Papier-Poker: Springer erhöht Druck

Die Axel Springer AG führt mit dem russischen Papierhersteller Solikamskbumprom Gespräche über langfristige Abnahmevereinbarungen und würde damit den Bau einer neuen Papierfabrik unterstützen. Das berichtet das Handelsblatt. Das Investment soll bis zu 450 Millionen Euro kosten und würde bis zu 350.000 Tonnen Papier produzieren. Zuspruch findet das Vorhaben auch von der WAZ- und der Ippen-Gruppe, die gegen das Oligopol der skandinavischen Papierhersteller ein Zeichen zu setzen.

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Den Papier-Markt beherrschen derzeit die Firmen Holmen aus Schweden, Norske Skog aus Norwegen und UPM Kymmene sowie Stora Enso aus Finnland. Seit Ende 2010 will die Industrie eine Preissteigerung von 25 Prozent durchsetzen, wonach eine Tonne Papier über 500 Euro kosten würde. Derzeit lassen steigende Nachfragen aus der Türkei, Indien und China den Preis weiter in die Höhe schnellen und den Bestand verknappen.
"Jeder weiterer Papierhersteller macht für uns Sinn", sagte Dirk Ippen."Wir haben den Eindruck, dass es bei der Preisfeststellung ausgesprochen große Einigkeit gibt." Die Skandinavier hätten nach Ansicht der Verlage in den vergangene Jahren die Produktion systematisch zurückgefahren. Weil der Verbrauch von 10,4 auf 7,6 Millionen Tonnen sank, fuhren die Fabriken die Herstellung runter und übernahmen kleinere Konkurrenten. "Durch die Schaffung neuer Kapazitäten in Russland würde dieses Problem dauerhaft gelöst", sagt WAZ-Chef Bodo Hombach.
Jedoch nicht von heute auf morgen: Der Bau einer neuen Fabrik würde zwei Jahre dauern. Derzeit befinden sich die Verlage mit den skandinavischen Papierkonzernen in Verhandlungen über die Preiserhöhungen. "Wir sind unter Druck. Unsere Lagerbestände reichen nur für wenige Tag", sagt Ippen. Doch Norske Skog-Chef Sven Ombudstvedt deutete bereits Unnachgiebigkeit an: Eine Erhöhung von rund 15 Prozent sei im Verhältnis zu den Kosten zu gering.
Bereits im vergangenen Jahr litten die Print-Renditen der Medienhäuser unter den gestiegen Preisen. Springer konnte diese nur dank seines starken Digital-Geschäftes ausgleichen.

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