Wozu brauchen Verlage noch Apps?

Die einen wollen sie. Die anderen haben sie. Und die, die sie haben, verdienen damit nicht genug Geld. Die Rede ist von Apps für Verlage. So wirklich zufrieden ist damit noch kein Anbieter. Nach den von Anzeigenflauten geprägten Jahren sahen Printtitel im App-Geschäft den Heilsbringer. Doch jüngste Studien zeigen, dass nach anfänglicher Neugier wenig los ist auf dem iPad. Doch warum überhaupt Apps? Es geht auch anders. Mit weniger Aufwand, geringeren Folgekosten. Und ohne lästige Abgabe an Dritte.

Anzeige

Die einen wollen sie. Die anderen haben sie. Und die, die sie haben, verdienen damit nicht genug Geld. Die Rede ist von Apps für Verlage. So wirklich zufrieden ist damit noch kein Anbieter. Nach den von Anzeigenflauten geprägten Jahren sahen Printtitel im App-Geschäft den Heilsbringer. Doch jüngste Studien zeigen, dass nach anfänglicher Neugier wenig los ist auf dem iPad. Doch warum überhaupt Apps? Es geht auch anders. Mit weniger Aufwand, geringeren Folgekosten. Und ohne lästige Abgabe an Dritte.

Keine Frage: Wer in Zukunft noch gelesen werden will, der muss auf mobilen Endgeräten empfangbar sein. Und egal ob für Android oder ein Apple-Gerät: Immer noch sehen Verlage in Apps “das große Ding”. Immerhin haben die kleinen Programme einen Vorteil: Sie sind sexy. News und Magazine lassen sich so entweder in der Hosentasche oder auf einem brillanten Display schmökern. Aber dafür zahlen Verlage einen hohen Preis. Für die Konzeption einer App braucht es Zeit. Die Entwicklung und der Aufbau von Kompetenzen im eigenen Haus sind teuer. Gerade wenn es sich um Magazin-Apps handelt, sind weitere Kostenstellen und Fragen damit verbunden. Wer betreut den Service? Wie viel ist er uns wert? Und wer hält ihn auf dem neuesten Stand? Denn dank ständiger Firmware-Updates müssen auch die Apps stetig aktualisiert werden. Kurzum: All das kostet Geld, das bisher kaum über den App-Vertrieb wieder reingeholt werden konnte. Und macht eine App aus dem AppStore von Apple Gewinn, gehen 30 Prozent vom Erlös an den Apple. Zuletzt dürfte eine aktuelle US-Studie Verlegern Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Das US-Magazin Women’s Wear Daily hat in seiner Online-Ausgabe Zahlen der amerikanischen Auflagenkontrolle Audit Bureau of Circulations (ABC) über die Verkäufe von iPad-Ausgaben von Zeitschriften veröffentlicht. Und diese Zahlen sind nicht sehr ermutigend. Demnach sinken die Verkaufszahlen bei allen iPad-Versionen von Print-Magazinen wie Wired, GQ oder Vanity Fair deutlich.

Bezahlschranken auch ohne Apps
Die berechtigte Frage, die sich also stellt, ist: Warum brauchen Verlage überhaupt Apps? Über kurz oder lang will jeder Verlag vor den Programmen eine Bezahlschranke errichten. Wie das dann aussieht, machte zuletzt die Bild vor. Kaum war die iPad-App gelauncht, wurde der normale Zugriff über den mobilen Browser gestoppt.

Derzeit mangelt es dafür an zwei Stellen: an Bezahlschranken auf Webseiten-Ebene. Und an Webseiten, die für mobile Endgeräte optimiert sind. Natürlich verfügt beinahe jedes Nachrichtenportal über mobile Versionen seiner Seiten. Doch wirklich ansprechend sehen diese nicht aus. Zeit Online hat für das deutsche Web gezeigt, dass es auch anders geht. Mit einer iPad-optimierten Site. Sozusagen eine App im Browser: Wer über das iPad Zeit Online ansteuert, bekommt ein verändertes Layout ausgeliefert, das an mobile Bedürfnisse angepasst wurde. Das Konzept hat die Entwicklungsredaktion mit der hauseigenen Technikabteilung und der schweizerisch-japanischen Designagentur Information Architects umgesetzt. Das Ergebnis: größere Linkflächen für die Navigation per Hand, Fotostrecken, die auch per Wischgeste geblättert werden können sowie ein aufgeräumtes Design.

HTML5 hätte nur Vorteile
Zum Bezahlschranken-Problem: Webserver erkennen, über welche Geräte sie angesteuert werden. Zugriffen über mobile Endgeräte ließe sich also problemlos eine Bezahlmaske vorschalten. Die würde beispielsweise nach der Bezahlung für einen Tag oder einen Monat Zugriff auf das gesamte Angebot liefern. Dabei stellt sich auch die Frage: Warum entwickeln Verlage eReading-Apps, die die E-Paper von Zeitungen und Zeitschriften auf den Bildschirm holen, wenn dieselben E-Paper für den Zugriff über Rechner oder Notebooks via Browser verfügbar sind? Genauso gut ließe sich in einer HTML5-App von Seite zu Seite blättern.

Was wären die Vorteile solcher Web-Applikation, die auf HTML5 basieren? Zu allererst wären sie weitestgehend unabhängig vom jeweiligen Endgerät. Natürlich braucht es zwecks unterschiedlicher Bildschirmauflösung etwaige Anpassung. Doch einmal fertig designt, müsste jede App für unterschiedliche Anbieter (Apple, HTC, Nokia, Palm etc.) von Grund auf neu programmiert werden. Auch Updates aufgrund eventueller Firmware-Änderungen entfallen. Der User müsste außerdem nicht auf Features der “normalen” Webseite verzichten, die in einer App wegen Unstimmigkeiten im Layout entfallen. Und gerade für Verlage interessant: Es bräuchte keine Abgaben an Dritte, wie etwa Apple.

Woran liegt es also, dass nicht schon mehr Unternehmen auf den HMTL5-Zug aufgesprungen sind? Vermutlich an der Technologie selbst. Von Brancheninsidern als einer der Webtrends 2010 gehypt, konnte sich HMTL5 bisher noch nicht durchsetzen. Wahrscheinlich braucht es abseits von Zeit Online noch mehr Schwergewichte, die ihren Hut in den Ring werfen.

Aus Gründen der Transparenz weisen wir darauf hin, dass der Autor auch für Zeit Online tätig ist.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige