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NDR-„Tatort“: Kurtulus quittiert den Dienst

Es steht fest: Mehmet Kurtulus verlässt den Hamburger "Tatort". Laut NDR steigt der 38-Jährige auf eigenen Wunsch aus. In Zukunft wolle er sich verstärkt um seine internationalen Filmprojekte kümmern. Bei den ARD-Zuschauern hatte es der Schauspieler in seiner Rolle als Undercover-Cop Cenk Batu schwer. Den jüngsten Hamburg-Krimi, in dem er gegen die Organmafia kämpfte, wollten vergangenen Sonntag nur 6,83 Millionen Zuschauer sehen – eine der schwächsten "Tatort"-Quoten der vergangenen zwei Jahre.

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Kurtulus wird als verdeckter Ermittler Cenk Batu noch zwei weitere Filme drehen. Diese sollen von Juli bis September 2011 produziert werden. Danach soll Schluss sein. Wie der NDR mitteilt, hatte Kurtulus den Sender bereits im vergangenen Herbst über seine Entscheidung informiert.

Vor diesem Hintergrund hat Fernsehspielchef Christian Granderath bereits mit mehreren Produktionsfirmen neue Konzepte für einen Hamburger "Tatort" entwickelt. Diese werden laut NDR derzeit geprüft. Zu gegebenem Zeitpunkt will der Sender dann den Nachfolger von Batu bekannt geben.

Zwar teilte Thomas Schreiber, Leiter des Programmbereichs Fiktion und Unterhaltung, mit, dass er Kurtulus‘ Abgang "schade" fände und man versucht hätte, den Schauspieler zu halten, über wirklich gute Quoten konnte man sich beim NDR allerdings in der Vergangenheit nicht freuen.
Im aktuellen MEEDIA-Ranking der "Tatort"-Ermittler liegt Batu mit Abstand auf dem letzten Platz. Durchschnittlich wollten in den vergangenen zwei Jahren nur 6,75 Millionen Zuschauer einschalten, wenn der Undercover-Cop auf Verbrecherjagd ging. Der Abstand auf den Zweitschwächsten, den ORF-Inspektor Eisner, beträgt 350.000 Zuschauer. Die Ermittler aus Münster, Hannover und Köln erreichen durchschnittlich sogar mehr als neun Millionen Krimi-Fans.
Der Hamburg-"Tatort" ist der modernste der ARD-Reihe und gerade hier könnte dessen Unbeliebtheit beim Publikum begründet liegen. Zwischen durchgestylten Bildern, schnellen Schnitten und experimentierfreudigen Erzählstrukturen, die die NDR-Fälle oft von den üblichen "Wo waren Sie eigentlich zwischen 21 und 23 Uhr?"-Krimis unterscheiden, bleibt wie im jüngsten Fall kaum Platz, um hinter die Undercover-Fassade des Ermittlers zu blicken.
Die Idee, Batu in jedem Fall in eine neue Rolle schlüpfen zulassen, ist grundsätzlich zwar eine gute, sie trägt jedoch dazu bei, dass sich der Zuschauer kaum an den Charakter binden kann. Während Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) die bodenständigen Kumpeltypen von der Kölner Pommesbude sind, und Axel Prahl als Kommissar Thiel den liebenswerten Proleten gibt, muss sich der Zuschauer bei Kurtulus‘ Batu fortwährend an eine neue Identität gewöhnen.

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