PagePlace: Telekoms Onlinekiosk im Check

Rechtzeitig zur Eröffnung der CeBit präsentiert die Telekom ihren eigenen Onlinekiosk: PagePlace. Damit startet der Telekommunikationsriese eine Plattform für digitale Inhalte. Derlei Angebote haben es seit Apples Ankündigung über Änderungen im Appstore nicht gerade leicht. MEEDIA hat sich das Portal und die App genauer angeschaut und erklärt, ob PagePlace tatsächlich eine Alternative zum Appstore oder ob es nur noch ein weiterer Onlinekiosk ist.

Anzeige

Bisher ist PagePlace über den Computer, das iPhone, den iPod touch und das iPad erreichbar. Ab Anfang April soll der Shop dann auch für Android-Geräte und den Mac verfügbar sein. Bezahlen kann der User via Rechnung, per Kreditkarte oder mittels PayPal. Ähnlich wie beim Amazon-Reader Kindle und iBooks lassen sich die gekauften Inhalte zwischen mehreren Geräten synchronisieren.

Zum Start sind die Buchverlage Bastei Lübbe und Random House vertreten. Vorab gibt es aus dem Zeitungsbereich unter anderem die Süddeutsche Zeitung, die WAZ, die NRZ und die Zeit. Bei den Magazinen sind momentan neben etlichen Frauenzeitschriften die WirtschaftsWoche und die FürSie verfügbar. Die Inhalte werden im Pdf- und Epub-Format zur Verfügung gestellt.

Während das Angebot auf dem Computer sehr denen anderen Buchhändler ähnelt, ist das Design der App wirklich gelungen. Zeitungen und Zeitschriften werden optisch nett aufbereitet in Wandhalterungen angezeigt, gekaufte Bücher können auf einem Sideboard durchstöbert werden. Für einige User mag das unnötiger Design-Firlefanz sein, aber immerhin hebt sich die App dadurch von den anderen Kiosk-Apps ab. Allerdings ist der Kaufvorgang noch etwas umständlich gestaltet. Sucht man nach einer Zeitung, Zeitschrift oder einem Buch, wird man auf die Shop-Webseite weitergeleitet und muss erneut seine Login-Daten eingeben, die er vorher in ein Webformular umständlich eintragen musste. Ein Abomodell für Apple-Geräte gibt es bei PagePlace noch nicht. Es soll aber noch in den nächsten Monaten realisiert werden.

So schlägt PagePlace denselben Weg ein wie zuvor die Bertelsmann-Plattform Pubbles. Und‘>. Bis dato funktioniert die PagePlace-App als Startpunkt, zum Kauf wird der User auf eine Webseite befördert – also abseits des Apple-Stores. Eine Sprecherin versicherte mir auf der CeBit, dass Apple dem Unternehmen noch eine Karenzzeit eingeräumt hat. Doch danach wird die Telekom ihr Kaufmodell umstellen müssen. Derzeit bekommt die Telekom eine nicht bekannte Provision für verkaufte Inhalte.
Warum steht das Geschäftsmodell auf wackligen Füßen: In den neuen Richtlinien
von Apple heißt es, dass Abos, die bisher außerhalb des AppStores (so wie bei Pubbles) angeboten wurden, künftig nicht mehr günstiger sein dürfen als die, die im AppStore angeboten werden. Somit entfällt für Verlage die Möglichkeit, ohne Verluste durch Apples Maklergebühr von 30 Prozent Kunden ein Digital-Abo schmackhaft zu machen. "Unsere Philosophie ist einfach: Wenn der Verleger einen bereits geworbenen oder neuen Abonnenten zur App bringt, behält der Verlag 100 Prozent und Apple verdient nichts",‚>.
                   
Noch ärgerlicher für Verlage dürfte allerdings die Tatsache sein, dass sie künftig keine Links von den eigenen Apps auf die eigenen Abo-Angebote setzen dürfen. So heißt es: "Die Verleger dürfen keine Links mehr in ihren Apps setzen, die den Kunden gestatten, Inhalte oder Abonnements außerhalb der App zu erwerben."
Die FTD schreibt zum Start von PagePlace: “Telekom eröffnet Verlagen eine Alternative zu Apple”
. Das stimmt nur zu Teilen. Es mag sein, dass PagePlace bald auch auf Android-Geräten verfügbar sein wird. Gleichermaßen dürfte es für die Pubbles-Entwickler nicht allzu schwer sein, ihre App für Googles mobiles Betriebssystem zu portieren. Weiterhin zitieren sie den Telekom-Vorstand Eward Kozel: "Die Preispolitik ist ausschließlich Sache der Verleger."

Zudem verbleibe die Kundenbeziehung bei den Verlagen, so Thomas Kiessling, Verantwortlicher für den Bereich "Produkte und Innovationen". Noch mag das zutreffen. Aber spätestens mit der Umstellung der Aborichtlinien auf Apple-Geräten funktioniert dieser Deal nicht mehr. Weder für die Telekom, noch für die Verlage. Denn abzüglich der Provision und des 30-Prozent-Anteils für Apple bleibt für die Verlage nicht mehr so viel übrig.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige