Welches Land-Heft macht die meiste Lust?

Der Erfolg des Magazins Landlust ist nach wie vor phänomenal und stellt Zeitschriftenmacher vor ein Rätsel. Und das mit abseitigen Themen wie Mecklenburger Waldglas. Wir haben uns die aktuelle Landlust-Ausgabe genau angeschaut und mit den zahlreichen Nachahmern am Markt verglichen. Ergebnis: Die Landlust ist so erfolgreich, weil sie viele journalistische Grundsätze und Gepflogenheiten schlicht und ergreifend links liegen lässt.

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Wenn man sich auf die Spurensuche zum Erfolgsgeheimnis der Landlust begibt, dann beginnt die Suche am Point of Sale, dem Kiosk. Bewaffnet mit einem Stapel Land-Magazine wird zur Kasse marschiert, der dicke Packen (sieben Magazine) auf die Theke geknallt. Spontane Reaktion der Kassiererin: “Das sind die tollsten Magazine, die es gibt.” Landlust-Fans in freier Wildbahn. Die Landlust hat mittlerweile ein Sub-Genre bei den Wohn- und Gartenzeitschriften begründet. Die Landlust verkaufte im vierten Quartal 2010 laut IVW 794.246 Exemplare, ihre beiden IVW-gemeldeten Nachahmer LandIdee (WAZ Gruppe) und Mein schönes Land (Burda) kamen auf 178.657 und 192.417 verkaufte Exemplare. Das macht zusammen schon 1,17 Mio. verkaufter Hefte. Dazu kommen noch die nicht IVW-gemeldeten Magazine Liebes Land, LandLeben, LandGenuss und Hörzu Heimat. Quasi aus dem Nichts entstand so ein Zeitschriften-Markt mit mindestens 1,5 Mio. hart verkaufter Hefte. Die Macher von LandIdee und Mein schönes Land sind mit ihren Auflagen gewiss zufrieden – 170.000 hart verkaufte Hefte sind kein Pappenstiel. Das Original Landlust spielt aber weiter in einer eigenen Liga. Warum ist das so? Warum schaffen es Großverlage mit all ihrer verlegerischen Erfahrung und journalistischen Professionalität nicht, der Landlust das Wasser abzugraben? Begeben wir uns auf eine Spurensuche.

Landlust

Schon das Editorial sagt einiges über die Landlust aus. Da lehnt Chefredakteurin Ute Frieling-Huchzermeyer in einem Trachtenjäckchen an einem soliden Baumstamm. Im Text geht es ein bisschen wolkig-besinnlich zu. Fast wirkt das Editorial wie ein verhindertes Gedicht. Zitat:  “Männer sehen das oft anders: Tadellos muss ein grüner Teppich für sie sein, mit dichtem Flor in Saftiggrün. Moos und Maulwurfshaufen? Ein Graus!” Dem Unkundigen sei verraten: Es geht um Rasen. Die Rubriken der Landlust sind unprätentiös: Im Garten, In der Küche, Ländlich wohnen, Landleben, Natur erleben. Damit sind die inhaltlichen Eckpfeiler des Magazins gut umrissen. Es geht sehr viel um den Garten und Gartenpflege, es geht um Rezepte und Gasthäuser, um Möbel und andere Einrichtungsgegenstände und auch um Produkte. Es gibt da einen inhaltlichen Dreiklang bei der Landlust: Natur, Produkte, Kultur. Unter Natur fällt der ganze Gartenteil mit anschaulichen Wie-geht-das-Berichten und Kolumnen. Da wird auch ein scheinbar banales Thema wie “Rasen einsäen” mit einer Bilderstrecke ernsthaft behandelt. Es gibt aber auch große und großzügige Fotostrecken mit Frühlingsblumen und Anleitungen (Tipps wäre eine zu simple Umschreibung) für die Gartengestaltung mit detaillierten Zeichnungen.

Produkte finden sich in der Landlust in zahlreichen Texten, in denen besondere handwerklich orientierte Betriebe oder besondere Geschäfte beschrieben und vorgestellt werden. Im aktuellen Heft  sind das u.a. eine Hemdenmanufaktur oder ein Bericht über Mecklenburger Waldglas. Typisch Landlust: Menschen tauchen stets nur am Rande auf. Die Produkte, die Natur oder Tiere stehen im Vordergrund. Das Aufmacherfoto der Waldglas-Story zeigt zwei große Glasflaschen. Der freundliche Herr vom Glasmuseum taucht erst weiter hinten im Bild auf und auch dann nur klein. Das gleiche bei dem Bericht über eine Gartenzwergmanufaktur. Immer ganz groß im Bild: Gartenzwerge. Die Wiesen-Wichtel sind die Stars des Artikel, nicht ihr Macher. Abgesehen davon würde ein Redakteur in einem “normalen” Verlag das Thema Gartenzwerge wahrscheinlich gar nicht durchbekommen: zu spießig, zu langweilig. Die Landlust packt solche Themen mit dem ihr eigenen Ernst und großer Detailversessenheit an. “Gartenzwerge erregen mitunter die Gemüter. Sie sind eben nicht jedermanns Sache. Müssen sie auch nicht, aber ein Blick in ihre Kulturgeschichte, die länger ist als man vermuten könnte, lohnt sich.” So wird das Thema in der Landlust eingeführt und tatsächlich ist es am Ende interessanter, als man dachte.

Auch Leser kommen in der Landlust zum Zuge. Einer hat einen tatsächlich lesenswerten Erfahrungsbericht über einen Rasenmäher-Roboter veröffentlicht, eine Bilderstrecke über ungewöhnliche Schlafzimmer basiert ganz und gar auf Leser-Einsendungen. Offensichtlich identifizieren sich die Leser mit ihrer Landlust. Auf ganz natürliche und ungewollte Art ist hier eine Leser-Blatt-Bindung zu besichtigen, die ihresgleichen sucht. In Management-Sprech würde man das wahrscheinlich Community nennen.

Noch ein Beispiel dafür wie die Landlust-Community funktioniert: Die Landlust brachte in der Herbstausgabe 2009 einen Artikel über den Trödelladen Seifen Reinhardt in Heilbronn. Der Betreiber konnte anschließend über einen nicht abreißenden Strom an Kundschaft berichten, die nur über den Landlust-Artikel in sein Geschäft strömten. Teilweise reisten Kunden aus Hamburg oder anderen entfernten Regionen an und buchten eine Übernachtung in Heilbronn, nur um den in der Landlust besprochenen Laden zu besichtigen. Auch heute noch hat Seifen-Reinhardt den Verweis auf den Landlust-Artikel prominent auf seiner Homepage platziert. Die Landlust wirkt.

Steckbrief Landlust

Verlag: Landwirtschaftsverlag Münster
Claim: “Die schönsten Seiten des Landlebens”
Chefredakteurin: Ute Frieling-Huchzermeyer
Erscheinungsweise: zweimonatlich
Heftpreis: 3,80 Euro
Auflage (verkauft nach IVW 4/2010): 794.246
Seiten (Ausgabe März/April 2011): 212

Typischer Satz: “Die Tafel hängt auch heute noch am selben Ort in der Gaststube, über dem Apothekerschränkchen.”

LandIdee

Vom Original gehen wir zum offensichtlichsten Nachahmer des Landlust-Konzepts: der LandIdee aus dem Hause WAZ. Auch hier steht die Chefredakteurin im Editorial bei einem Baum. Die Rubriken heißen Landleben, Landapotheke, Landgarten, Landküche, Landhaus, Landkinder. Immer schön mit "Land", dass es auch der Schlichteste merkt, wo er hier gelandet ist. Im Vergleich zum Original sind hier die Apotheke und die Kinder dazugekommen.

