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Lyrik: Die Zeit lässt über Politik dichten

Die Zeit will die fast vergessene Stilform der politischen Lyrik wiederbeleben. Zu diesem Zweck hat Zeit-Politik-Ressortleiter und Vize-Chef Bernd Ulrich elf deutsche Dichter als Gastautoren engagiert, die ab Donnerstag im Politik-Teil der Wochenzeitung Gedichte zum politischen Geschehen verfassen sollen. Die Zeit-Politik-Redaktion will den Dichterinnen und Dichtern dabei helfen, einen Zugang zum Politikbetrieb zu finden. Auch einige Politiker machen mit.

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So haben sich u.a. die Politiker Andrea Nahles (SPD), Katrin Göring-Eckardt (Grüne) und Christian Lindner (FDP) bereit erklärt, die frisch gebackenen Polit-Dichter an die Hand zu nehmen, schreibt die Zeit in ihrer Pressemitteilung. Lindner würde würde eine Lyrikerin sogar mit auf eine Dienstreise nehmen.

Zeit-Politik-Chef Bernd Ulrich sei die Idee zu der neuen Reihe gekommen, weil er schon länger über die unterschiedliche Wahrnehmung von Politik durch Journalisten und andere Menschen nachgedacht habe. Leute wie er selbst würden manches vor lauter Routine nicht mehr erkennen, verriet er der Süddeutschen.

Der lyrische Stoßtrupp soll nun einen frischen, überraschenden Blick auf den Polit-Betrieb ermöglichen. Ulrich: "Journalismus sucht immer wieder nach anderen Blickwinkeln auf die Politik, er nutzt die gesamte Bandbreite von Darstellung. Doch eine Wahrnehmung, eine Ausdrucksweise fehlt, eine, die mitunter tiefer geht, schärfer und witziger sein kann als Artikel oder Fotos: das Gedicht. Wir haben uns gefragt: Sehen Dichter mehr als Journalisten? Antwort: Sie sehen anderes. Und anders."

Mit an Bord sind die Dichterinnen und Dichter Marion Poschmann, Daniela Danz, Michael Lentz, Hendrik Rost, Ulf Stolterfoht, Nora Bossong, Ann Cotten, Herbert Hindringer, Jan Wagner, Monika Rinck und Uljana Wolf. Einer der fehlt, ist Titanic-Autor Thomas Gsella, der in dem Satireblatt oftmals die fast vergessene Rubrik “Das politische Gedicht” bestückt hat.

Dort fanden sich u.a. Zeilen wie diese zur Weltfinanzkrise: “Finanzkrise und Rezession? Den Stress hatten die Ahnen schon: Millionen waren arbeitslos und Not und Elend waren groß bis, Gott sei Dank!, ein starker Mann durch Annexion und Autobahn die Krise überwand. Wie dankte ihm das Land!”

In der Zeit wird es vermutlich Zeilen anderer Art zu lesen geben. Die Reihe "Politik & Lyrik" startet mit der Zeit-Ausgabe vom 10. März. Auf einer Doppelseite gibt es einen Einführungstext von Bernd Ulrich und erste Gedichte von Monika Rinck, Marion Poschmann und Jan Wagner zu lesen.

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