Anzeige

So sieht das Fernsehen der Zukunft aus

Und jetzt auch noch Microsoft: Der Redmonder Software-Riese will ins Fernsehgeschäft einsteigen. Reuters zufolge gab es bereits Gespräche mit verschiedenen Medienkonzernen, um den Pay-TV-Service bis Ende 2011 aufzubauen. Nur ein Irrlicht im Mediendschungel? Wohl kaum. Nach vielen Jahren der Koexistenz scheinen Web und TV endlich zu verschmelzen. Wie sieht das Fernsehen der Zukunft aus? Wo empfangen wir es? Und wer macht es? Wir geben einen Überblick und wagen eine Prognose.

Anzeige

Und jetzt auch noch Microsoft: Der Redmonder Software-Riese will ins Fernsehgeschäft einsteigen. Reuters zufolge gab es bereits Gespräche mit verschiedenen Medienkonzernen, um den Pay-TV-Service bis voraussichtlich Ende 2011 aufzubauen. Nur ein Irrlicht im Mediendschungel? Wohl kaum. Nach vielen Jahren der Koexistenz scheinen Web und TV endlich zu verschmelzen. Wie sieht das Fernsehen der Zukunft aus? Wo empfangen wir es? Und wer macht es? Wir geben einen Überblick und wagen eine Prognose.

Unter anderem sei der Aufbau eines "virtuellen Kabelnetzbetreibers" denkbar, auch Bezahlprogramme könnten sich künftig über die XBox360 empfangen lassen. Microsoft wollte keine Stellungnahme abgeben. Bei aller Innovation ist Microsoft aber keineswegs Pionier auf dem Weg in ein neues Fernsehzeitalter.

###YOUTUBEVIDEO###

Wenn man über das Fernsehen der Zukunft redet, muss zwischen drei Segmenten unterschieden werden: Technik, Medium und Content. Die Zeiten, in denen entweder über Kabel oder Satellit ferngesehen wurde, sind vollends vorbei. Um das Fazit schon vorwegzunehmen: Fernsehen bedeutet nicht mehr, mit der Fernbedienung durch die Kanäle zu zappen.
Wer mischt im neuen TV-Business mit?

Die Sender selbst: Das Fernsehgerät selbst scheint den TV-Sendern nicht mehr zu genügen. Beinahe alle großen Sender, öffentlich-rechtliche und private, verfügen mittlerweile über eigene Mediatheken. Sat.1.de geht derzeit einen ungewöhnlichen Weg und bietet die bereits gesendeten Folgen von “Die Säulen der Erde” kostenlos als Stream an. Ansonsten muss der User – zumindest bei den Privaten – nach einer Woche zahlen. Abseits der Mediatheken bietet RTL als erster deutscher Sender sein komplettes Programm in einer App an.

Die IT-Konzerne: Nicht mit dem laufenden Programm, aber mit den Videotheken konkurrieren Konzerne wie Apple. Mit der Neuauflage des Apple TV will es die IT-Schmiede aus Cupertino endgültig wissen. Rein technisch ist der kleine, schwarze Kasten zwar nichts anderes als ein Abspielgerät für iTunes-Inhalte. Aber die Vorteile liegen auf der Hand: Sie müssen nicht mehr vor die Tür. Sie müssen keine DVDs zurückgeben. Sie müssen keine DVDs kaufen, sondern nur noch streamen.

Amerika darf sich über die Kooperation des Online-Verleihs Netflix mit Apple freuen. Gegen eine monatliche Gebühr können User ihre geliehenen Filme dann auf dem iPod touch, den iPhones, dem iPad und Apple TV anschauen. In Deutschland fehlt ein solcher Service noch. Sony startete vor einer Woche seinen Streaming-Dienst “Qriocity”. Das Video-on-Demand-Angebot kann auf Bravia-Fernsehern, Blu-ray-Playern oder Heimkino-Systemen von Sony aufgerufen werden. Zum Start sind mehrere hundert Blockbuster zu Preisen ab drei Euro verfügbar. In diese Sparte reiht sich Microsoft nun nahtlos ein.

Die Internet-Provider: Ganz recht. Für den heimischen TV-Empfang braucht es keine Schüssel auf dem Dach oder einen Kabelanschluss in der Wand. Alice, mittlerweile im Besitz von O2, bietet beispielsweise eine eigene Set-Top-Box an. Über den Internet-Anschluss lassen sich sämtliche freien Fernsehsender plus zusätzlicher Pay-TV-Kanäle ansehen. Ergänzt wird das Angebot durch ein Portal, das den User mit News der Tagesschau und Bild.de versorgt.

Wo geht die Reise hin?
Der Fernsehtrend 2011 heißt HbbTV. Was ist das genau? Und wie verändert es unser Fernsehen? Technisch gesprochen lassen sich per HbbTV auf Grundlage von einer eigenen HTML-Sprache als Basistechnologie Fernsehprogramme und Internetinhalte gleichzeitig auf einem TV-Bildschirm darstellen. Das klingt erstmal wie ein minimal aufgemotzter Videotext.
Die HTML-Umgebung ermöglicht aber eine ganze Reihe von neuen Funktionalitäten: Das verkleinerte Fernsehbild lässt sich in HTML-Seiten integrieren. Von der HTML-Seite kann direkt auf ein anderes Fernsehprogramm geswitcht werden. Ein Beispiel: Schauen Sie eine Kochsendung, bekommen Sie per Knopfdruck Zugriff auf die Rezepte und können direkt online die Zutaten shoppen. Zum ersten Quartal 2011 sollen stetig neue Geräte auf den Markt kommen.

Web und TV im Einklang
Und auch abseits des “normalen” Fernsehprogramms wird Hybrid-TV boomen. In den USA hat jüngst Google TV seinen Dienst aufgenommen. Der Internetgigant verfolgt allerdings den Ansatz, das Web im Ganzen auf den Fernseher zu bringen. Nicht als nettes Add-on, sondern als Alternative zum TV-Programm soll der Zuschauer zwischen unterschiedlichen Apps entscheiden können, aus YouTube, Vimeo oder Hulu Videos abrufen und Statistiken zur Lieblingsfußballmannschaft abrufen können. Darüber hinaus merkt sich Google TV die Vorlieben seines Zuschauers, sofern dieser sich anmeldet, und schlägt ihm passende Inhalte vor. "Es geht nicht darum, was gerade im Fernsehen läuft, sondern was ich gerade sehen möchte – und wenn ich es nicht weiß, bietet Google Vorschläge an," sagt Google-CEO Eric Schmidt. Der Zugriff auf die eigene Bildersammlung bei Flickr und Videotelefonate sollen via Google TV ebenso möglich sein.

Und obwohl Steve Jobs mit seinem Apple TV ein weitaus verschlosseneren Weg eingeschlagen hat, bietet der Knirps schon ein ähnliches Feature an: Air Play. Damit lassen sich Bilder, Filme und Songs vom iPhone 4, dem iPhone 3GS, dem iPad und dem iPod touch 4 und 3 über Apple TV auf einen Fernseher streamen.

Als Partner für die technische Umsetzung sitzen Sony und Logitech im Boot. Für Google und Apple wird allerdings der Erfolg von ihren Partner abhängen. Schafft Apple ähnliche Deals in Europa wie in den USA, lohnt sich eine Anschaffung. Doch die Vorbehalte gegen Googles Pläne sind groß. Traditionelle Fernsehsender sind von den Plänen des Internetkonzerns beunruhigt. Sie fürchten um ihre Werbeeinnahmen, die Google ihnen mit seiner TV-Plattform streitig machen könnte. Die vier großen US-Fernsehsender ABC, CBS, NBC und Fox weigerten sich, in den USA mit Google zusammenzuarbeiten. Google-Vizechef für Süd- und Osteuropa, Carlo D’Asaro Biondo, versucht zu vermitteln: "Wir sind nicht da, um alle platt zu machen."

Nische is King
Aber jenseits all des Technischen bleibt die Frage: Was wird gesendet im Fernsehen der Zukunft? Vor allem mehr Nischenprogramm. Der erst kürzlich verabschiedete Deal zwischen dem Videoportal Sevenload und Sony hat Vorbildcharakter für die Medienbranche. BRAVIA LCD-Fernseher, Bluray Player und weitere Geräte haben Zugriff auf das Angebot von Sevenload. Für Sony stellt Sevenload ein aktuelles Video-Angebot bereit, das ausgewählte Inhalte rund um die Uhr zeigt. In insgesamt sechs Genres finden Zuschauer Musikmagazine, Comedy, Unterhaltungsprogramme, Spiele-Magazine und professionelle Reportagen und Dokumentationen von National Geographic oder Süddeutsche Zeitung TV.

Produktionen können auf diese Weise zweit- und drittverwertet werden. Der Deal könnte Vorbildcharakter haben für das Engagement deutscher Medienhäuser im Fernsehen der Zukunft. Denn auch Verlage könnten ihre Bewegtbild-Inhalte so weg vom Computer in die Wohnzimmer bringen.

Fazit: Inhalte, Technik und Vertriebskanäle verschmelzen zunehmend. Die Grenzen zwischen einem typischen Fernsehsender und Content-Providern wie Apple, Google, Sony und Co. verschwimmen. Was den User erwartet, sind Geräte, die längst nicht mehr nur das urdeutsche Fernsehprogramm wiedergeben, sondern eine Plattform für Apps, Web-TV-Kanäle, Kinofilme und eigene Inhalte sind. Fernsehen ist nicht mehr nur Fernsehen. Und Fernseher sind nicht mehr nur Fernseher.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige