Yelp entfacht Kampf der Bewertungsportale

Hamburg, 9. Stock eines Hotels direkt an der Alster: Jeremy Stoppelman lehnt in einem eng geschnittenen Anzug auf einem roten Ledersofa. Der Harvard-Absolvent gründete 2004 das Bewertungsportal Yelp. Aktuell strebt das amerikanische Web-Unternehmen nach Europa, insbesondere Deutschland steht im Fokus. Dazu sucht Stoppelman Community-Manager in Berlin, Köln und Hamburg - für München ist schon einer gefunden. In drei Jahren will er den Durchbruch außerhalb der USA schaffen.

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In den USA wächst Yelp beständig. Rund 8,1 Millionen Unique User im Monat suchen laut Google Ad-Planner auf dem Portal nach Geschäften in ihrer Umgebung. Die Nutzer haben nach Unternehmensangaben mehr als 15 Millionen Rezensionen geschrieben. Für deutsche Händler stehen ab heute neue Funktionen zur Verfügung, die bisher nur in den USA zum Einsatz kamen. "Lokale Händler können Fotos und Videos auf ihren Firmenprofilen hochladen und Nutzerbewertungen kommentieren", erklärt Stoppelman gegenüber MEEDIA. "Außerdem führen wir ‚Check-in Angebote‘ ein, die die Nutzer von Yelps Apps auf iPhone und Android sehen, freischalten und einlösen können."
Yelp hat Nachholbedarf in Deutschland
Stoppelman ist schlank, sportlich und trägt dunkles, mittellanges Haar. Der Entrepreneur aus San Francisco hält heute Nachmittag eine Keynote auf der CeBit in Hannover. Seit der Gründung von Yelp ist er gefragt als Sprecher, wirkt routiniert und erfahren. Er sieht aus wie einer der smarten Geschäftsmänner, die wissen, wie sie schnell zu Geld kommen. Doch als CEO war ihm die Verantwortung für sein Unternehmen wichtiger. Als Google ihm ein Angebot über 500 Millionen Dollar machte, wollte er sein Startup behalten.
Auf dem deutschen Markt ist Yelp noch relativ unbekannt. "Anders als in den USA haben wir hier bisher nicht gesehen, dass Nutzer sich intensiv über Bewertungsportale über lokale Geschäfte informiert hätten", sagt Stoppelman. "Natürlich kommt der Erfolg nicht über Nacht. Aber das Interesse daran steigt und das Prinzip wird sich langfristig durchsetzen." Yelp, ist sich der Gründer sicher, unterscheidet sich maßgeblich von klassischen Branchenbüchern. "Bei uns steht der mit den meisten positiven Bewertungen ganz oben. Nicht derjenige, der am meisten Geld für eine Anzeige ausgibt." Stoppelman wehrt sich gegen Vorwürfe, Firmen könnten ihr Ranking durch finanzielle Aufwendungen beeinflussen. "Es gibt einen gesponserten Link auf jeder Seite, der durchschnittlich 350 Dollar im Monat kostet. Der Rest ergibt sich aus den Nutzerrezensionen."
Aktuelle Finanz-Bewertungen von an die Börse strebenden Web-Startups wie Facebook, Zynga oder Groupon sieht Stoppelman kritisch. "Der Markt spielt langsam verrückt. Viele Investoren stecken zu viel Geld in zu wenige Unternehmen." Besonders die Abhängigkeit von Facebook und Zynga hält er für problematisch. "Stürzt einer, fallen beide." Dennoch will auch Yelp an die Börse. "Aber nicht mehr in diesem Jahr."
Qype: die erfolgreiche "Kopie"
Das hiesige Bewertungsportal Qype, sagt Stoppelman, sei kein ernsthafter Konkurrent. Es handle sich um eine Kopie eines Konzeptes, das in den USA gut funktioniere. "Wenn wir in Deutschland erst einmal ins Rollen gekommen sind, werden wir Qype schnell überholen."
Ganz so deutlich dürfte der Kampf der Bewertungsportale jedoch nicht ausfallen. Denn Qype erreichte im Januar 8,3 Millionen Visits und 4,7 Millionen Unique User allein in Deutschland. Mit Vodafone stieg zudem im vergangenen Jahr ein starker Investor ein. Der Deal sorgt dafür, dass die Qype-App auf Smartphones des Herstellers vorinstalliert ist. Neben Deutschland ist der Dienst auch in Frankreich und England Marktführer. Weitere Ableger gibt es in der Schweiz, Spanien, Irland, Österreich, Polen, Brasilien und Italien.

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