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Wie geht’s den Auflagengiganten von 1990?

Die Auflagenzahlen der Zeitschriften sind insgesamt gesehen seit Jahren rückläufig. Doch wie dramatisch sieht die Lage im Langfrist-Trend aus? Wie viele Käufer haben die einstigen Auflagenkönige verloren? MEEDIA hat die 40 stärksten Publikumszeitschriften des Jahres 1990 herausgesucht und vergleicht ihre damalige Auflage mit der des Jahres 2010. Das ernüchternde Ergebnis: Kein einziger der 40 Titel konnte seine Verkaufszahlen in diesen 20 Jahren verbessern, einige verloren sogar mehr als 80%.

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20 Jahre sind in der heutigen Medienwelt eine Ewigkeit. Das World Wide Web existierte 1990 noch nicht, im Fernsehen gab es Sender wie RTL II, kabel eins oder Vox noch nicht, viele der heute sehr bekannten Zeitschriften wie Focus, TV Spielfilm oder Gala waren ebenfalls noch nicht geboren. Die Branche der Publikumszeitschriften wurde damals von wöchentlichen Programmzeitschriften dominiert. Die Hörzu verkaufte sich sage und schreibe 3,09 Mio. mal, "TV Hören und Sehen" kam auf 2,53 Mio. wöchentliche Käufer und "Auf einen Blick" auf 2,50 Mio. Auch die Bild am Sonntag und die Fernsehwoche lagen deutlich über der 2-Mio.-Marke. Zum Vergleich: 2010 gab es nur noch eine, am Kiosk erhältliche Publikumszeitschrift, die diese Marke überspringen konnte: TV 14 mit 2,46 Mio. Käufern.

Die immerhin ersten 17 Magazine in unserem Ranking, in das wir nur Kiosk-Titel, also keine Supplements, Kunden- oder Mitgliederzeitschriften aufgenommen haben, waren 1990 Auflagen-Millionäre. Auch hier ein Vergleich mit der Gegenwart: Nur noch acht Publikumszeitschriften landeten 2010 über der Mio.-Marke. Trotz vieler Neugründungen im Laufe der Jahre gibt es also deutlich weniger Auflagengiganten als 1990. Dass die Erfolgstitel der damaligen Zeit Federn lassen mussten, war angesichts der langen Zeit klar, dass jedoch keiner der 40 Titel Käufer hinzugewinnen konnten, ist eine ernüchternde Erkenntnis.

Schon die ersten drei Titel in unserem Ranking zeigen, wie dramatisch die Auflagenentwicklungen in den 20 Jahren aussahen. So hat die Hörzu 54,6% ihrer Käufer aus dem Jahr 1990 verloren, TV Hören und Sehen sogar 66,6% und Auf einen Blick 51,5%. Noch dramatischer sieht es für die Fernsehwoche, Bild + Funk und die Bildwoche aus. Zwischen 78,4% und 82,7% der verkauften Auflagen gingen hier verloren. Fand die Fernsehwoche 1990 noch 2,39 Mio. Käufer, waren es 2010 nur noch 516.542. Relativ glimpflich davon gekommen ist auf den ersten 20 Plätzen vor allem Der Spiegel. Das Nachrichtenmagazin verlor nur 8,2% seiner Käufer, so wenige wie kein anderer der 40 Titel. Ebenfalls noch gut halten konnte sich die Freizeit Revue mit einem Minus von 28,8%.

In der zweiten Hälfte haben wir neben den vielen Verlierern auch vier Titel, deren Zahlen nicht mehr miteinander verglichen werden konnten. Die Revue, im Jahr 1990 als Neue Revue mit 917.851 Verkäufen noch die Nummer 21, wurde 2008 mit nur noch etwas mehr als 200.000 Käufern eingestellt, auch Prima Carina gibt es nicht mehr. Die beiden Erotikzeitschriften Praline und Wochenend existieren zwar noch, allerdings nicht mehr als IVW-Mitglied.

Auch der allergrößte Verlierer der 40 Magazine findet sich in der zweiten Hälfte des Rankings: Die Zwei. Von 882.207 Käufern im Jahr 1990 blieben 2010 noch ganze 103.871 übrig. Ein unglaubliches Minus von 88,2%. Auch nur noch knapp über der 100.000er-Marke befindet sich die Frauenzeitschrift Mini – sie verlor 79,0% der 1990er-Auflage. Recht gut gehalten hat sich in all den Jahren hingegen Auto Motor und Sport: Mit einem Minus von 17,2% wurde das Magazin nur vom Spiegel geschlagen. Weniger als 30% verloren haben zudem die Auto Bild und die Sport Bild.

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