Die Erklärer der Japan-Katastrophe

Bei einer Katastrophe wie dem Atom-Desaster in Japan schlägt im TV die Stunde der Experten. Die zahlreichen Sondersendungen vor allem von ARD und ZDF haben einen kaum zu stillenden Bedarf an Wissenschaftlern, die die Vorgänge erklären. Vor allem zwei Experten sind viel gefragt und machen einen herausragenden Job: Der ARD-Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar und der anerkannte Atomkritiker Michael Sailer vom Darmstädter Öko-Institut.

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Vor allem Sailer ist für den deutschen Durchschnitts-TV-Zuschauer als Experte in "Tagesschau" und "heute journal" eine eher ungewohnte Erscheinung. Da ist ein massiger Mann mit langen grauen Haare, Musketier-Bart und brummigem Bariton. In klaren und deutlichen Sätzen erklärt er die Atom-Katastrophe in Japan ohne etwas zu beschönigen, aber auch ohne etwas aufzubauschen. Tatsächlich ist Sailer einer der profiliertesten Atomexperten des Landes und auch einer der vehementesten Kritiker der Nukleartechnik. Er ist Mitglied der deutschen Reaktorsicherheitskommission und arbeitet in einer wissenschaftlichen Kommission der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM).

Seine Auftritte als Experte haben aber so gar nichts von Ideologie, weltanschaulichen Scheuklappen oder weltfremden Technik-Kauderwelsch. Er antwortet stets verständlich auf Fragen und scheut sich auch nicht vor unbequemen Schlussfolgerungen. Eine Frage, die Sailer immer wieder gestellt wird, egal ob in der "Tagesschau", im "ARD-Brennpunkt", im "heute journal", bei N24 oder im Deutschlandfunk (und noch weiteren Medien) lautet: “Könnte so etwas wie in Japan auch in Deutschland passieren?” Sailer antwortet stets mit stoischer Ruhe: Die Reaktoren in Japan und Deutschland haben die gleiche Bauweise. Wenn in einem deutschen Reaktor die Strom- und Notstromsysteme aus welchem Grund auch immer ausfallen würden, würde sich exakt das gleiche Szenario abspielen.

Solche sachlich vorgetragenen Schlussfolgerungen bleiben nicht ohne Wirkung auf den Zuschauer. Der andere Experte im Dauereinsatz in diesen Tagen ist Ranga Yogeshwar. Man neigt manchmal dazu, zu vergessen, dass Yogeshwar fachlich mehr drauf hat, als mit seiner Mini-Show “Wissen vor 8” den lustige Wissens-Onkel von der "Tagesschau" zu geben. Der studierte Physiker Yogeshwar erklärt nun ebenfalls im Dauereinsatz bei "Anne Will", bei Phoenix und "ARD-Brennpunkten" gebetsmühlenartig, dass in Japan eben noch kein Super-GAU wie in Tschernobyl vorliegt, dass es aber noch dazu kommen kann.

Dabei scheut sich Yogeshwar auch nicht, im "ARD-Brennpunkt" den Vorgang einer Kernschmelze mit Textmarker und Wasserglas hantierend zu erläutern. Das wirkt zwar ein bisschen wie bei der "Sendung mit der Maus", aber als Zuschauer kapiert man mehr als bei manch aufwändiger Infografik aus dem Redaktionscomputer.

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