Das Layout ist ein wenig kleinteiliger als bei der Landlust, es wirkt dabei durchaus aus einem Guss. Man könnte auch sagen: Das Layout ist professioneller. Eine große Doppelseite mit einem Eichelhäher in vollem Flug und drumherum sind Zahlen und Fakten zu dem Vogel gruppiert – das sieht toll aus in der LandIdee und ist ein ur-journalistisches Info-Format. Und eben deshalb sucht man es wahrscheinlich in der Original-Landlust vergeblich. Der inhaltliche Dreiklang aus Natur, Produkten und Kultur zieht sich auch durch die LandIdee. Es gibt einen Artikel übers Buttermachen, die “geheime Sprache der Pflanzen” wird entschlüsselt (typische Journalisten-Überschrift) und es gibt den Besuch bei einem Korbmacher. Korbmacher scheint ein Beruf zu sein, der die Macher der Landlust-Epigonen nachhaltig fasziniert. Gleich drei der aktuellen Ausgaben haben Korbmacher-Porträts im Blatt: LandIdee, Liebes Land und Hörzu Heimat.

Bei Landlust undenkbar: Beim Artikel über den Korbmacher zeigt die LandIdee den Redakteur im Gespräch mit dem Handwerker. Hier sollen vermutlich Nähe und Authentizität nach dem Motto “Wir waren wirklich vor Ort” vermittelt werden. Bei der Landlust würden sie das wahrscheinlich als aufdringlich empfinden. Im Original stellt sich die viel beschworene Authentizität nämlich von ganz alleine ein.

Generell sind die Stücke in der LandIdee kürzer als in der Landlust, es gibt mehr journalistische Stilformen. Doppelseiten wie “Ein Dutzend Dinge, die sie über Bodenpflege wissen sollten” mit den obligatorischen Fakten-Häppchen wären in der Landlust wohl fehl am Platze. Damit soll freilich nicht gesagt werden, dass LandIdee per se ein schlechtes Magazin ist – im Gegenteil. Das Heft sieht toll aus, die Texte sind mit Sorgfalt geschrieben, alles ist auf professionell hohem Niveau. So ist LandIdee aber auch das Heft, das dem Original in Aufmachung Anmutung am ähnlichsten ist. Das ist sicher kein Zufall. Die Strategen bei der WAZ haben zudem den Heftpreis knapp unterhalt der Landlust angesiedelt und den zweimonatigen Erscheinungsrhythmus schlau so gewählt, dass die LandIdee genau zwischen zwei Landlust-Ausgaben erscheint. Das offensichtliche Kalkül ist, dass der eine oder andere Landlust-Fan sich die Wartezeit auf sein Lieblings-Magazin so mit der LandIdee verkürzt.

Steckbrief LandIdee

Verlag: LandIdee Verlag GmbH (ein Joint Venture aus der WAZ-Tochter Gong Verlag und dem Christian Verlag)
Claim: “Land erleben und genießen”
Chefredakteurin: Sandra Schönbein
Erscheinungsweise: zweimonatlich
Heftpreis: 3,50 Euro
Auflage (verkauft nach IVW 4/2010): 178.657
Seiten (Ausgabe Februar/März 2011): 148

Typischer Satz: “Es war einmal – so könnte man die Geschichte der Gäulschesmacher durchaus beginnen.”

Mein Schönes Land

Hereinspaziert zur Burda-Variante des Landlust-Themas. Das Heft aus Burdas Zeitschriften-Fabrik in Offenburg heißt Mein schönes Land und liefert sich mit der LandIdee eine Art inoffiziellen Wettstreit um den zweiten Platz im Sub-Segment. Mit immer deutlichem Abstand zum Original, versteht sich. Mein schönes Land bemüht sich allerdings, im Gegensatz zur LandIdee, gestalterisch und inhaltlich um eine gewisse eigene Note. Schon das Inhaltsverzeichnis kommt deutlich moderner daher. Die Rubriken heißen hier Garten, Schönes & Kreatives, Rezepte, Wohnen & Haushalt, Gesund leben, Natur & Tiere, Land & Handwerk sowie Region & Heimat. Den penetranten Zusatz “Land” vor jeder Rubrik hat man sich geschenkt.

Inhaltlich setzt “Mein schönes Land den Akzent ein bisschen stärker auf Nutzwert. Das verwundert nicht, immerhin kommt das Heft aus dem Stall von Mein schöner Garten. Layout und Anmutung sind deutlich moderner als bei den anderen Land-Heften (Hörzu Heimat einmal ausgeklammert). Auch hier darf die Bauanleitung fürs Frühbeet nicht fehlen und der Salat wird auf dem Foto natürlich stilecht mit einem Opinel-Messer gestochen. Die Gartenpraxis nimmt einen deutlich breiteren Raum ein, als bei Landlust. Kulturgut, wie Volkslieder, und Naturbetrachtungen dürfen in einem echten Land-Magazin aber nicht fehlen und sind auch hier reichlich zu finden. Das Thema Ostern ist nutzwertig präsent und auch ein bisschen Populärwissen darf sein (Was ist ein Regenbogen?).

Bei Burda ist man so zufrieden mit dem Land-Thema, dass man noch ein weiteres Land-Magazin mit Meine Land-Küche heraus gebracht hat. Hier liegt der Fokus noch viel stärker auf dem Thema Kochen und traditionellen Rezepte. Meine Land-Küche hat mit dem Heft LandGenuss nun seinerseits wieder Konkurrenz bekommen, das sich ebenfalls aufs kulinarische Landleben spezialisiert hat (s.u.).

Steckbrief Mein schönes Land

Verlag: Burda Senator Verlag
Claim: “Gutes bewahren, Schönes entdecken”
Redaktionsdirektorin: Andrea Kögel
Erscheinungsweise: zweimonatlich
Heftpreis: 3,80 Euro
Auflage (verkauft nach IVW 4/2010): 192.417
Seiten Ausgabe März/April 2011: 148

Typischer Satz: “Vor der Aussaat mit einem Holzstab in jeweils zehn Zentimeter Abstand etwa ein Zentimeter tiefe Rillen in die Erde ziehen.”

Liebes Land

Liebes Land aus dem kleinen Stuttgarter Scholten Verlag war der erste Nachahmer der Landlust. Auch dieses Magazin ist im Wesentlichen ein lupenreiner Landlust-Klon mit Brauchtum, Naturbetrachtungen und Nutzwert. Layout und Foto-Qualität bleiben dabei allerdings deutlich hinter dem Original und den Heften aus den Großverlagen zurück. Vor allem das Layout wirkt oft unruhig und zerstückelt. Die Themenmischung setzt auf den bewährten Landlust-Mix. Da wird ein Buddelschipp-Bauer besucht, ein Hosenmacher, ein “Kistler” (macht Bauernmöbel) und der obligatorische Korbflechter. Wir lernen den Portulak-Salat kennen und bekommen Frühlingsblüten aus Papier gezeigt – freilich ohne dass beschrieben wird, wie diese gemacht werden.

Rezepte und Brauchtums-Artikel ("Altes Wissen") dürfen nicht fehlen. Liebes Land ist ein klassisches Me-too-Produkt im direkten Fahrwasser der Landlust, allerdings ohne deren Originalität und ohne die Professionalität der anderen Land-Hefte. Wäre Liebes Land als erstes Land Magazin auf den Markt gekommen, hätte man womöglich gestaunt. So bleibt es ein Land-Magazin unter vielen. Dabei ist Liebes Land erstaunlicherweise das einzige Land-Magazin, dass sich eine monatliche Erscheinungsweise zutraut. Und mit vier Euro ist es sogar teurer als die meisten anderen (besser gemachten) Hefte des Sub-Genres.

Steckbrief Liebes Land

Verlag: Hannes Scholten Verlag
Claim: “Die beste Art zu leben”
Chefredakteur: Hannes Scholten
Erscheinungsweise: monatlich
Heftpreis: 4 Euro
Auflage: nicht gemeldet
Seiten Ausgabe März 2011: 148

Typischer Satz: “Niemand will einen bekommen, aber besitzen will ihn jeder: einen Korb.”

LandGenuss

LandGenuss nimmt eine gewisse Sonderrolle im Vergleich der Land-Magazine ein. Es ist neben Burdas Meine Land-Küche ein Vertreter des neuen Sub-Sub-Genres der Land-Koch-Magazine. Hier wird eine klassische Koch-Zeitschrift mit den Stilmitteln und Inhalten eines Landlust-Magazins gekreuzt. Wobei Landlust und Co. auch immer Rezepte und Koch-Themen als festen Bestandteil haben.

Das Wort “Genuss” spielt eine ganz große Rolle beim Landgenuss – wie könnte es auch anders sein. Schon im Editorial fordert Chefredakteurin Hanna Kirstein auf, man solle den Genuss schmecken und bitteschön mit allen Sinnen genießen. “Genießen ist eine Kunst”, wird dann ein Zitat des französischen Dichters La Rochefoucauld bemüht und die Phrase “Genuss pur” folgt sogleich. Eine der Rubriken des Heftes heißt dann auch “Genuss-Service”. Keine Frage – bei LandGenuss wird einem der “Genuss” ein bisschen zu sehr mit dem Holzhammer eingebleut, als das man das als Leser wirklich genießen könnte (Pardon).

Vorne im Heft gibt es einen Rezeptefinder, wie man ihn beispielsweise auch von Titeln wie Lecker her kennt, Saisonales wird groß geschrieben und ansonsten gibt es Rezepte, Rezepte, Rezepte – es ist ja am Ende des Tages immer noch ein Koch-Magazin. Seiten wie die “Kräuterkunde” oder “10 nützliche Tipps zur Kräuter-Aussaat” liefern die journalistisch einwandfrei aufbereiteten, aber inhaltlich eher belanglosen Fakten-Einsprengsel. Zu allem Überfluss verschont uns das Heft dann auch nicht mit einem Interview mit Medienkoch Horst Lichter. Damit wäre dann die berühmte Authentizität erst einmal perdu.

Es gibt aber auch Inhalte, die über das Kochen hinaus gehen. Ein Brennereidorf in Tirol wird besucht und das “Wanderparadies Bergische Schweiz” vorgestellt. Die Tourismus-Marke “Naturarena Bergisches Land” wird dabei freilich ein wenig arg in den Vordergrund gerückt. auch hier gibt es die Bauanleitung fürs Frühbeet – allein den Besuch beim Korbmacher haben wir vermisst.

Steckbrief LandGenuss

Verlag: FalkeMedia
Claim: “Natürlich, gastlich & voller Liebe kochen”
Chefredakteurin: Hanna Kirstein
Erscheinungsweise: zweimonatlich
Heftpreis: 4,80 Euro
Auflage: nicht gemeldet
Seiten (Ausgabe März/April 2011): 132

Typischer Satz: “Das Königsgemüse Spargel ist ab April wieder in aller Munde, kein Wunder, schmeckt es doch frisch am besten.”

LandLeben

LandLeben stammt aus dem Verlag, der auch die deutsche Ausgabe von Homes & Gardens verlegt und das merkt man. Während die meisten anderen Landlust-Magazine das Regionale betonen und oft das Wort “Land” auch in den Rubrikennamen führen, heißen die Rubriken bei LandLeben so: Reisen & Genießen, Wohnen & Leben, Mensch & Natur, Mode & Trends, Küche & Gastlichkeit. Das klingt nicht nur leblos und austauschbar, das ist es auch.

Das glänzigste Cover im Sub-Segment kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier die dünnsten Inhalte geboten werden. Das fängt schon damit an, dass es hier kein persönliches Editorial gibt. Im Heft selbst wird dann u.a. ein Landhaus in England gezeigt, ein Paar bringt eine Farm in Wales auf Vordermann und wir sehen ein hübsches Haus auf den Hamptons, Amerikas Promi-Insel, die New York vorgelagert ist. Es geht einfach zu international zu für ein Heft, das sich LandLeben vorne aufs Cover draufgeschrieben hat.

