Der Zündholzstreit ums Spiegel-Cover

In seiner aktuellen Coverstory "überprüft" der Spiegel "die ethischen Standards und die journalistische Qualität" der Bild-Zeitung. Doch jetzt gerät das Cover in die Diskussion: Der Münchener Künstler Gürsoy Dogtas erhebt den Vorwurf, dass das Magazin beim Titelentwurf bei ihm abgekupfert habe. Dem entgegnet das Nachrichtenmagazin gegenüber MEEDIA, dass es sich offenbar um eine "Doppelschöpfung" handelt. "Wir sind beide, völlig unabhängig voneinander, auf dasselbe Motiv gekommen."

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Das Werk des Müncheners zeigt – genauso wie das Heft-Cover – ein Bild-Logo, bei dem der Rotraum aus hunderten Streichholzköpfen besteht. "Die Idee, das Rot im Bild-Logo durch Streichholzköpfe darzustellen, ist zweifelsohne genial, suggeriert dies doch die Gefahr, die durch dieses Blatt ausgeht, in einer anschaulichen Form", kommentierte Jens Berger in seinem Blog Spiegelfechter.com. Berger hatte als Erster von dem vermeintlichen Plagiat berichtete.

Das Kunstwerk von Gürsoy Dogtas

Gegenüber MEEDIA bestätigt der Künstler die Plagiatsvorwürfe: "Das Cover des aktuellen Spiegels ist eine Arbeit, die ich 2008 für eine Präsentation des Artistzine Matt Magazine #4 2008 in Berlin, in dem Off-Space Basso, hergestellt habe." Weiter erklärt er: "Diese Assemblage wurde im Lauf des Abends angezündet und für mehrere Wochen hing dieses Werk mit den abgekohlten Streichhölzern in dem Raum von Basso."
Der Künstler berichtet, dass er den Spiegel umgehend mit den Tatsachen konfrontiert habe, "aber leider ignorieren sie meine E-Mail." Mittlerweile gibt es eine Antwort. Die Hamburger haben dem Münchener einen Brief geschrieben. Darin heißt es, dass der Spiegel großen Wert auf die Feststellung lege, "dass uns nicht bekannt war, dass und wie Sie sich künstlerisch mit diesem Motiv auseinandergesetzt haben." Tatsächlich ist das Bild nicht im Internet zu finden.

Das akutelle Spiegel-Cover

"Uns war weder Ihre Aktion in Kreuzberg bekannt, noch war ein Mitglied der Titelredaktion dort anwesend, noch haben unsere Recherchen vorab ergeben, dass es dieses Motiv bereits gab". Weiter heißt es: "Wie hätte der Spiegel denn Kenntnis von Ihrem inzwischen offensichtlich verbrannten Werk erlangen können? Seien Sie versichert: wenn wir von Ihrer Aktion gewusst hätten, hätten wir sicher ein anderes Titelbild gewählt."
Möglicherweise hatten sowohl die Artdirektion, wie auch der Künstler, die gleiche "zündende Idee". "Der Spiegel-Titel ist hier in der Redaktion entstanden, im Übrigen angelehnt an eine andere, nicht veröffentlichte Titelproduktion aus dem Jahre 2004, mit einem anderen Motiv. Hier nun für das Bild-Motiv von Ihrem ‚geistigem Eigentum‘ zu sprechen, ist nur insoweit zutreffend, als sowohl Ihnen als auch uns gleiche Rechte an dieser Gestaltung zustehen", heißt es weiter in dem Brief.
Die Argumente des Nachrichtenmagazins sind nicht unzutreffend, denn bislang haben die Hamburger immer in ihrem Editorial ("Hausmitteilung") darauf hingewiesen, wenn sie sich bei einem Cover von einem Kunstwerk haben inspirieren lassen. Das bedeutet jedoch nicht, dass es auch in diesem Fall so hätte sein müssen. Im Spiegelhochhaus ist man allerdings nicht begeistert von der Vorgehensweise Dogtas‘. So heißt es in dem Schreiben: "Bei allem Verständnis dafür, dass Sie meinen, im Recht zu sein: es wäre richtig und angemessen gewesen, erst unsere Antwort abzuwarten, anstatt uns zu beschuldigen, „mal wieder die Rechte des geistigen Eigentums" zu verletzen."
Der aktuelle Titelärger ist nicht der erste Fall, bei dem sich die Hamburger Plagiatsvorwürfe gefallen lassen müssen. Gut in Erinnerung dürfte vielen noch das Spiegel/Newsweek-Cover mit einer großen Notbremse sein oder die Titelgeschichte "Macht das Internet doof", die sehr eng an einer Titelgeschichte aus dem US-Magazin The Atlantic angelehnt war.

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