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Warum Springer P7S1 nicht kaufen sollte

Die Süddeutsche Zeitung vermeldet einen vermeintlichen Scoop: Axel Springer, Europas größter Zeitungsverlag, könnte doch noch mal einen Anlauf zur Übernahme der Senderfamilie ProSiebenSat.1 nehmen. Doch abgesehen von den noch immer nicht ausgeräumten kartellrechtlichen Bedenken: Warum sollte der Berliner MDax-Konzern seinen bayerischen Index-Nachbarn eigentlich übernehmen? Größtes Interesse daran könnte die Mehrheitsaktionäre KKR und Permira haben, die ihr verloren geglaubtes Kapital wiedersehen würden.

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Die Süddeutsche Zeitung vermeldet einen vermeintlichen Scoop: Axel Springer, Europas größter Zeitungsverlag, könnte doch noch mal einen Anlauf zur Übernahme der Münchner Senderfamilie ProSiebenSat.1 nehmen. Doch abgesehen von den noch immer nicht ausgeräumten kartellrechtlichen Bedenken: Warum sollte der Berliner MDax-Konzern seinen bayerischen Index-Nachbarn eigentlich übernehmen? Größtes Interesse daran könnte die Mehrheitsaktionäre KKR und Permira haben, die ihr verloren geglaubtes Kapital wiedersehen würden.

Es ist nicht weniger als eine der atemberaubendsten Comeback-Stories der modernen Börsengeschichte: Von 30 Euro auf weniger als einen Euro in nicht mal zwei Jahren – und im selben Zeitraum fast wieder zurück. Diesen Höllenritt hat die Münchener Senderfamilie ProSiebenSat.1 hinter sich. Bei knapp 24 Euro schloss das Papier gestern.

In Worten: 2300 Prozent Wertzuwachs in nicht einmal 24 Monaten – das war mit der ProSiebenSat.1-Aktie an den deutschen Aktienmärkten zu verdienen. Für Investoren, die ihren Einsatz schon fast abgeschrieben haben, ist das ein wahres Aschenputtel-Märchen. In der harten Börsenrealität, in der sich Aufstieg und Fall in Zyklen so sicher abwechseln wie Hausse und Baisse, weiß der vorausschauende Investor jedoch auch, dass der richtige Zeitpunkt von Kauf und Verkauf, alles ist.

Entsprechend wird die Platzierung von ProSiebensat.1-Anteilen am haussierenden Kapitalmarkt immer wieder diskutiert. Williger Abnehmer eines Anteils von zunächst 25 Prozent könnte nun doch die Axel Springer AG werden, die 2005 bereits einmal einen Vorstoß gewagt hat – zu deutlich ermäßigten Kursen, wohl gemerkt.   

Warum sollte Springer investieren?

Keine Frage: Auch im neuen Jahrzehnt würde der Deal für Springer strategisch weiterhin Sinn machen – ProSiebenSat.1 verdient gutes Geld im TV-Markt, die Verzahnung von digitalen Bewegtbild-Inhalten liegt nahe, und wie wertvoll eine TV-Tochter sein kann, macht nicht zuletzt Verlagskonkurrent Bertelsmann mit RTL vor.

Jedoch: Eine ProSiebenSat.1-Übernahme wäre ein ziemliches Vabanquespiel. Ein mit Milliarden verschuldetes Unternehmen, das auf dem Höhepunkt der Finanzkrise zum Pennystock verkommen war, nach einer Wertsteigerung von 2300 Prozent zu übernehmen – das lässt sich den eigenen Aktionären kaum vermitteln.

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Konzernchef Mathias Döpfner, dem in den vergangenen Jahren so viel gelungen ist und der zurecht für sich beanspruchen kann, von allen europäischen Verlagen am besten durch die Krise gekommen zu sein, würde mit der Milliarden-Übernahme sehr, sehr viel riskieren. Knapp 4 Milliarden Euro ist Springer heute an der Börse wert, 2,6 Milliarden ProSiebenSat.1. Im Falle einer Übernahme müsste noch einmal draufgelegt werden, das gebieten die Gesetze der Kapitalmärkte, so dass eine Offerte in der Größenordnung vom 3 Milliarden Euro realistisch erscheint.

Milliarden-Übernahme würde Springer vor Kraftprobe stellen

Für das sehr solide geführte Berliner Verlagshaus würde eine Übernahme – trotz des nötigen Kleingelds durch die jüngste Aktienplatzierung – zur echten Kraftprobe, die den Aktienkurs belasten dürfte, von einer monatelangen kartellrechtlichen Hängepartie einmal abgesehen. Immer wieder müsste sich Konzernchef Döpfner die Frage gefallen lassen, warum er nicht für einen Bruchteil des Wertes bei einem Euro zugeschlagen hat.

Den Makel des prozyklischen Investierens zu Höchstkursen würde der Springer-Vorstandschef in der nächsten Krise nicht mehr los – überteuerte Mega-Mergers wie AOL / TimeWarner lassen grüßen. Insofern erscheint das Geschäft auf diesem Kursniveau zu riskant. Springers direktes Presse-Statement zu den Spekulationen klingt durchaus glaubhaft: "Im Moment gibt es da keine Überlegungen", ist in der heutigen "SZ" zu lesen.

Zeitpunkt für P7S1-Verkauf für KKR / Permira ideal

Vielmehr könnte Springers vermeintliches Interesse dem Wunschdenken der Private Equity-Investoren KKR und Permira entspringen: Die "Heuschrecken" mussten auf dem Höhepunkt der Finanzkrise schon den Super-GAU befürchten – nämlich den Total-Verlust ihres drei Milliarden schweren Investments im Falle, dass der Werbemarkt nicht dreht.

Doch er drehte. ProSiebenSat.1 entwickelte sich in den vergangenen zwei Jahren kontinuierlich besser als von Analysten erwartet und sprintete an der Börse von Zwischenhoch zu Zwischenhoch. Ganze 20 Prozent fehlen jetzt nur noch zu den alten Allzeithochs von 2007. Der Zeitpunkt zur Veräußerung könnte also kaum günstiger stehen. Alles, was fehlt, ist der passende Abnehmer. Springer sollte sich sehr gut überlegen, ob es auf dem Gipfel in das investieren möchte, was es noch im tiefsten Tal verschmäht hat.

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