Statt einen Handwerksbetrieb im Odenwald wird hier ein Bericht über die Amish-People in den USA gebracht. Man hat den Verdacht, dass hier so Einiges aus internationalen Ausgaben übernommen wurde und man das Ganze dann unter dem Land-Label neu zu verpacken versucht hat. Die in Steckbriefen kurz vorgestellten Landhotels kommen ein bisschen zu sehr PR-mäßig rüber und Formate wie die zehn überflüssigen “Fragen zum Landleben“  ("Wie viele Beine hat ein Tausendfüssler wirklich?" Antwort: Man weiß es nicht genau…) würde Frau Frieling-Huchzermeyer von der Landlust vermutlich nicht mal mit der Kneifzange anfassen. Noch dazu ist LandLeben mit fünf Euro Verkaufspreis das teuerste Magazin, das auf der aktuellen Land-Welle mitschwimmen will.

Steckbrief LandLeben

Verlag: ipm Magazin Verlag
Claim: “Lebensstil mit Liebe zur Natur”
Redaktionsdirektor: Richard Kerler
Erscheinungsweise: zweimonatlich
Heftpreis: 5 Euro
Auflage: nicht gemeldet
Seiten (Ausgabe März/April 2011): 115

Typischer Satz: “Das in der Nähe von Haslemere gelegene Anwesen sieht aus, als wäre es einem Prospekt des Tourismusverbandes entnommen und ist ein Motiv, das von Fremden gerne fotografiert wird.”

Hörzu Heimat

Auch bei Axel Springer versucht man, ein Stück vom Landlust-Boom abzubekommen und hat Hörzu Heimat ins Rennen geschickt. Das Magazin hat einen etwas weiter gefassten Schwerpunkt als die anderen Land-Magazine – immerhin segelt das Heft auch unter der Hörzu-Flagge.

Hörzu Heimat hinterlässt ein zwiespältiges Gefühl. Das Magazin ist das wahrscheinlich am professionellsten gemachte Magazin der Land-Titel, aber Professionalität ist in diesem Sub-Genre eben gerade nicht der alles entscheidende Faktor. Im Editorial grüßt Springers TV-Multi-Chefredakteur Christian Hellmann als Verantwortlicher. Dass ausgerechnet der versierte und mit allen Wassern gewaschene Magazin-Macher Hellmann im Vorwort von der “üppigen Blütenpracht mit ihrem herrlichen Duft” schwärmt, bei der “wohl jedem von uns das Herz hüpft” wirkt nicht so ganz glaubwürdig. Ob Herr Hellmann in seiner Freizeit wirklich auf Wiesen an einem Blümelein schnuppert – wir haben da unsere Zweifel.

Aber schnell wieder weg mit diesen schlimmen Vorurteilen und rein ins Heft. Da gibt es wenig zu meckern. Layout und Texte sind auf durchweg sehr hohem Profi-Niveau. Die Themenmischung balanciert geschickt zwischen traditionell und gerade wieder modern. Und auch hier grüßt der allgegenwärtige Korbmacher. Bei Hörzu Heimat wird ein gewisser Horst Pfetzing als “der letzte Korbmacher Hessens” verkauft. Komisch, die LandIdee hat nämlich auch einen Korbmacher in Hessen besucht – aber Schwamm drüber.

Vorne im Heft dürfen Normalos und Prominente (hier Roncalli-Macher Bernhard Paul) sagen, was sie unter “Heimat” verstehen. Die Redaktion besucht Obstbauern und Imker und setzt sich dabei gerne auch mal selbst ins Bild. Als Region wird, nicht sonderlich originell aber immer gerne genommen, der Schwarzwald vorgestellt. Die Region zwischen Baden-Baden und Freiburg taugt ganz gut als Klammer zwischen traditionellem und modernen Heimatbegriff. Es gibt zudem einige wirklich nette Rubriken wie “Wortschätze", bei der aktuell diverse regionale Worte für Topf vorgestellt werden, u.a. Düppen, Deppen oder Haffen.

