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Guttenberg-Rücktritt: „Adel verzichtet“

Die Mehrheit der Kommentatoren ist sich einig: Der Guttenberg-Rücktritt war überfällig. Für Spiegel-Online-Autor Christian Stöcker zeigt die Demission zudem, dass das Netz den Minister besiegte. "Der Rücktritt ist ein Sieg des Internets." Am klarsten Partei für den Verteidigungsminister a. D. ergreift der Bild-Hauptstadtkorrespondent Nikolaus Blome. Er fragt, "ob die Politik in Deutschland ohne diesen Minister unter dem Strich wirklich besser da steht? Sie tut es nicht!"

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Nikolaus Blome, Bild: "Die Mehrheit der Bürger stellte Guttenbergs Glaubwürdigkeit als Minister bis zuletzt nicht in Frage, ganz gleich, wer sie ihm von Opposition oder aus dem eigenen Lager auch absprach. Doch am Ende schützte ihn die Zustimmung der Bürger nicht. Denn in Berlin kann nicht sein, was nicht sein darf. Nun sollen die, die Guttenbergs Rücktritt wollten und bekamen, erklären, ob die Politik in Deutschland ohne diesen Minister unter dem Strich wirklich besser da steht. Sie tut es nicht!"

Spiegel Online, Roland Nelles: "Für Guttenberg muss das übrigens noch nicht das politische Ende sein. Die Geschichte zeigt, dass reuige Sünder in der Politik, auch in Deutschland, immer wieder eine zweite Chance bekamen. Franz-Josef Strauß, Cem Özdemir, Wolfgang Schäuble – das Parlament in Berlin wird bevölkert von gestrauchelten Helden, die immer wieder aufgestanden sind. So kann es auch Guttenberg gehen, nach einem Bad im politischen Abklingbecken." Weiter schreibt er: "Nur die Geschichte lehrt auch: Kanzler werden solche Menschen nicht. Damit ist es auch für Guttenberg vorbei. Ein falscher Doktor im wichtigsten deutschen Amt? Unvorstellbar."
Süddeutsche.de, Thorsten Denkler: Der Rücktritt kommt spät – nicht zu spät. Überfällig war er, aber in der Art und Weise seines Abgangs hat Guttenberg jenen Mann gezeigt, nach dem sich viele seine Anhänger sehnen: eine gradlinige Führungspersönlichkeit, die Fehler zugeben, sich entschuldigen kann und trotzdem Glaubwürdigkeit behält.
Michael Spreng, Sprengsatz: "Zu Guttenberg hat – wie viele Skandalpolitiker – den Zeitpunkt für den ehrenhaften Rücktritt verpasst. Deshalb jetzt der Unehrenhafte. Er wurde zum Getriebenen, sein versuchter Befreiungsschlag von Kelkheim verpuffte. Und im Rücktritt versuchte er noch einmal die unzulässige Verquickung des tödlichen Schicksals deutscher Soldaten mit seinem eigenen, selbstverschuldeten politischen Schicksal. Sie erneut als Entschuldigung für sein Zaudern, für sein Festhalten an dem Amt, vorzuschieben, ist einfach nur ekelhaft."
Focus.de, Martina Fietz: "CDU und CSU verlieren nicht nur ihren politischen Star, sondern vor allem einen Verteidigungsminister, der die Seele der Truppe ansprach und die schwierige Umstrukturierung der Bundeswehr offensiv anging. Andererseits aber war Guttenberg durch die Affäre um seine Dissertation zunehmend zu einer Belastung für die Kanzlerin und die sie tragenden Parteien geworden. Denn mittlerweile stand nicht weniger auf dem Spiel als Glaubwürdigkeit der bürgerlichen Kräfte."
Zeit Online: "Was Merkel nicht tat, übernahmen dann andere aus der Koalition, der Druck wurde so groß, dass der Minister dem nicht mehr standhalten wollte: Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sprach von einem "Sargnagel" für das Vertrauen in die Demokratie, Guttenbergs Kabinettskollegin, Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) sagte, sie schäme sich stellvertretend für die Wissenschaft."
Frankfurter Rundschau, Hans-Martin Lohmann: "Wer als Baron und Millionär zur Welt kommt und den Weg nach oben gar nicht erst zu suchen braucht, weil er immer schon oben ist, der gerät vielleicht unmerklich in die Lage, nicht mehr unterscheiden zu können zwischen dem, was er aus eigener Kraft und eigenem Verdienst zustande bringt, und dem, was andere für ihn leisten. Dem kosmischen Narzissten, der alles der eigenen Großartigkeit und Vollkommenheit zuschreibt, gerät aus dem Blick, dass es außer ihm eine Welt, z.B. die Welt der Wissenschaft gibt, die ihm nicht zugänglich ist und über die er deshalb nicht einfach verfügen kann. Insofern ist er auch nicht schuldfähig."
DerWesten.de, Walter Bau: "Dass Karl-Theodor zu Guttenberg zurücktritt ist konsequent. Gestürzt ist er nicht nur über die Plagiats-Affäre, sondern auch um seinen Umgang damit. Letztlich hat er sich selbst entzaubert."
RP Online, Michael Bröcker: "Karl-Theodor zu Guttenberg hat mit seinem Rücktritt nicht nur seine eigene Würde, sondern auch die Glaubwürdigkeit der bürgerlichen Koalition und der Kanzlerin gerettet. Im letzten Moment. Zu viele Widersprüche, zu viele Unwahrheiten und ein Aufstand der Kernklientel der Union haben dem im Volk weiterhin beliebten Minister ein Verbleiben im Amt unmöglich gemacht."

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