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Die New York Times als Pay-Vorbild

Die New York Times macht ernst mit ihren Plänen, Web-Inhalte auf Paid Content umzustellen. Anders als etwa Rupert Murdoch nutzt die New York Times dabei ein so genanntes Metered System, d.h. nur Vielleser werden zur Kasse gebeten. Der Schritt ruft im Web viel erwartbare Kritik hervor. Dabei ist das Bezahl-Konzept der New York Times in sich schlüssig, kundenfreundlich und hat sogar Vorbild-Charakter für Deutschland. Ein MEEDIA-Kommentar.

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So funktioniert das Paid-Content-Modell der New York Times: Ab 28. März kann man nur noch 20 Artikel der Website NYTimes.com gratis im Web lesen. Ab dem 21. Artikel, den man aufruft, bekommt man Abo-Angebote unterbreitet. Vier Wochen unlimitierten Zugang zur Website und einer Smartphone-App kosten dann 15 Dollar. Will man statt mit dem Smartphone mit dem iPad Zugriff auf die New York Times haben, kostet das 20 Dollar pro Monat. Für 35 Dollar pro Monat gibt es Web, Smartphone und iPad zusammen. Abonnenten der gedruckten New York Times bekommen alle Digital-Zugänge ohne Zusatzkosten – wie es sich gehört.

Nun kann man streiten, ob es tatsächlich sinnvoll ist, für den Zugang via iPad mehr Geld zu verlangen als für den Zugang via Smartphone. Das Pricing der New York Times kann man in diesem Detail als Experiment werten, ob Kunden für das bessere Lese-Erlebnis auf dem Tablet bereit sind, mehr zu zahlen. Ansonsten ist das Bezahl-Modell aber durchdacht und ein guter Kompromiss.

Natürlich will die New York Times auf möglichst wenig Online-Reichweite verzichten. Darum zählen auch Besuche, die von Twitter, Facebook oder Google kommen, nicht zum 20-Artikel-Limit. Allerdings beschränkt die Zeitung den kostenfreien Zugang von Google auf fünf Artikel pro Tag. Leute, die gelegentlich mal einen Artikel in der New York Times lesen oder  bei Twitter, Google oder Facebook auf einen interessanten Link zu einem Times-Artikel stoßen, werden von der Bezahl-Schranke gar nichts mitbekommen.

Wer die New York Times aber sehr intensiv oder gar beruflich nutzt, sollte auch nichts dagegen haben, dafür eine gewisse Summe zu zahlen. Bei Twitter gibt es viele Klagen, die New York Times würde mit diesem Schritt ihre loyalsten Leser “bestrafen”. Andere Schlaumeier brüsten sich damit, schon ganz, ganz viele Lücken gefunden zu haben. Das ist eine etwas seltsame Einstellung, wenn die ach so loyalen Leser nicht bereit sein sollten, für ihre viel genutzte Zeitung etwas zu bezahlen, dann muss man sich fragen, was ihre Loyalität wert ist.

Die Bezahl-Strategie der Times wirkt jedenfalls fairer als die Alles-oder-nichts-Strategie von Rupert Murdochs News Corp, der zum Beispiel bei der Londoner Times alle Nichtzahler konsequent aussperrt. Und das New-York-Times-Modell wirkt souveräner als die Hilferufe mancher deutschen Verleger nach Vater Staat, der mit dem so genannten Leistungsschutz Google zur Kasse bitten soll. Statt zu jammern versucht die New York Times sich in Sachen digitale Erlöse selbst zu helfen und dabei die Leser nicht zu vergessen. Das hat Vorbildcharakter. Auch für Deutschland.

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