Außen drauf klebt, ein Profi-Produkt durch und durch, ein Booklet mit  “50 Tipps für ein grünes Paradies”. Drin stehen die üblichen Pseudo-Nutzwert-Tipps, mit eher schmaler Alltags-Tauglichkeit. Hörzu Heimat ist eine schöne Zeitschrift, an der es handwerklich nichts auszusetzen gibt. Hier werden journalistische Tugenden hochgehalten, es wird personalisiert und es gibt Nutzwert satt (auch wenn er manchmal nur ein bisschen vorgegaukelt wird, wie in dem Booklet). Aber gerade dieses hohe Maß an Professionalität, könnte dafür sorgen, dass Hörzu Heimat bei der angepeilten Leserschaft nicht so gut ankommt, wie das Original.

Steckbrief Hörzu Heimat

Verlag: Axel Springer AG
Claim: “Land und Leute in Deutschland”
Chefredakteur: Christian Hellmann
Erscheinungsweise: zweimonatlich
Heftpreis: 3,50 Euro
Auflage: nicht gemeldet
Seiten Ausgabe März/April 2011: 124

Typischer Satz: “Dircks streicht über ‘Schlappohrs’ raspelkurzes Kräuselfell: ‘Wahrscheinlich kam es als Erstes zur Welt, es ist trockener als seine Geschwister.”

Landspiegel

Der Landspiegel hat sich genau wie die Landidee im zweimonatlichen Erscheinungsrhythmus die Lücke zwischen zwei Landlust-Ausgaben gesucht. Das Heft versucht, die Inhaltsstoffe eines typischen Land-Magazins mit ein wenig Nachhaltigkeit und Öko-Themen zu mischen. Ein kleines bisschen Promi-Flair darf dann auch mit dabei sein. Leider fügen sich die Teile, die hier zusammengezimmert werden, nicht zu einem harmonischen Ganzen.

Das liegt nicht unwesentlich auch an handwerklichen Defiziten. Layout und Textqualität des Landspiegel bleiben hinter den Top-Produkten des Land-Sub-Segments zurück. Das Layout wirkt wie Stückwerk, Bildauswahl und Bildqualität sind oft nicht optimal. Besonders die Promistrecke wirkt aufgesetzt. Der Besuch des Thüringer Holzlandes mit dem abgehalfterten Sänger Gunther Emmerlich ist nicht nur wegen der grobkörnigen und unscharfen Fotos keine Zierde. Auch der Text ist eher einfallslos bis schmalzig geraten. Kostprobe: “’Mensch Gunther, ich habe dich doch gerade erst im Fernsehen gesehen‘, erzählt die Fleischerfrau. Schnell schmiert sie eine dicke Schicht frischer Leberwurst auf ein Brötchen.” Das wirkt eher unfreiwillig komisch.

Dass das Thema Nachhaltigkeit verfolgt wird, ist generell zu begrüßen. Hier wirkt es aber zu oft leider nur oberflächlich; zum Beispiel wenn auf einer Seite urplötzlich “BioFood-Trends” scheinbar wahllos zusammengewürftelt werden. Es geht dann u.a. noch um einen Bio-Bier-Brauer, den gefährdeten Polarfuchs und ein Text über Grundeinkommen steht auch etwas verloren in der Gegend herum und wird als “Dossier” bezeichnet. Zur wilden Mischung gehören dann noch Modestrecken, ein bisschen Wellness-Geschwafel und sogar ein Kreuzworträtsel. Der “Landspiegel” will offenbar sehr Vieles sein und ist dabei nichts wirklich richtig.

