Anzeige

Schnapszahl: RTL macht 1,111 Mrd. Gewinn

Was am Tag nach Aschermittwoch numerisch wie ein verspäteter Karnevalsscherz anmuten könnte, ist tatsächlich das beste Ergebnis, das die erfolgsverwöhnte RTL-Familie je eingefahren hat: Mit einem Vorsteuergewinn von 1,111 Milliarden Euro übertrifft die Sender-Gruppe 2010 ihren bisherigen Rekord aus dem Jahr 2008 gleich um 195 Millionen Euro, gegenüber dem Vorjahr kletterte das EBITA um 39,6 Prozent. Auch der Umsatz stieg um 8,4 Prozent, die Rendite liegt bei 19,9 Prozent.

Anzeige

Diese Zahlen gab der Konzern am Donnerstagmorgen bekannt. Zu verdanken ist das Ergebnis vor allem dem wieder erstarkten Deutschland-Geschäft, das rund die Hälfte zum Ertrag beisteuert. Aber auch die anderen europäischen RTL-Sender präsentieren sich erholt. Ausnahme bleibt lediglich Griechenland, das erneut mit hohem Verlust abschnitt. Dennoch ist die Gesamtbilanz mehr als beeindruckend: Gegenüber 2009 konnte der Nettogewinn der RTL-Aktionäre von 205 auf 611 Millionen Euro nahezu verdreifacht werden. Die vom Management vorgeschlagene Dividende je Aktie steigt von 3,50 Euro (2009) auf nun 5 Euro.
Am Vormittag werden die Sender-Verantwortlichen im Rahmen eines Conference Calls über die Ursachen des am Ende auch für Insider überraschenden Booms im vergangenen Jahr informieren. Wie zu hören ist, wird das geradezu phantastische Abschneiden im Wesentlichen auf zwei Ursachen reduziert: Zum einen sei der Werbemarkt nach dem Einbruch 2008 / 2009 in einer nicht zu erwartenden Form "zurückgekommen", zum anderen habe sich die enorme Kostendisziplin aller Units ausgezahlt.
Bei den Sparmaßnahmen, die über die Gruppe fast allerorts zu dauerhaften Kostensenkungen im zweistelligen Bereich geführt hatten, hatte das Top-Management von den Segment-Verantwortlichen Fingerspitzengefühl verlangt. Es sollte so viel wie möglich gespart werden, aber nur in dem Rahmen, der die bisherigen Marktanteile nicht mindert. Dies ist in vielen Bereichen offensichtlich gelungen. In Deutschland konnte RTL seinen Vorsprung gegenüber dem Rivalen ProSiebenSat.1 auf 5,3 Prozentpunkte ausbauen.
Bei allen vier großen nationalen Sender-Ketten (neben Deutschland noch Frankreich, die Niederlande und Belgien) liefen die Geschäfte deutlich besser als im Vorjahr, in Holland konnte der operative Gewinn sogar um gleich 52,8 Prozent auf 110 Millionen Euro gesteigert werden. Auch bei den Radiosendern verzeichnete man Zuwächse im Werbebereich, die weit über den Prognosen der Experten lagen. Ebenfalls angestiegen sind die Online-Erlöse, die ein Plus von 41 Prozent erreichen, getrieben vor allem durch Zuwächse bei der Videowerbung. Hoch zufrieden ist man dabei auch mit den Erfolgen der im vergangenen August in Deutschland gelaunchten Video-on-Demand-Plattform RTLnow, die als "Catch-up"-Service massive Wachstumsraten markiert.
Gerhard Zeiler, Vorstandschef der RTL-Gruppe, erklärte dazu: "Die herausragenden Ergebnisse im Jahr 2010 resultieren aus einem stärker als erwarteteten Aufschwung der westeuropäischen TV-Werbemärkte, aus den nachhaltigen Wirkungen unserer umfangreichen Kosteneinsparungen im Jahr 2009 sowie aus den führenden Positionen unserer Senderfamilien in unseren Schlüsselmärkten."
Für Zeiler ist es Grundvoraussetzung aller Erfolge, dass die Erlangung von Spitzenpositionen bei den Zuschaueranteilen in den bestehenden Märkten weiterhin Priorität hat. Gleichzeitig soll die Expansion und Erschließung neuer Märkte (spekuliert wird hier z.B. über ein Investment in Indien) vorangetrieben werden.
Trotz der Marktentspannung und der Rekordbilanz will der CEO aber derzeit keine Wetten auf den Verlauf des aktuellen Jahres abschließen: "Trotz der Tatsache, dass das Fernsehen stärker als andere Medien von der wirtschaftlichen Erholung profitierte, kann gegenwärtig noch keine verlässliche Aussage für das gesamte Jahr 2011 getroffen werden. Daher bleibt die RTL Group vorsichtig, ist jedoch gleichzeitig sehr optimistisch, was die Wachstumsaussichten der Fernsehbranche insgesamt betrifft."

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige