Die CD ist tot, die DVD liegt im Sterben

“Apple hat heute die CD gekillt”. So reißerisch kündigte Techcrunch-Gründer Michael Arrington vergangene Woche die Konsequenzen für die Tech-Branche an. Und alles nur, weil Apple fortan bei seinen Macbooks auf Laufwerke verzichten will. Stimmt das? Ist das der Todesstoß für das Medium, das einst die Kassette ablöste? Ein Blick auf die Zahlen verrät, dass es um die runde Scheibe viel schlimmer bestellt ist: Die CD ist bereits tot. Und die DVD liegt im Sterben. Sie weiß es nur noch nicht.

Anzeige

“Apple hat heute die CD gekillt”. So reißerisch kündigte Techcrunch-Gründer Michael Arrington vergangene Woche die Konsequenzen für die Tech-Branche an. Und alles nur, weil Apple fortan bei seinen Macbooks auf Laufwerke verzichten will. Stimmt das? Ist das der Todesstoß für das Medium, das einst die Kassette ablöste? Ein Blick auf die Zahlen verrät, dass es um die runde Scheibe viel schlimmer bestellt ist: Die CD ist bereits tot. Und die DVD liegt im Sterben. Sie weiß es nur noch nicht.

Ich bitte Sie, einmal kurz in sich zu gehen und scharf zu überlegen: Wann haben Sie das letzte Mal ein Musikalbum in Ihren CD-Player eingelegt? In Zeiten von iPods und MP3-Radios. Wann haben Sie das letzte Mal einen Film auf eine CD gebrannt, sie beschriftet und archiviert? In Zeiten, in der sich Inhalte zeitversetzt aufnehmen lassen oder über IPTV streamen lassen. Und wann haben Sie das letzte Mal eine DVD geschenkt bekommen? In Zeiten der BluRay. Sie kennen die Antwort.

Für eine Handvoll Cents
Noch vor einigen Jahren waren CD-Roms das Mittel zum Zweck, um kostenbaren Speicherplatz auszulagern. Megabytes waren Mangelware, Terabytes undenkbar teuer. Mittlerweile gibt es Speicherplatz bis zum Abwinken. Ein Terrabyte kostet nur noch 90 Euro. Umgerechnet wären das 9 Cent für ein Gigabyte. Zum Vergleich: Ein CD-Rohling kostet rund 40 Cent und speichert nur maximal 700 Megabyte. DVDs speichern mehr, haben aber gerade im Verkauf einen Nachteil: Der Platz reicht nicht, um Filme hochauflösend abzuspeichern. Und wer einen großen Fernseher besitzt, will seinen Lieblingsfilm nun einmal in High Definition sehen. Da hat die BluRay ganz klar die Nase vorn.

Aktuelle Hochrechnungen belegen, dass im Gegensatz zur DVD der HD-Filmverkauf boomt. Die Analysten der Media Control GfK International haben sich aktuelle Verkaufszahlen angesehen und stellten Folgendes fest: Während die Verkaufszahlen für BluRays im dritten Quartal 2010 im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2009 um rund 70 Prozent angestiegen sind, gingen die DVD-Verkäufe zurück. Zusammengenommen ergibt sich für die DVD ein Verkaufsrückgang von 3,8 Prozent.

Apple macht es vor
Fassen wir zusammen: CDs sind also unverhältnismäßig teuer und im Vergleich zu MP3s längst nicht so transportabel, Film-DVDs interessieren immer weniger Menschen. Bleibt die Frage: Wie installieren wir künftig noch Software? Apple macht es vor: mit dem Appstore für den Mac. Das eigenständige Programm verfügt wie der iPhone-Appstore über einen Highlight-Bereich, einen Top-Charts-Bereich und macht auf Updates aufmerksam. Er sieht genauso aus wie auf einem iPhone. Nur größer und mit eigenen Apps für den Mac.

Die Vorteile für den User liegen auf der Hand: Programme müssten nicht mehr mühsam aus der Verpackung geschält, langwierig in Verzeichnisse installiert und mit Seriennummern verifiziert werden. Apple hat mit seinen leicht konsumierbaren Apps das Verständnis von Programmen grundlegend geändert. Ein Klick – schon ist das Programm gekauft, heruntergeladen und einsatzbereit.

