet sich Anton Georg Stiffler, Delegierter des Verwaltungsrates in der Amitelo-Konzernleitung, an die Aktionäre. Darin heißt es: "Mit diesem Schreiben möchten wir allen Amitelo-Aktionären, die bereits zu diesem Zeitpunkt (Ausstrahlungszeitpunkt, Anm. d. Red.) Amitelo-Aktien besaßen, Gelegenheit geben, ihre Schadensersatzansprüche gegen das ZDF wegen dessen Falschberichterstattung an die Amitelo AG abzutreten. Wir werden danach versuchen, unseren und Ihren Schaden gegenüber dem ZDF geltend zu machen. Alle Prozesskosten werden von uns übernommen." Sollte man mit der Klage erfolgreich sein, werde man den Aktionären 35 Prozent des ihnen rechnerisch zustehenden Betrages erstatten, sichert das Unternehmen vertraglich zu. "Wir betrachten unser Angebot als Beitrag von Amitelo, allen Aktionären möglichst viel Unterstützung zukommen zu lassen. Ein Erfolg unserer Zivilklage ist aber selbstverständlich nicht garantiert."
Das ZDF hat die Sache seinen Anwälten übergeben, die einen Schadensersatzanspruch für nicht begründet halten. Ein Sendersprecher sagte, dass die Justitiare schon jetzt sagen könnten, "dass der Fall für uns weder der Sache noch der Rechtslage nach zu verlieren ist".

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