Bild-Werbung: taz-Anwalt gegen Ministerium

Normalerweise lässt die Bild und ihr Chefredakteur Kai Diekmann keine Chance aus, sich mit der taz anzulegen. Dasselbe gilt jedoch auch andersherum. Neuestes Kapitel im ewigen Zoff der beiden Blätter ist nun, dass die tageszeitung mit rechtlichen Mitteln gegen die Absicht des Bundesverteidigungsministeriums vorgeht, die neue Bundeswehrkampagne vorerst nur in der Bild zu schalten. In einem Unterlassungsbegehren fordert die taz von dem Ministerium "die begrenzte Werbung zu unterlassen".

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Die Berliner stützen sich laut AFP vor allem auf eine Presseerklärung des Ministeriums vom 24. Februar, wonach die Anzeigenkampagne ab April zunächst nur in Bild, Bild am Sonntag und auf bild.de laufen sollen. Die tageszeitung sieht darin offenbar "eine strafbare Vorteilsannahme nach §331 Strafgesetzbuch". Zudem argumentiert taz-Anwalt Johannes Eisenberg, dass der Staat dem Diskriminierungsverbot im Bereich der Medien unterliege. Es dürfe also nicht ein Medium bevorzugt behandelt werden.

Gegenüber MEEDIA rechtfertigte in der vergangenen Woche ein Sprecher des Bundesministeriums die Entscheidung zugunsten der Springer-Blätter, weil sie von der Reichweite und der Zielgruppe "am besten zur Bundeswehr passen" würden. Das Media-Budget für Personalwerbung der Truppe soll laut Frankfurter Rundschau in diesem Jahr bei knapp 5,7 Millionen Euro liegen. Allein an die Springer-Blätter Bild und Bild am Sonntag sollen davon 600.000 Euro fließen. Zudem sind die beiden Springer-Blätter die einzigen Titel, mit denen tatsächlich Werbeverträge abschlossen wurden.

Nach Angaben des Ministerium erstrecke sich die Werbekampagne aber auf unterschiedliche Medien. Ab März laufen demnach Werbespots im Radio und im Fernsehen, erklärte der Sprecher gegenüber MEEDIA. Die Anzeigen in Bild und Bild am Sonntag sollten in einer vierwöchigen, "überregionalen" Phase im April geschaltet werden. Danach solle die Kampagne regionalisiert werden, und es könnten Anzeigen in Lokalzeitungen folgen. Aber ob weitere Werbebuchungen in Printtiteln geschaltet würden und wann, sei noch unklar.

Die Bemühungen der Tageszeitung um eine schnelle Stellungnahme des Ministeriums, wurden allerdings durch den Wechsel auf dem Chefsessel behindert. Wie AFP berichtet, findet sich zur Zeit kein Staatssekretär, der die eigentlich formulierte Reaktion auf das Unterlassungsbegehren unterzeichne. Die "taz" soll nun sogar eine Klage erwägen. Gegen Nachmittag wollen sich die Berliner näher dazu äußern.

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