DVD auf dem absteigenden Ast
Natürlich bleibt abzuwarten, ob die User sich von der freien Auswahl an Software verabschieden wollen und einen Appstore bevorzugen. Steve Jobs könnte damit Erfolg haben. Denn ein Appstore bietet Orientierung im verwirrenden Software-Dschungel. Das ist für die Usersparte ideal, die nicht umfangreich vergleichen und ausprobieren will.

Bleibt die Frage: Wie steht es um die DVD? Nicht allzu gut. Erster Vorbote ist der schleichende Tod der Videotheken. Der US-Riese Blockbuster musste zuletzt Insolvenz anmelden: Vor drei Jahren lag der Umsatz noch bei 5,5 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr brach er dann auf 4,1 Milliarden Dollar ein. Analysten gehen mittlerweile davon aus, dass hunderte Filialen schließen werden. Ds dürfte sich auch auf die Belegschaft auswirken. Aktuell beschäftigt das Unternehmen über 25.000 Mitarbeiter.

Online-Videotheken boomen
Der US-Markt zeigt auch, was der Grund dafür ist: Online-Mediatheken. Der Konkurrent Netflix setzte konsequent auf den Ausbau seiner Online-Aktivitäten – und fährt damit satte Gewinne ein. Und zu Netflix gesellen sich immer weitere Online-Videoanbieter. Nur zum Vergleich: Während Blockbuster Insolvenz anmelden musste, kommt Konkurrent Netflix auf einen Börsenwert von rund acht Milliarden Dollar.

Ganz so dramatisch sieht es für die rund 3000 deutschen Videotheken noch‘>. Doch die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Der Branchenverband zählte 2009 rund 7,8 Millionen Kunden, 2007 waren es noch 9,1 Millionen. Wie in den USA wird Personal abgebaut und durch Automaten ersetzt, die rund um die Uhr geöffnet haben. Das macht sich auch in der Preisstruktur bemerkbar. 2007 kostete eine Leihe durchschnittlich 2,53 Euro, 2009 waren es 2,44 Euro.

Konzerne treiben Entwicklung voran
Und auch wenn es in Deutschland noch kein direktes Pendant zum unkomplizierten Netflix-Abo gibt, so können Online-Videotheken erste Erfolge erzielen. Die bisher unangefochtene Nummer eins im deutschen IPTV ist die Deutsche Telekom mit rund 1,3 Millionen Entertain-Kunden. Die Konkurrenten sind Sky, Vodafone, Alice oder O2.

Dass es noch nicht zum großen Boom in Deutschland gekommen ist, ist eine Lizenzfrage. Denn noch kommen die Filme zu spät ins Angebot. US-Anbieter Netflix umgeht das Problem mit einem simplen Kniff und verschickt neben dem Streaming-Angebot neue Filme weiterhin mit der Post. Dadurch mutiert der Verleih zum größten Kunden der US-Post.

Konzerne wie Apple treiben die Entwicklung weiter voran. Das neue Apple-TV kostet 119 Euro. Neue Filme kosten in der HD-Version 4,99 Euro, in der SD-Version 3,99 Euro. Ältere Filme sind jeweils einen Euro preiswerter. Nach dem Bezahlen hat der Kunde 30 Tage Zeit zum Anschauen. Google lanciert in Kooperation mit Sony sein eigenes Google TV. Der Suchmaschinenbetreiber bringt seine TV-Plattform 2011 auch international auf den Markt. Der Internetgigant verfolgt den Ansatz, das "volle Web" auf den Fernseher zu bringen.

Vom Sofa aus soll der Zuschauer per Knopfdruck zwischen TV-Programmen, Filmen aus der Online-Videothek, Youtube-Videos oder Plattformen wie Hulu oder Vimeo hin und her springen können. Auch einen digitalen Rekorder zum Aufzeichnen der Lieblingsshow will Google TV gleich mitliefern. Wer braucht da noch eine DVD-Sammlung?

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige