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Peter Kloeppel greift die „Tagesschau“ an

Die Entwicklungen in der Welt- und Innenpolitik sind im noch jungen Jahr 2011 extrem spannend: Im arabischen Raum verliert ein Despot nach dem anderen seine Macht, im Inland musste der beliebteste Politiker nach langen Diskussionen zurücktreten. Zeiten also, in denen TV-Nachrichtensendungen glänzen können. Doch gerade ARD und ZDF profitieren kaum von den bewegten Zeiten. Stattdessen gewinnt "RTL aktuell" derzeit kräftig hinzu und liegt immer öfter sogar vor der 20-Uhr-"Tagesschau" des Ersten.

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Schon zehnmal besiegte "RTL aktuell" in diesem Jahr mit ihren Zuschauerzahlen im Gesamtpublikum die 20-Uhr-"Tagesschau" des Ersten. Die ARD wird sagen, nur zehnmal in immerhin 60 Tagen, doch ein Vergleich mit den Vorjahren zeigt, dass dies eine Entwicklung ist, die bei der ARD durchaus die Alarmglocken schrillen lassen sollte. Denn: In den Monaten Januar und Februar 2010 besiegte "RTL aktuell" die "Tagesschau" nur zweimal. RTL-Nachrichtenchef Peter Kloeppel konnte diesen Wert also innerhalb eines Jahres verfünffachen.

Schaut man sich die durchschnittlichen Zuschauerzahlen der beiden Kontrahenten an, holt "RTL aktuell" auch hier auf. Zwar liegt die 20-Uhr-"Tagesschau" des Ersten mit 5,87 Mio. Zuschauern noch klar vor dem RTL-Pendant (4,70 Mio.), doch während das ARD-Flaggschiff im Vergleich zu Januar und Februar 2010 trotz der spannenden Nachrichtenlage 150.000 Zuschauer verlor, gewann Kloeppels Sendung 130.000 hinzu. Die 19-Uhr-"heute"-Sendung, die derzeit auf 4,36 Mio. Zuschauer kommt, hat "RTL aktuell" deutlich hinter sich gelassen. Noch enger sieht es übrigens aus, wenn man die "Tagesschau"-Top-Tage Samstag und Sonntag, an denen sie von "Sportschau" und "Tatort" im direkten Programmumfeld profitiert, beiseite lässt. In der Werktagswertung liegt sie mit 5,11 Mio. Zuschauern nur noch ganz knapp vor "RTL aktuell" (4,75 Mio.).

Die ARD argumentiert, man müsse die Zuschauerzahlen der "Tagesschau" inklusive der Ausstrahlungen in den Dritten, bei 3sat und Phoenix betrachten, dann läge man weiterhin meilenweit vor "RTL aktuell". Doch abgesehen davon, dass es objektiv betrachtet unfair ist, eine Sendung mit acht Ausstrahlungen mit einer zu vergleichen, die nur auf einem Sender zu sehen ist, verliert die 20-Uhr-"Tagesschau" auch bei den kleineren Sendern. So rutschte sie im WDR Fernsehen von 1,30 Mio. auf 1,21 Mio. Zuschauer, im NDR Fernsehen sogar von 1,20 Mio. auf 1,04 Mio.

Warum auch immer, die "Tagesschau" kann also derzeit überhaupt nicht von den spannenden politischen Entwicklungen profitieren. Ebenfalls unter den Vorjahreswerten liegen "heute" und "heute-journal". Zulegen konnten hingegen die "Tagesthemen", was allerdings auch an der durchschnittlich früheren Sendezeit liegen dürfte. Noch deutlicher als "RTL aktuell" und die "Tagesthemen" gewann das "RTL-Nachtjournal" hinzu, allerdings profitierte es vor allem in den Wochen, in denen der Mega-Erfolg "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus" die spätabendlichen RTL-Quoten beflügelte.

Trotz der Freude, die bei RTL über die "RTL aktuell"-Entwicklung herrschen wird, darf aber nicht vergessen werden, dass die Sendung allein von der politischen Lage nicht profitiert haben wird. Schließlich bestätigte die monatliche Analyse des Kölner Insituts IFEM auch für den Januar, dass "RTL aktuell" unter den Hauptnachrichtensendungen mit nur 24% den geringsten Politik-Anteil hatte. Kloeppel selbst sagt in einem Interview mit DerWesten: "Dieser Erfolg ist das Ergebnis einer langjährigen Arbeit mit einer hoch qualifizierten Redaktion und hoch qualifizierten Korrespondenten wie beispielsweise Antonia Rados. Vor zwei drei Jahren hätte es das sicher nicht gegeben." Der Hauptgrund für die positive Entwicklung könnte aber ein anderer sein – Peter Kloeppel selbst. 2012 wird er sein 20. Jubiläum als Moderator der RTL-Nachrichten feiern, die Menschen haben sich in dieser langen Zeit an seine Verlässlichkeit gewöhnt und ihn als seriösen Leuchtturm im RTL-Programm schätzen gelernt.

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