Das Digital-Manifest der Verleger

Verleger fordern Hilfe von der Politik: Um Leser "mit seriösem und qualitativem Journalismus zu versorgen", investierten sie hunderte Millionen Euro. Doch "schwierige Geschäftsbedingungen im digitalen Umfeld sowie restriktive gesetzliche Rahmenbedingungen" bedrohen den Erfolg der Investitionen, klagt der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Deshalb hat der VDZ fünf Forderungen an die Politik aufgestellt, in denen er klarmacht, wie die Verleger sich die digitale Zukunft vorstellen.

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Gemeinsam mit dem Europäischen Zeitschriftenschriftenverlegerverband FAEP verabschiedete der VDZ in Berlin die so genannte "Berliner Erklärung". Sie fordern "geeignete ökonomische Rahmenbedingungen, um dem Medienwandel mit attraktiven und wirtschaftlichen Angeboten begegnen zu können". Die fünf Thesen lauten:

  1. Der Verzicht auf jegliche weitere Beschränkung der Freiheit der Presse in redaktioneller, werblicher, vertrieblicher oder sonstiger Hinsicht als Minimum vernünftiger Medienpolitik

  2. Faire Rahmenbedingungen für innovative Geschäftsmodelle im digitalen Zeitalter

  3. Ein effektiver Urheberrechtsschutz als Grundlage einer lebendigen Presse

  4. Reduzierte Mehrwertsteuer für die digitale Presse wie für die Printpresse

  5. Gerechte Bedingungen und Transparenz in der Digitalen Welt

"Verleger investieren hunderte Millionen Euro in die Entwicklung neuer Plattformen, um digitale Inhalte anbieten zu können", sagte Wolfgang Fürstner, Hauptgeschäftsführer des VDZ. "Wir sind in einer deutlich veränderten Situation, die die Verleger in Auseinandersetzungen mit technischen Giganten führt, die die Verbreitung von Inhalten in allen Formen kontrollieren wollen." Als Ergebnis könnten die Verleger Kernkompetenzen wie Preissetzung und die direkte Beziehung zum Leser verlieren – insbesondere bei der Abonnentenverwaltung – klagt der VDZ.
FAEP-Präsident David Hanger befürchtet drohende Einschränkungen durch den Gesetzgeber: "Die möglichen gesetzlichen Änderungen auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene, die derzeit in der Diskussion sind, können die Zukunft der digitalen Presse gefährden." So würde zum Beispiel die Bereitstellung qualitativer Inhalte durch die mögliche Abschwächung der bisherigen Copyright-Regeln angegriffen. Änderungen der Datenschutzregelungen stellten zudem unnötige Barrieren für die Pressedistribution dar. Und die zum Teil einseitigen Geschäftsbedingungen großer Internetplayer, sagt Hanger, vergrößerten die Gefahr, dass die zumeist kleinen und mittelständischen Verleger an der Entwicklung eines wirtschaftlich nachhaltigen digitalen Geschäftsmodells scheitern.
FAEP und VDZ betonen im Vorfeld des "Internet G8 – Gipfels" im Mai in Frankreich, dass die europäischen Verleger ihre Zukunft selbst gestalten wollen, dabei aber auf ein Gleichgewicht von Rechten und Pflichten zwischen den verschiedenen Playern der digitalen Wertschöpfungskette angewiesen seien.

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