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Zeit keult Probeabos mit Japan-Katastrophe

Die Redaktion von Zeit Online macht bei der Berichterstattung zur Atom-Katastrophe in Japan einen sehr guten Job. Online und via Twitter informiert die Redaktion umfassend und aktuell über die Ereignisse. Die Print-Ausgabe zieht ihren Erscheinungstag sogar vom Donnerstag auf den Mittwoch vor. Die Vertriebs- und Marketingstrategen der Wochenzeitung nutzen das Interesse an der Atom-Katastrophe auf ihre Art - für marktschreierische Abowerbung.

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Die Redaktion von Zeit Online macht bei der Berichterstattung zur Atom-Katastrophe in Japan einen sehr guten Job. Online und via Twitter informiert die Redaktion umfassend und aktuell über die Ereignisse. Die Print-Ausgabe zieht ihren Erscheinungstag sogar vom Donnerstag auf den Mittwoch vor. Die Vertriebs- und Marketingstrategen der Wochenzeitung nutzen das Interesse an der Atom-Katastrophe auf ihre Art – für marktschreierische Abowerbung.

Via E-Mail verschickte die Zeit am Montagabend E-Mails mit einer der üblichen Umfragen, die in Wahrheit nur verdeckte Abo-Werbung sind. Diesmal abgeschmackterweise sogar als “Blitzumfrage zur Atomkatastrophe” bezeichnet. “Nehmen Sie anlässlich der Katastrophe in Japan Stellung zur aktuellen Diskussion, und beantworten Sie dazu 4 Fragen. Als Dankeschön möchte DIE ZEIT Sie in den kommenden 3 Wochen kostenlos mit Analysen und Hintergrundberichten über die Ereignisse in Japan und ihre Auswirkungen informieren”, heißt es in der Mail. Im Klartext: Die Zeit nutzt das riesige Interesse der Bevölkerung an den schrecklichen Ereignissen in Japan, um für ein paar Probeabos zu werben. Das “Dankeschön” verwandelt sich nach drei Wochen nämlich in ein zu bezahlendes Voll-Abo, wenn man keinen Widerspruch einlegt.

Die Umfrage ist natürlich eine jener Pseudo-Umfragen, wie sie von zahlreichen Medienhäusern mittlerweile gerne verschickt werden, weil die “Response-Raten” so traumhaft sind. Anders gesprochen: Weil eben viele Leute darauf hereinfallen. Die Fragen der “Blitzumfrage zur Atomkatastrophe” sind bezeichnend schlichter Natur. “Ist der Atomausstieg jetzt dringender denn je?”, will man wissen. Antwortmöglichkeiten: Ja oder nein. In diesem Stil sind alle vier Fragen gehalten.

Natürlich werden die Ergebnisse dieser 08/15-Umfrage mit einem Erkenntniswert gegen Null nicht Eingang in die Berichterstattung der Zeit finden. Auf Wunsch kann man sich die Ergebnisse mit einem Werbe-Newsletter zuschicken lassen. Verlage dürfen natürlich Abo-Werbung machen, und natürlich dürfen sie auch Umfragen versenden. Allerdings werden die Leser mit solch penetranten, als Umfrage verkleideten Werbe-Aktionen für dumm verkauft. Zum intellektuellen Image und hohen Qualitäts-Anspruch, den gerade ein Medium wie die Zeit so gerne pflegt, wollen solche marktschreierischen und im Fall Japan auch geschmacklosen Aktionen aber nicht passen.
Update: Die Zeit hat die Umfrage zur Atomkatastrophe zum Zwecke der Abowerbung mittlerweile gestoppt. Hier eine Stellungnahme des Verlages: "Die Tonalität der Umfrage in dieser Woche ist in der Tat sehr unsensibel gewählt. Wir sind ebenfalls bestürzt über die dramatischen Ereignisse in Japan. Wir haben die Koppelung der Umfrage an ein Aboangebot heute Morgen direkt gestoppt. Bei den Empfängern des Mailings möchten wir uns entschuldigen. Es war nicht unsere Absicht, Gefühle zu verletzen."

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