Milliarden-Deal: Telekom stößt US-Sparte ab

Großverkauf bei der Deutschen Telekom: Nach übereinstimmenden Presseberichten hat der Dax-Konzern einen Käufer für T-Mobile USA gefunden. AT&T sicherte sich die Mobilfunk-Tochter der Telekom für 39 Milliarden Dollar. Trotzdem ist der Verkauf für die Deutsche Telekom ein Verlustgeschäft: Vor 11 Jahren zahlte der Ex-Staatsmonopolist deutlich über 40 Milliarden Dollar für die damalige Voicestream Wireless und hat immense Summen in den Netzausbau gesteckt. Das USA-Geschäft stagnierte dennoch zuletzt.

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Seit Jahren wurde gemunkelt. Wann und in welcher Form würde die Deutsche Telekom ihre stagnierende amerikanische Tochtergesellschaft veräußern? Seit Sonntagabend ist die Antwort bekannt: T-Mobile USA geht an den amerikanischen Telekommunikations-Riesen AT&T – und zwar für stattliche 39 Milliarden Dollar. 25 Milliarden Dollar davon werden in bar gezahlt, der Rest in Aktien.

Damit scheint der Dax-Konzern nicht so schlecht bedient: Zwar zahlte Deutsche Telekom kurz nach dem Höhepunkt der Internet-Euphorie 2000 noch mehr als 40 Milliarden Dollar für das Herzstück der amerikanischen Mobilfunk-Tochter, Voicestream Wireless, um in den Folgejahren Milliarden um Milliarden in den Auf- und Ausbau der Netze zu investieren. Doch zuletzt hat T-Mobile USA nicht mehr die erhofften Erwartungen erfüllt.

Kein iPhone: T-Mobile USA hatte den Anschluss verpasst

Das Wachstum stieß an seine Grenzen, so dass sich im abgelaufenen Geschäftsjahr der Umsatz erstmals leicht rückläufig entwickelte. Das lag nicht zuletzt daran, dass T-Mobile USA nicht über dieselben Geräte verfügte wie die deutsche Mobilfunktochter: Das iPhone, das die Telekom hierzulande jahrelang exklusiv vertreiben konnte, landete in den USA bei AT&T und später bei Verizon.

Mit 33 Millionen Kunden liegt T-Mobile USA hinter den Platzhirschen AT&T und Verizon Wireless, die es beide auf über 90 Millionen Kunden bringen, so dramatisch abgeschlagen, dass schon lange keine Chance bestand, die Marktführer noch einmal anzugreifen.

Es sei denn, man hätte sich noch einmal zu einer teuren Übernahme des nächstgrößeren Konkurrenten entschlossen, der Nummer drei auf dem US-Mobilfunkmarkt, Sprint / Nextel. Die hätte jedoch eine weitere zweistellige Milliardensumme verschlungen, die vom stark verschuldeten Dax-Konzern nicht zu stemmen gewesen wäre.

US-Mobilfunkmarkt in Bewegung

So blieb nur der Verkauf, der die Deutsche Telekom mit einem Schlag stark entschuldet. Allein 13 Milliarden Euro soll in den Abbau der Verbindlichkeiten gesteckt werden. Mit weiteren fünf Milliarden Euro soll ein Aktienrückkauf betrieben werden. Mit dem Rest der Summe beteiligt sich die Telekom an AT&T – und wird 8 Prozent zugleich größter Minderheitsaktionär des Dow Jones-Mitglieds.

Die Telekom verliert damit einerseits ihren wertvollsten Unternehmensteil und ihre größte Wachstumshoffnung. Andererseits beendet sie das USA-Abenteuer in der Nähe der Hochs der mehrjährigen Börsenhausse auf einem ordentlichen Preisniveau, das ihr vor ein, zwei  Jahren wohl kaum ein Analyst zugetraut hätte. Es hätte schlechter laufen können, wie die Rückveräußerung von Daimlers Chrysler-Anteilen belegen.

Der amerikanische Mobilfunkmarkt ist damit in Bewegung geraten. Während sich AT&T mit 30 Millionen neuen Kunden als Gewinner fühlen darf, muss Verizon, das in der Kundenzahl knapp vor  dem US-Traditions-Telekomkonzern gelegen hatte, als Verlierer fühlen – ganz zu schweigen von Sprint / Nextel, das nun in die Bedeutungslosigkeit versinkt. Doch auch Apple darf sich freuen: Ohne weiteres Zutun erschließt es sich das Unternehmen einen Markt von weiteren 33  Millionen möglichen iPhone-Kunden.

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