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Endemol plagen akute Geldsorgen

Laut einem Bericht des Guardian plagen den internationalen TV-Produzenten Endemol akute Geldsorgen. Er hat offenbar Gläubiger informiert, dass die Firma bis Ende des Jahres ihren finanziellen Verpflichtungen nicht länger nachkommen kann. Endemol gehört einem illustren Konsortium aus Firmen Silvio Berlusconis, der US-Bank Goldman Sachs und der Investmentfirma Cyrte. Endemol produziert weltweit TV-Show wie “Big Brother” oder “Deal or no Deal”.

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Im Jahr 2007 hat das Trio Berlusconi, Goldman Sachs und Cyrte (damals noch im Besitz von Endemol-Gründer John de Mol) die TV-Produktionsfirma vom spanischen Telefonriesen Telefónica für rund 3,4 Mrd. Euro gekauft. 25 Prozent von Endemol waren von Telefónica zuvor an die Börse gebracht worden. Finanziert wurde der Kauf, wie üblich vor dem Ausbruch der Finanzkrise, größtenteils über Schulden. Rund 2,2 Mrd. Euro wurden aufgenommen. Damals sah das aus wie wie eine gute Idee. Immerhin hatte Telefònica zu Zeiten der Dotcom-Blase 5,5 Mrd. Euro für Endemol bezahlt und eine Finanzierung über Schulden schien sich wie von selbst zu tragen. Dachte man.

Mittlerweile sind die Endemol-Eigentümer in der Realität der Nach-Finanzkrise angekommen. Laut dem Bericht des Guardian wurde die Investition in Endemol von der Berlusconi-Firma Telecinco mittlerweile komplett abgeschrieben. Der Bunga-Bunga-Tycoon hat so rund 1,4 Mrd. Euro Bargeld in Endemol versenkt.

2010 hat Endemol einen Umsatz von etwas über 1,2 Mrd. Euro gemacht, ungefähr genauso viel, wie zum Zeitpunkt des Übernahme-Deals in 2007. Die Gewinne seien seitdem aber beständig gesunken, schreibt der Guardian. 2007 wurden noch 230 Mio. Euro Gewinn erwirtschaftet, für 2011 erwartet Endemol laut der Warnung an die Investoren nur noch 140 Mio. Euro Gewinn. Endemol ist operativ zwar profitabel. Aber nicht profitabel genug, um jemals seine Schulden begleichen zu können.

Mit solchen Zahlen hat Endemol, keine realistische Chance, jemals die über 2 Mrd. an Krediten zurückzuzahlen, die für die Finanzierung des Kaufs 2007 aufgenommen wurden. Zweifel daran, dass der TV-Produzent mit den Schulden zurechtkommt, gab es bereits 2009. Nun wird der Schulden-Druck aber offenbar richtig akut. Rund die Hälfte der Schulden gehört den drei Eigentümern Goldman Sachs, Berlusconi und der Finanzfirma Cyrte, die John de Mol mittlerweile an den Versicherungskonzern Aviva weiterverkauft hat, selbst. Der Rest verteilt sich auf Banken (Barclays Capital, The Royal Bank of Scotland) und zunehmend auf Hedge Fonds, die fleißig freie Anteile aufkaufen.

Laut dem Guardian-Bericht gibt es für Endemol nun vor allem zwei Perspektiven: Entweder die Investoren, also auch die aktuellen Eigentümer, verzichten auf viel Geld oder es kommt zu einer Zerschlagung von Endemol, worauf die Hedge Fonds drängen könnten. Die Auswirkungen der Finanzblase holen den TV Produzenten Endemol, nach Fremantle immerhin der zweitgrößte der Welt, in diesem Jahr womöglich mit einiger Verspätung ein.

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