8,2 Millionen Euro Schaden bei Kika-Betrug

Der MDR versucht einen Schlussstrich: Mit einer Mischung aus Selbstkritik, Mahnungen und persönlichen Konsequenzen versucht der Mitteldeutsche Rundfunk die Kika-Betrugsaffäre zu beenden. In einer Sondersitzung des Rundfunkrats beziffert der Sender den entstandenen Schaden beim Kinderprogramm auf rund 8,2 Millionen Euro. Die Konsequenz: MDR-Verwaltungsdirektor Holger Tanhäuser stellt sein Amt zur Verfügung. Er ist aber nicht bereit, eine persönliche Schuld anzuerkennen.

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Die internen Ermittlungen ergaben, dass dem ZDF/MDR-Joint-Venture durch kriminelle Scheingeschäfte der Millionenschaden entstanden ist. Diese hatte ein frühere Herstellungsleiter zusammen mit fünf Firmen getätigt. Eines dieser Unternehmen war die Kopp-Film GmbH. Die Namen der anderen vier Firmen will der MDR aufgrund der laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nicht nennen. Alleine 6,7 Millionen Euro gingen an die Kopp-Film.
"Die enorme kriminelle Energie des Beschuldigten hat letztlich dazu geführt, dass diese Allianz von Untreue und Betrug für Außenstehende ohne spezifische Fachkenntnisse offenbar kaum zu entlarven war und so Jahre lang unentdeckt blieb", rechtfertigt der MDR-Intendant Udo Reiter. "Dass über so lange Zeit unbemerkt so viel Geld abgezweigt werden konnte, ist auf tatbegünstigende Umstände, auf Schwachstellen im Umfeld und einen mangelnden Vollzug der MDR-Regeln beim KI.KA zurückzuführen. Dafür sind wir verantwortlich."
Den Schritt von Tanhäuser begrüßte der Intendant, verwies aber immerhin noch auf dessen "herausragenden Verdienste". Konkrete arbeitsrechtliche Maßnahmen leitet der Sender gegen zwei Mitarbeiter ein. So wurde der für den Kika zuständige Fernsehdirektor des MDR, Wolfgang Vietze, ermahnt und der zuständige Programmgeschäftsführer, Steffen Kottkamp, wegen mangelnder Ausübung seiner Kontrollfunktion sogar abgemahnt.
Dem aber nicht genug: Vier weitere Mitarbeiter wurden mit "Blick auf arbeitsrechtliche Maßnahmen angehört". Zudem sind gegen drei dieser Angestellten staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren anhängig.
Gegen den früheren Herstellungsleiter und vermeintlichen Drahtzieher der Affäre hat der Sender mittlerweile konkrete Schadenersatzforderung gestellt. Unklar ist allerdings, wie viel der Verdächtige wird zurückzahlen können. 

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