Steckbrief Landspiegel

Verlag: Fooxx GmbH
Claim: “Natürlich leben und genießen”
Chefredakteurin: Jana Schütze
Erscheinungsweise: zweimonatlich
Heftpreis: 3,90 Euro
Auflage: nicht gemeldet
Seiten Ausgabe Februar/März 2011: 140

Typischer Satz: “Aber auch seine Schönheit wurde dem Polarfuchs zum Verhängnis.”

Land & Berge

Der kleine Baden-Badener Verlag Sammet hat mit Land & Berge noch einen respektablen Landlust-Klon auf den Makrt gebracht. Hier wird das Land-Magazin mit einem Berge- und Wandermagazin gekreuzt und diese Mischung funktioniert recht gut. Auch hier gibt es Brauchtum (der schon fast obligatorische Besuch beim Korbflechter darf nicht fehlen!) aber auch vieles, das mit Natur und Kultur im alpenländischen Raum zusammenhängt. Ein Bericht über den bayerischen Märchenkönig Ludwig II. etwa, die Fastnacht in Basel oder ein Report über eine Ärztin aus dem Hunsrück, die den Sommer als Sennerin in den Bergen verbringt. Rezepte usw. gibt es auch. Aufmachung und Layout sind modern und professionell, wenn auch manchmal ein wenig sehr verspielt und verschnörkelt. Das Rad wird hier war auch nicht neu erfunden und Manches ist auch ein wenig arg werblich geraten – aber Land & Berge ist zumindest eine halbwegs originelle Bereicherung des sich noch ständig erweiternden Genres der Land-Magazine.

Steckbrief Land & Berge

Verlag: Sammet Media GmbH
Claim: “Die schönste Art, die Natur zu erleben”
Chefredakteur: Siegfried Sammet
Erscheinungsweise: zweimonatlich
Heftpreis: 3,90 Euro
Auflage: nicht gemeldet
Seiten (Ausgabe März/April 2011): 132

Typischer Satz: “Die einzigartige Hüttensiedlung besteht aus 28 Almhütten, Jagdhäusern und Chalets, die getreu dem Dorfnamen in traditioneller Bauweise errichtet sind.”

Fazit

Wie lautet also das Fazit unserer Entdeckungsreise in die Welt der Landlust-Magazine? Vor lauter blühenden Krokussen, süßen Lämmchen, glücklichen Kühen, Frühbeeten und fleißigen Korbflechtern ist uns schon ganz schwummrig geworden. Klar, das Original ist unerreicht. Aber es zeigt sich, dass es gerade die vermeintlichen Schwächen der Landlust sind, die sie so stark machen. Die Landlust bringt ohne mit der Wimper zu zucken vermeintlich "langweilige" lange Strecken zum Oderbruch oder einen mehrseitigen Bericht zum Dom in Naumburg – ganz ohne Menschen. Auf keinem einzigen Foto ist eine Person zu sehen und im Text taucht auch kein Mensch auf – stattdessen Steine pur. In einer “normalen” Redaktion würde einem so ein Text vermutlich um die Ohren gehauen werden. Da muss mehr Emotion rein, mehr Menschlichkeit etc., würde es heißen. Genauso ist es mit dem Nutzwert. Die Landlust-Leute interessieren sich offenbar wirklich für das, was sie da tun und worüber sie schreiben. Der Nutzwert ergibt sich dann ganz von alleine und muss nicht via Booklet oder einer fadenscheinigen “12 Tipps für Irgendwas”-Doppelseite ins Blatt gehoben werden. Die Landlust erinnert, was ihren Stil angeht, ein bisschen an das Computermagazin c’t. Auch die wirkt sperrig, verweigert sich Spielereien und setzte ganz und gar auf die Sache. Dort sind es Computer und die IT-Branche, hier ist es das Landleben und alle, die sich dafür interessieren. Die Landlust wird von Leuten gemacht, die die Inhalte ihrer Zeitschriften leben. Der Rest kommt mehr oder weniger von alleine. So etwas nennt man innere Einstellung. Und die lässt sich nicht kopieren.

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