Jörg Kachelmanns milder Bild-Spott

Bild befragte ausgerechnet Spiegel-Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen zu dem Verlauf des Prozesses Ottfried Fischer vs. Bild. Mit der Antwort dürfte die Zeitung zufrieden gewesen sein. Die Kabbelei zwischen Bild und dem Spiegel war jetzt sogar der New York Times einen großen Artikel wert. Unterdessen übt sich Jörg Kachelmann in seinem sehr aktiven Twitter-Kanal in mildem Bild-Spott, und ein Anruf bei der ZDF-Pressestelle geriet zu einer kleinen Telefon-Odyssee.

Anzeige

Das hat denen bei der Bild natürlich so richtig gut gefallen. Am Rande des Prozesses, in dem geklärt werden soll, ob ein Bild-Reporter den Schauspieler Ottfried Fischer mit einem Sex-Video zur Kooperation genötigt hat oder nicht, wurde ausgerechnet die Star-Gerichtsreporterin des Spiegel, Gisela Friedrichsen, befragt. Und einmal gefragt, ist die um ein Urteil natürlich nie verlegen: "Ich sehe in diesem Fall keine Nötigung." Zack bumm hat Bild eine hübsche Schlagzeile: "Gerichtsreporterin des ‚Spiegel‘: ‚Keine Nötigung‘. Das ist vor allem deshalb von Interesse, weil Ottfried Fischer unlängst in dem großen Spiegel-Aufmacher über die miesen Methoden der Bild-Zeitung als eine Art Kronzeuge angeführt wurde.

Die Kabbelei zwischen Spiegel und Bild wurde mittlerweile sogar schon jenseits des Atlantik registriert. Die New York Times brachte einen ausführlichen Artikel zum Thema: "Gloves Off in German Media Scramble." Sinngemäß übersetzt etwa: Im deutschen Medien-Zoff werden die Samthandschuhe ausgezogen. Es ist immer wieder ganz erhellend, mal mit ganz anderer Perspektive einen Blick auf die heimische Branchen-Befindlichkeiten zu werfen. Ganz interessant ist beispielsweise der Hinweis der New York Times, dass nach dem jüngsten Auflagenrutsch die Bild nach Auflage gar nicht mehr die größte Tageszeitungs Europa ist, sondern die britische Sun. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist aber die in dem Artikel vertretene These, dass der Spiegel sich mit einer “neuerlichen Bedrohung” durch den von einem neuen Chefredakteur überarbeiteten Focus auseinandersetzen müsse.

Der Prozess gegen den ehemaligen ARD-Wettermann Jörg Kachelmann geht nächste Woche in Mannheim weiter. In der Zwischenzeit vertreibt sich Kachelmann die Zeit, indem er eifrig und lesenswert über die Wetterlage bei dem japanischen Unglücksreaktor Fukushima twittert. Dabei leistet er sich auch an der einen oder anderen Stelle ein bisschen milden Spott gegenüber der Bild-Zeitung, die er in schöner Regelmäßigkeit als “Größte Anzunehmende Zeitung” bezeichnet. Bild hat Kachelmann immerhin die unermüdliche Alice Schwarzer als Gerichtsreporterin auf den Hals gehetzt.

Anruf bei der ZDF-Pressestelle in dieser Woche. Ein Mann nimmt ab, der seinen Namen nicht nennt. Ich sage mein Sprüchlein auf, wie ich heiße, für wen ich anrufe (MEEDIA) usw. Noch bevor die Frage formuliert ist, ruft der Mann: “Moment!” – und wirft mich in die Warteschleife. Nach ein, zwei Minuten meldet sich eine Frau: “Da geht keiner ran!” Ich: “Hallo, wo bin ich denn jetzt gelandet?” Frau: “Zentrale!” Ich: “Ich hätte gerne die Pressestelle…” Frau: “Moment!” Warteschleife. Dummdideldumm. Nach ein, zwei Minuten, dieselbe Frau: “Da geht keiner ran!” Ich: “Danke.” Erneut dieselbe Nummer wie beim ersten Versuch gewählt. Wieder derselbe Mann, der seinen Namen nicht nennt. Ich bitte ihn, ob ich zunächst aussprechen dürfe und erkläre, dass ich gerne zur Pressestelle möchte. Er habe mich doch verbunden, sagt er. Ich: “Das hat aber nicht geklappt, ich bin in der Zentrale gelandet….” Er: “Moment!” Wartschleife. Dann ein anderer ZDF-Mitarbeiter, der sich mit Namen meldet. Er gibt mir die Durchwahl der Pressestelle. Interessanterweise genau die Nummer, die ich bereits die ganze Zeit wähle: “Jaaaaa, kann sein, dass die umgestellt haben, die sind heute bestimmt alle in Sitzungen.” Es ist nicht das erste mal, dass eine Anfrage bei der ZDF-Pressestelle solch einen Verlauf nimmt. So ein harmloser Anruf bei der Pressestelle des ZDF kann leicht zu einem kafkaesken Erlebnis werden.

PS: Der freundliche Mensch, den ich am Ende der kleinen öffentlich-rechtlichen Telefon-Odyssee am Apparat hatte, konnte meine Frage dann doch kurz und bündig beantworten. Es gibt Hoffnung – sogar in Behörden.

War sonst noch was erwähnenswert? Vielleicht, dass Focus-Chefredakteur Wolfram Weimer langsam die Kraft von Social Media entdeckt. Auf seiner Facebook-Seite lässt er Nutzer über die Focus-Karikatur der kommenden Woche abstimmen.

Schönes Wochenende!

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige