Sex-Video: Spiegel-Reporterin verteidigt Bild

Nanu: Erst vor zwei Wochen hatte der Spiegel in einer Titelgeschichte mit den Methoden der Bildzeitung abgerechnet. Prominenter Kronzeuge für die unappetitliche Vorgehensweise des Boulevard-Blatts: Ottfried Fischer. Der Schauspieler soll von einem Ex-Bild-Mitarbeiter zu einem Interview genötigt worden sein. Doch nun stellt sich Spiegel-Autorin und Gerichts-Ikone Gisela Friedrichsen auf die Seite der Bild und sieht im Fall Fischer keine strafrechtliche Relevanz.

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Die Anklage im Fall Fischer dürfte eine der wesentlichen Gründe gewesen sein, die beim Spiegel den Ausschlag gaben, sich intensiv mit der Bild und ihren Recherche-Methoden zu beschäftigen. „Ich sehe in diesem Fall keine Nötigung, da es die Pflicht des Journalisten ist, den Betreffenden mit den Vorwürfen zu konfrontieren und ihm die Chance zu geben, sich zu den Vorwürfen zu äußern", zitiert Bild nun die Reporterin.
Die Vorgeschichte: Im Oktober hatte das Amtsgericht den Journalisten zu einer Strafe von 14.400 Euro verurteilt, weil er den Schauspieler mithilfe eines Sex-Videos zu einem Bild-Interview genötigt haben soll. Allerdings sagte Fischers PR-Agentin gegenüber dem Gericht aus, dass niemals mit dem Clip gedroht wurde, sondern das der Angeklagte den Film lediglich erwähnt hätte. Das hielt das Amtsgericht für unerheblich. Alleine die Erwähnung des Videos in einem Telefonat mit der PR-Agentin soll ein strafbarer Gebrauch sowie eine strafbare Nötigung gewesen sein.

Monate später erzählt Fischer dem Spiegel, wie er sich von der Bild unter Druck gesetzt sah und was für eine Befreiung es gewesen sei, mit dem Fall und den Vorwürfen gegen das Boulevard-Blatt an die Öffentlichkeit zu gehen. In einem Interview mit Kai Diekmann wurde der Bild-Chefredakteur gefragt, ob er "Fischer mit einem Video gedroht" habe, das diesen beim Sex mit Prostituierten zeigt: "Gehört das zu Ihrer Recherche?" wollte der Spiegel wissen. Zudem werteten die Hamburger den Fall als Beispiel dafür, wie "tief die Bild-Zeitung im Privaten und Intimen von Prominenten wühlt". Beide Fragen implizierten eine klare Position des Spiegel.

Tatsächlich hat der ehemalige Bild-Mitarbeiter beste Chancen, dass das Urteil des Amtsgerichts vom Landgericht kassiert wird. So ließen laut AFP die Richter bereits erkennen, dass sie den Journalisten wohl freisprechen. Eine Entscheidung konnte das Gericht allerdings noch nicht fällen. Weil der Verkäufer des Videos nicht als Zeuge erschien, wurde der Berufungsprozess auf den 28. März vertagt. Dann soll auch Fischer, der in dem Verfahren als Nebenkläger auftritt, vernommen werden.

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