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Guttenberg-Aus: der Handy-Trick von n-tv

Als Karl-Theodor zu Guttenberg am Dienstag zurücktrat, war das Fernsehen nicht live dabei. Das Bundesverteidigungsministerium ließ unverständlicherweise keine Live-Kameras zu, Phoenix & Co. mussten minutenlang Archivbilder und Korrespondenten zeigen und darauf warten, dass die aufgezeichneten Bilder in den Sendern ankamen. n-tv-Zuschauer kannten da trotzdem schon Guttenbergs Worte - eine Reporterin des Senders übertrug die Rede per Handy live ins Fernsehen.

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Zu Guttenbergs Rücktritt bekommt durch das erneute Nicht-Zulassen von Live-Kameras einen bitteren Beigeschmack. Warum die Bilder nur als Aufzeichnung gezeigt werden sollten, ist völlig unverständlich. Phoenix, ARD, ZDF, Eins Extra, N24 – alle mussten warten, bis die von ihren Kamerateams aufgezeichneten Bilder aus dem Ministerium heraus gebracht werden konnten. Selbst Bild.de, das den Rücktritt als erstes Medium vermeldet hatte, war nicht per Bewegtbild live bei der Erklärung dabei, da man dort den N24-Stream eingebunden hatte.

Der n-tv-Reporterin Jutta Bielig, die geistesgegenwärtig und laut n-tv-Sprecherin Bettina Klauser in Absprache mit der Redaktion des Senders zumindest den Ton der Erklärung live per Handy übertrug und dem Sender damit einen Scoop bescherte, gebührt ein großes Lob. Noch unbeantwortet ist derzeit allerdings die Frage, ob das Ministerium davon wusste und die Übertragung duldete. Sollte dem nicht so sein und die Reporterin nun Ärger bekommen, gebührt ihr allerdings ein noch größeres Lob, schließlich ist das Verbot von Live-Kameras bei einer solchen Erklärung völlig unverständlich.

Während n-tv-Zuschauer also zumindest per Ton schon über den Wortlaut der Erklärung informiert waren, schaute das Publikum von Phoenix, ARD, ZDF und N24 noch in die Röhre. Korrespondenten schilderten die Lage, erzählten, dass keine Live-Übertragung zugelassen war. Erst um ca. 11.30 Uhr, also eine Viertelstunde nach der Erklärung, gab es die Bilder vom Guttenberg-Rücktritt – nun war N24 der schnellste Sender. Einige Minuten später zogen Phoenix und n-tv nach. Dennoch: Dank der Handy-Idee eines Reporters waren n-tv-Zuschauer am Dienstag als einzige live dabei.

[Nachtrag: Inzwischen gibt es unterschiedliche Sichtweisen der Abläufe im Bezug auf die Live-Übertragung. Das Bundesverteidigungsministerium spricht davon, dass es keineswegs ein Verbot gegeben hätte, sondern allen Sendern freigestellt worden war, live zu berichten. Auch das ARD-Hauptstadtstudio bestätigt dies und widerspricht damit den ersten Korrespondentenberichten von heute mittag, die auf verschiedenen Sendern, u.a. bei Phoenix, davon sprachen, die Live-Kameras seien nicht zugelassen worden. N24 teilt jedoch per Pressemitteilung mit, dass zumindest die Satellitenübertragungswagen, die für Live-Berichte nötig gewesen wären, vom Ministerium nicht auf das Gelände gelassen wurden – was de facto einem Live-Übertragungs-Verbot entspricht. Man sei "wie andere Sender auch" rechtzeitig mit der nötigen Technik vor Ort gewesen, doch die Abweisung vom Pförtner habe eine Live-Übertragung verhindert.]

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