Springer vermarktet die Holofernes-Kritik

Die taz hat in ihrer Montagsausgabe eine Anzeige der Bild gedruckt, die den "Ich glaub, es hackt"-Brief von "Wir sind Helden"-Frontfrau Judith Holofernes an die Agentur Jung von Matt dokumentiert. Darunter der Zusatz: "Bild bedankt sich bei Judith Holofernes für ihre ehrliche und unentgeltliche Meinung." An anderer Stelle im Blatt kommentiert die Sängerin den Feldzug als "ziemlich lahmen Versuch, ein Rückspiel zu erzwingen, weil man aus der ersten Runde nicht besonders glorios hervorgegangen ist".

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In dem ganzseitigen Interview erklärt Holofernes ihren Ärger auf Bild und die Kampagne ("Es hatte in erster Linie was mit Herzenshygiene zu tun"). Die Bild sei eine Macht, aber nicht mehr die Supermacht, die sie zu sein vorgibt. Selbstreflektiv gibt sie zu: "Ich bin ja schon nicht sicher, ob man so was machen kann, was ich da jetzt gemacht habe, ohne am Ende Werbung für die Bild-Zeitung zu machen." Dennoch finde sie es "interessant", dass die taz den Brief an die Agentur Jung von Matt druckte. Aus dem Interview ist rauszulesen, dass sie vorher nicht nach ihrem Einverständnis gefragt wurde. Sie wolle aber nicht gegen Bild klagen: "Ich hab auch keine Lust, da jetzt einen Fehdehandschuh aufzunehmen. Es ist ja doch das Berechenbarste, was sie machen konnten."
In den Kommentaren des tazblogs, in dem das Interview auch veröffentlicht wurde, fragen sich die User genau das: Warum gibt sich die taz für sowas her? Die Antwort liefert taz-"Blogwart" Sebastian Heiser: "Weil die Bild-Zeitung uns dafür bezahlt. Laut unserer Anzeigenpreisliste kostet eine ganzseitige, vierfarbige Anzeige unter der Woche 12.555 Euro. Das sind schon ein paar Monatsgehälter für einen taz-Mitarbeiter." Aus diesem finanziellen Grund würde die Tageszeitung auch Anzeigen von Konzernen wie Vattenfall oder BP drucken. "Unabhängiger Journalismus muss schließlich bezahlt werden und je mehr Geld wir haben, desto mehr können wir davon machen." Dabei müsse aber vorausgesetzt sein, dass die Anzeigen nicht die Unabhängigkeit tangieren. Dies würde man im aktuellen Fall an dem Interview sehen, das in der gleichen Ausgabe erschienen ist. "Und dass die taz unkritisch über die Bild-Zeitung berichtet, diesen Vorwurf hat bisher noch niemand erhoben."
Am Freitag hatte der Antwort-Brief von Holofernes an Jung von Matt, den sie auf der Homepage der Band veröffentlicht hatte, für so hohe Aufmerksamkeit im Netz gesorgt, dass der Server unter den Anfragen zusammenbrach. Die 34-Jährige wandte sich darin an die von Springer beauftrage Werbeagentur Jung von Matt, die die Sängerin für die Bild-Kampagne ("Ihre Meinung zu Bild, Frau/Herr XY") gewinnen wollte. Holofernes schrieb zurück: "Ich glaub, es hackt. Die lau­fen­de Pla­kat-​Ak­ti­on der Bild -​Zei­tung mit so­ge­nann­ten Testi­mo­ni­als, also ir­gend­wel­chem kom­men­tie­ren­dem Ge­seie­re (Auch kri­ti­schem! Hört, hört!) von so­ge­nann­ten Pro­mi­nen­ten (auch Kri­ti­schen! Oho!) ist das Per­fi­des­te, was mir seit lan­ger Zeit un­ter­ge­kom­men ist."

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